„Keiner“ ist etwas übertrieben. Aber von den über 100 Unternehmen, die ursprünglich an den WiMAX-Lizenzen interessiert waren, sind nur noch sechs übrig geblieben. Lediglich drei haben vor ein bundesweites Netz aufzubauen. Wie viele letztlich nach der Versteigerung, die am 12. Dezember beginnt, übrig bleiben werden, ist noch eine offene Frage.
Fest steht jetzt schon, dass sich kein einziger der deutschen Festnetzbetreiber, Mobilfunknetzbetreiber und Kabelnetzbetreiber beworben hat. Einige der Bewerber sollen „Newcomer“ sein, die mit WiMAX in den deutschen Markt einsteigen wollen. Ihre Namen werden erst vor der Versteigerung bekannt gegeben.
Das war ein deutliches Zeichen, das der Markt gegeben hat. Aber was bleibt vom Hoffnungsträger WiMAX? Normalerweise sollte man nicht krampfhaft versuchen, schlauer als der Markt zu sein. „Follow the money“ (diesmal sozusagen in entgegengesetzter Richtung) ist meistens ein guter Rat.
Ein Blog wäre natürlich kein Blog, wenn man sich allzu schnell geschlagen geben würde. Unisono scheint die Branche der Carrier jetzt darauf zu setzen, erst einmal die Investitionen in ihre bestehenden Netze wieder herauszuholen. Die aktuelle Lage der meisten Unternehmen führt anscheinend dazu, vor allem einer Strategie zu folgen: Keine Experimente! Für die Telcos heißt das momentan, dass vor allem auf DSL und UMTS gesetzt wird. Das kann aber auch ins Auge gehen.
Breitbandiges Internet über Mobilfunk ist mit HSDPA möglich. Ob ein Massengeschäft daraus wird, ist jedoch fraglich. So sind die Chip-Sätze für HSDPA um eine Zehnerpotenz teurer, als diejenigen für WiMAX-Endgeräte. Ähnlich kurzsichtig könnte die Konzentration im Festnetzbereich auf DSL sein. Während die großen westeuropäischen TK-Unternehmen noch um die richtige Ausbaustrategie ringen und mit ADSL2+ oder VDSL2 Konzepte verfolgen, die auf der teuren Kombination herkömmlicher Kupferleitungen mit modernen Glasfaserleitungen basieren, haben sich viele kleinere Wettbewerber bereits für durchgängige Glasfaserlösungen entschieden. Langfristig werden sie damit mehr Bandbreite und vielfältigere Angebote zur Verfügung stellen können. Der Entwicklungspfad zu Fiber-To-The-Home (FTTH) ist deutlich zu erkennen. Das ist jedenfalls das Ergebnis einer neuen Studie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie zu den technologischen und ökonomischen Langfristperspektiven der Telekommunikation.
Zurück zu WiMAX. Ich bin überzeugt davon, dass der Zurückhaltung der Anbieterseite nichts Entsprechendes auf der Seite der Nachfrager gegenüber steht. Damit meine ich nicht in erster Linie die Nachfrage nach Breitbandanschlüssen in unterversorgten Gebieten, in denen DSL nicht zur Verfügung steht. Es geht um etwas anderes.
Diejenigen, die jetzt in WiMAX investieren, können von einer großen Nachfrage nach breitbandigem Internet ausgehen, vorausgesetzt dass Zugang und Endgeräte für den Massenmarkt erschwinglich bleiben.
Zweifellos ist der Hintergrund Web 2.0. Das Internet hat sich inzwischen zum Medium der Dauerkommunikation entwickelt und die ist heute ohne den Einsatz von Audio und Video nicht mehr vorstellbar. Kommunikation jedoch, die nicht jederzeit und an jedem Ort möglich ist, wird bald von gestern sein. Bewohner von Second Life oder Up- und Down-Loader von YouTube-Videos – warum sollten sie sich in ihrer Mobilität einschränken lassen?
WiMAX ist zurzeit die einzige Technologie, die dem sich abzeichnenden Massenansturm auf das mobile breitbandige Internet gewachsen ist. In einigen Monaten kommen die ersten Endgeräte, von denen Samsung jetzt schon eines vorgestellt hat. Und im letzten Jahr hat die gleiche Firma bereits demonstriert, dass WiMAX Nutzer sich mit 120 km pro Stunde fortbewegen können und ein Handover zwischen den Funkzellen möglich ist. Was will man mehr?

