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Spam, Spim, Splog - kein Ende in Sicht
02.02.2006 | Artikel drucken

Man soll nicht alles glauben, was versprochen wird. Und speziell Aussagen von Bill Gates werden immer genau unter die Lupe genommen. Vor zwei Jahren hat er in Davos das Ende des Spams für Anfang 2006 versprochen. Tatsächlich sollten wir uns aber auch virtuell warm anziehen, denn die nächste Spammer-Generation hat viel gelernt.

Alles wird schlimmer. Das betrifft zunächst die herkömmlichen Belästigungen durch eMails, beim Instant Messaging oder durch SMS. Jedenfalls fällt das vielen Spezialisten auf. Ich bin anscheinend schon zu abgestumpft, um eine Veränderung in der Intensität zu erkennen. Bei einem Blick in mein Postfach schien allerdings ein Kollege, mit dem ich in der vergangenen Woche in Lettland zu tun hatte, verstört: Ob ich die Mails in meinem Spam-Folder nicht regelmäßig löschen würde? Doch, selbstverständlich, jeden Morgen. Aber bis zum frühen Abend sind häufiger hundert neue und mehr eingegangen.

Das ist eben so: Im Jahresdurchschnitt 2005 wurden 68,6 Prozent aller eingehenden eMails als unerwünschte Massensendungen identifiziert, berichtet Messagelabs. Im Jahr 2004 habe der Wert zwar noch bei 72,3 Prozent gelegen (Kein Wunder, dass ich keine Veränderungen feststelle), aber in den letzten Monaten habe der Spam-Anteil wieder zugenommen und sich dem Januar-Jahreshoch von 2005 angenähert.

Da unser Spam-Filter immer schlauer wird, habe ich leider auch keinen Überblick mehr über die aktuellen Themen, um die es in den Spam-Mails geht - aber wahrscheinlich könnte ich sowieso nicht mehr wie noch vor einem Jahr auf Parties mit Erzählungen über die verschiedenen Möglichkeiten zur Vergrößerung von Geschlechtsteilen zur Lockerung der Stimmung beitragen, weil alles schon ein alter Hut ist. Eine aktuelle Untersuchung aus den USA von Postini unterscheidet vier „Top Spam Typen“: Platz eins halten Arzneimittel und Software mit 28 Prozent (Viagra ist deswegen auch kein Thema mehr). Knapp dahinter liegen allgemein betrügerische und spezielle Phishing-eMails auf Platz zwei mit 27 Prozent. Sonderangebote folgen mit 20 Prozent und erst auf dem vierten Platz die pornographischen eMails mit 15 Prozent.

Richtig unangenehm ist Spim, unerwünschte Werbung beim Instant Messaging (SPam over IM), denn dabei geht es in der Regel nicht mehr um harmlose, nahezu partygesprächstaugliche Belästigungen, sondern um Angriffe. Und die sollen im vergangenen Jahr um 1700 Prozent zugenommen haben. Am häufigsten sind dabei destruktive Würmer mit rund 90 Prozent.

Nur der Vollständig halber: Von den täglich neu entstehenden etwa 70.000 Blogs sollen nach Schätzungen von Experten etwa zwei bis acht Prozent „splogs“ sein. Sie dienen einzig und allein dazu irgendetwas anzupreisen, im Spektrum von Spielcasinos, Diätplänen und (natürlich) Pornographie.

Insgesamt also alles nicht schön, aber schon fast normal. Allerdings soll es in der nächsten Zeit doch noch ein bisschen schlimmer kommen. AOL Experten gehen davon aus, dass 2006 das Jahr der Zombie Networks werden wird. Sie befürchten, dass sie gegen Heerscharen von PCs, die mit bösartigen Softwareprogrammen verseucht sind, nicht viel ausrichten können. Denn wenn eine Million Spam-Mails von einem einzigen Rechner aus gesendet werden, sind sie relativ einfach zu identifizieren und recht schnell zu blocken. Wenn aber ein ganzes Netzwerk von Zombie-PCs eingesetzt wird, sieht die Sache übel aus.

Gerissener werden auch die Identitäts-Diebe, denn die Phisher entdecken das „targetting“. Wir werden demnächst gut aufpassen müssen, wenn sich der „Verein der Freunde und Förderer…“ meldet - dahinter könnte sich auch ein Phisher verstecken.

Aber Sie wissen: Trotz aller Schreckensmeldungen bin ich keine Freundin von Jammern und Nörgeln. Ich bevorzuge Aktionen wie die von Stopbadware.org - „We can fight back!“ heißt hier das Motto. Gesponsert von Google, Lenovo und Sun Microsystems wollen die Initiatoren allen Internetnutzern dabei helfen, die Kontrolle über ihre PCs wiederzuerhalten, die Intention können Sie im „StopBadware Manifesto“ nachlesen, es lohnt sich.

Und dann sollten wir auch hier vor unserer eigenen Haustür kehren: Einen deutschen „Ableger“ von Stopbadware könnten wir doch sicher auf die Beine stellen. Ich wäre jedenfalls dabei.

 

 

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