Nicht alles ist für die Ewigkeit: Auch viele eMails haben, soweit es ihren Nachrichtenwert angeht, eine kurze Verfallszeit. Und sowieso ist es nicht schön, wenn man sich, anders als Adenauer, um sein dummes Geschwätz von gestern morgen doch wieder kümmern muss.
Jeden Morgen das Gleiche: Nur langweilige eMails in der Mailbox – wieder keine Abenteuer, die auf mich und meine Spezialeinheit warten. Dabei wäre es jetzt doch möglich, dass sich ein alter Kindertraum erfüllt: „Guten Morgen, Frau Gatzke (na ja, im Original war es Jim Phelps, der den Auftrag erhielt)… Wir wissen, dass Ihre Chance gleich null ist. Sollten Sie, oder einer Ihrer Mitarbeiter während des Auftrags gefasst oder getötet werden, müssen wir leugnen, Sie zu kennen. Dieses Band wird sich in wenigen Sekunden selbsttätig vernichten! Kobra, übernehmen Sie!“
Nein, natürlich ist im FTK mit solchen Aufträgen wirklich nicht zu rechnen. Aber wenigstens könnten sich einige der vielen eMails, die sinnloser Weise in meiner Mailbox herumliegen, selbst vernichten: Einladungen zu Veranstaltungen, die bereits seit langem vorbei sind, oder auch Werbung für Sonderangebote, die es nicht mehr gibt. Dazu noch der Soundtrack von Lalo Schifrin (45 Sekunden gibt es unter http://www.tv-nostalgie.de/Sound/Kobra.htm) und einige Probleme sind gelöst. Und von Zeit zu Zeit habe ich selbst auch das Bedürfnis, eine eMail zu senden, von der ich vorher schon weiß, dass ich es besser nicht tue. Aber wenn es möglich wäre, dem Empfänger nur kurz und einmalig die Botschaft quasi unter die Nase zu halten und dann verschwinden zu lassen - das wäre schön.
Tatsächlich gibt es schon Services, die - wenn auch ohne Musik -, dafür sorgen, dass eine eMail sich nach Ablauf einer vorher bestimmten Frist „selbst zerstört“, der Empfänger sie nicht weiterleiten oder ausdrucken kann. Auf ein solches Angebot spezialisiert ist Kablooey Mail (http://www.kablooeymail.com). Seit Juli dieses Jahres kann hier, nachdem man sich eingeloggt hat, eine Mail schreiben und versenden, die man dann mit integriertem „Verfallsdatum“ versendet. Nach Ablauf einer Frist, wahlweise von zehn Sekunden bis zwei Wochen nach dem Lesen der Mail, soll sie gelöscht werden.
Der Haken bei der Sache: Die Mail wird zwar von Kablooey mit der richtigen Absenderadresse an den Empfänger geschickt. Aber der enthaltene Text ist nicht die eigentliche Nachricht, sondern lediglich ein Link zurück auf die Website. Dort soll der Empfänger sich die Nachricht in der vorherbestimmten Frist ansehen können. Dabei führe, so die Angaben des Anbieters, jeder falsche Tastendruck zur sofortigen Löschung, erlaubt seien nur die Pfeiltasten oder das Scrollen. Also kann eine solche Nachricht gar nicht richtig in unseren Mailboxen ankommen…
Vielleicht wird das im nächsten Jahr anders. Wie das Wall Street Journal Online berichtet, plant Microsoft für das kommende Outlook 2007 einige Neuerungen in diese Richtung. Neben dem Versand von eMails mit „expiration date“ soll es dann auch eine Variante geben, die mit so genannten „electronic postmarks“ wie ein Einschreiben funktioniert. Und der Sender erhalte auch die Macht, darüber zu entscheiden, ob eine Weiterleitung oder das Ausdrucken erlaubt ist. Ob wir uns dann wirklich nicht mehr um unser Geschwätz von gestern kümmern wollen, werden wir dann neuerdings entscheiden müssen.

