15.000 Lebensmittel aus dem Trocken-Bereich bietet Amazon seit kurzem über die US-Website an. Was als Betatest gekennzeichnet ist, muss wohl eher als Versuch der Wiedererweckung eines längst Dahingeschiedenen gesehen werden.
Niemandem ist die große Internetkrise 2001 so auf den Magen geschlagen, wie den Online-Anbietern von Lebensmitteln. Eine der größten Pleiten legte Webvan hin. Von einem Tag auf den anderen verschwanden die netten Lieferwagen des Onlinehändlers von der Straße. Das meiste Geld aber steckte in großen Verteilzentren, deren Überreste anschließend bei Ebay versteigert werden mussten.
Seitdem gilt das Lebensmittelgeschäft im Internet als schwierig. Und selbst in den USA, wo praktisch alles übers Internet verkauft wird, haben nur wenige, meist regional begrenzte Unternehmen, überlebt. Neben vielen anderen Ursachen, waren es vor allen Dingen die enormen Logistikkosten, die für die enormen Verluste verantwortlich waren.
Amazon geht jetzt mit seinen Partnern einen anderen Weg. Die Lebensmittel werden über die gleichen Logistik-Infrastrukturen vertrieben, wie alle anderen Produkte bei Amazon. Das sichert im Übrigen auch die kostenfreie Zustellung bei einem Warenwert von über 25 US $. Ob dies nach dem Betatest weiter funktioniert, bleibt abzuwarten. Für mich ist das ganze noch nicht der große Durchbruch. Die Beschränkung auf die Trockenprodukte ist nur für Leute interessant, die sich dauerhaft für Thunfisch aus der Dose entscheiden.
Man kann die ganze Sache mit den Online-Lebensmitteln aber auch anders anpacken. Das hat Tesco, die führende Supermarktkette aus Großbritannien, gezeigt. Der Onlineumsatz mit Lebensmitteln dürfte bei Tesco etwa eine Milliarde Pfund im letzten Jahr betragen haben. Mit circa 170.000 Bestellungen pro Woche ist Tesco mit Abstand der weltweit größte Onlinehändler bei Lebensmitteln.
Inzwischen vertreibt Tesco über seine Onlineshops auch praktisch alles, was auch sonst im Geschäft verkauft wird. Neben Kleidung, Reisen gibt es dort auch Musikdownloads, Gas und Elektrizität zu kaufen. Für die Auslieferung der Lebensmittel leistet sich Tesco eine eigene Flotte von Lieferwagen. Ansonsten wird aber die bestehende Logistik der Supermarktkette genutzt. Selbst die einzelnen Kommissionen werden im jeweiligen Supermarkt zusammengestellt und in den Umkreis ausgeliefert. Das hat geholfen, die Logistikkosten niedrig zu halten. Allein im ersten Halbjahr 2005 konnte ein Gewinn von 21 Millionen Pfund verzeichnet werden. Das Vorbild von Tesco macht Schule. Inzwischen hat Sainsbury seine verlustreiche Strategie aufgegeben, den Onlinehandel über eine eigene Logistik mit zentralen Verteilcentern abzuwickeln.
Trotz der enormen Erfolge von Tesco ist der Onlinehandel mit Lebensmitteln bis heute weitgehend eine britische Spezialität geblieben. Hieran wird der neueste Versuch von Amazon nichts ändern. Was ist schließlich ein fünf Kilo Päckchen von Amazon mit Haferflocken gegen eine komplette Wochenration, die Tesco theoretisch jedem englischen Haushalt vor die Haustür stellen kann.

