Ich muss mich wohl verhört haben. Als Internetenthusiast will man solche Meldungen am liebsten nicht lesen. Das renommierte Marktforschungsinstitut Forrester Research warnt jedoch seit dem letzten Jahr regelmäßig auf der Basis von empirischen Daten vor einer Überschätzung des Internetfernsehens.
Worum geht es dabei? Jedenfalls nicht um das Internetfernsehen generell. Was gemeint ist, ist der Versuch der Telcos quer durch Europa, den Haushalten klassisches Fernsehen über das breitbandige Internet zu verkaufen. Im Kern geht es also um die so genannte Triple Play Strategie, als Anbieter von Telephonie, Internet und Fernsehen aus einer Hand aufzutreten.
Alle Anbieter stehen hier noch am Anfang. British Telecom will mit seinem Angebot „BT Vision“ bis Ende 2007 gerade mal 200.000 Kunden erreichen. Deutsche Telekom hat sich schon mehr vorgenommen. 2,5 Prozent der Haushalte sollen zum gleichen Zeitpunkt erreicht werden. Das wären dann eine Million Triple Play Abonnenten. Forrester hält diese Zahlen für zu hoch gegriffen und die Zahlungsbereitschaft der Kunden für das Fernsehangebot über Internet für überschätzt. Die ernüchternde Nachricht ist, dass unterm Strich die geplanten Investitionen in das hyperschnelle DSL sich mittelfristig nicht rechnen werden.
Werden die schwachen Aussichten für Triple Play dazu führen, dass der Ausbau des breitbandigen Internets nicht weiter vorangetrieben wird? Forrester jedenfalls empfiehlt den Investoren, hier auf die Bremse zu treten. Der Denkfehler bei der ganzen Geschichte liegt allerdings darin, dass, was im Rahmen von Triple Play auf die häusliche Mattscheibe gebracht werden soll, nur ein Bruchteil von IPTV ist.
Wenn man wissen will, was morgen Internetfernsehen ist, dann darf man nicht nur daran denken, dass die Tagesschau oder das Heute Journal über den Internetanschluss kommen. Zentral ist die Frage, wie sich der Bedarf an Bewegtbildern entwickelt, egal ob er etwas mit dem traditionellen Fernsehen zu tun hat oder nicht. 25 Millionen Video-Downloads täglich von YouTube sind schon was – für den Cisco Chef John Chambers möglicherweise aber nur Peanuts. Mit aller Vorsicht – Cisco lebt schließlich von der wachsenden Nachfrage nach Bandbreite – ist IPTV der entscheidende Treiber für das, was wir in Zukunft an Traffic im Internet erleben werden. Chambers jedenfalls geht davon aus, dass 2015 monatlich 15 exabytes (ein exabyte ist 1 Milliarde Gigabytes) durchs Internet geschoben werden.
Wenn das so ist, dann stellt sich sofort die Frage, was aus Telekommunikationsunternehmen wird, die ihre Netze für diesen Run auf Bandbreite nicht rechtzeitig ausbauen. Dabei geht es gar nicht darum, ob die neuen, schnellen DSL-Netze ausgebaut werden. Was 2015 gefragt ist, ist FTTH – Fiber to the home. Ob Triple Play jetzt ein Geschäft wird oder nicht: Wer 2015 keine Pipe mit 100 Megabyte anzubieten hat, der braucht sich über die Verluste, die er irgendwann mit Triple Play gemacht hat, auch keine Sorgen mehr zu machen.

