Eigentlich hat mich Amanda Congdon – genauer ihr spektakulärer Abgang bei Rocketboom – darauf gebracht, die extrem schlechten Prognosen für Triple Play mit einem großen Fragezeichen zu versehen. Die Videoblogs mit Amanda Congdon, vor der Weltkarte sitzend, sind so etwas wie die Tagesschau des Internetfernsehens und locken Hunderttausende vor den Bildschirm.
Die Popularität von Amanda ist aber nur ein Indiz dafür, dass Fernsehen von Morgen nicht nur etwas anders funktioniert, sondern auch Millionen von „Zuschauern“ finden wird. Ich glaube kaum, dass das schon in die Prognosen eingerechnet ist, die heute nur müde Aussichten für Triple Play zu bieten haben.
In etwa drei Wochen wird es sich zeigen, wenn die Telekom mit ihrem Triple Play Angebot startet. Wirklich attraktiv wird Fernsehen übers Internet werden, wenn ihr neues Hochgeschwindigkeitsnetz aufgebaut ist. Hier hofft die Telekom, dass sie einige Zeit vom Wettbewerb freigestellt wird, um die so genannten Pioniergewinne einzustreichen. Einige Marktforscher bezweifeln jetzt, dass diese Gewinne überhaupt anfallen werden.
Am weitesten geht Forrester Research mit der Behauptung vom finanziellen Selbstmord. Innerhalb von zehn Jahren soll die Telekom 1.300 € Verlust bei jedem Nutzer dieses neuen Netzes machen. Laut Forrester ist Fernsehqualität im Internet in Deutschland nicht gefragt, da hierzulande bis zu maximal 48 freie TV-Kanäle genutzt werden können. Kaum jemand soll bereit sein für TV-Dienste zu zahlen.
Forrester steht nicht ganz alleine da. Andere Analysten sprechen angesichts der Marktpotentiale für Triple Play von einer Sparbuch-Rendite. Manche sehen einen Nischenmarkt für Triple Play – Enthusiasmus kann das nicht auslösen. Ob sich der Aufbau von Hochgeschwindigkeitsnetzen, über die Triple Play Angebote erst richtig sinnvoll werden, wirklich nicht lohnt, steht jedoch noch lange nicht fest. Eindeutig jedenfalls sind die Hinweise darauf, dass sich Angebot und Nachfrage nach immer mehr Bandbreite bisher dynamisch und im Gleichgewicht entwickelt haben. Wenn es um mehr Bandbreite beim Internet geht, so sind mir keine Investitionsruinen bekannt. In Korea fühlen sich die Nutzer erst bei 100 MegaBit so richtig wohl. Vergleichbares wird NetCologne mit einem neuen Glasfasernetz demnächst den Kölnern zur Verfügung stellen.
Triple Play ist eben mehr als klassisches Fernsehen, Internet und Telefonie aus einer Hand. Parallel dazu entwickelt sich eine Nachfrage nach einem neuen und interaktiven Fernsehen auf Internetbasis, dessen Marktvolumen noch nicht abzuschätzen ist. Wem hierbei die Hinweise auf Videoblogs oder Webdienste mit hunderttausenden von privaten Videos wie bei YouTube zu exotisch sind, der sollte einfach über die Grenze ins Nachbarland schauen. KPN hat sein IPTV Angebot unter dem Namen „Mine“ gestartet. Bereits jetzt bekommen wir einen Vorgeschmack davon, dass zukünftig Anbieter von Fernsehdiensten in einer bisher nicht für möglich gehaltenen Anzahl auftreten werden. Ajax, Feyenoord und PSV machen mit eigenen interaktiven TV-Programmen den Anfang. Bloß - was wäre Internetfernsehen ohne Stars? Amanda Congdon wird nicht lange alleine bleiben.

