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Hyperdisruption - 2007 wird krass
11.01.2007 | Artikel drucken

Ist es der Winterschlaf oder die Frühjahrsmüdigkeit? Das neue Jahr macht noch keinen besonders munteren Eindruck auf mich. Aber hinter diesem „Alles geht so weiter wie bisher“ braut sich einiges zusammen. Denn die bislang scheinbar nebeneinander verlaufenden Entwicklungslinien der Trends des vergangenen Jahres haben enormes Beschleunigungspotential.

In den ersten Tagen eines neuen Jahres findet sich meist ein bisschen Zeit, um über die Dinge nachzudenken, die sich für die kommenden Monate als besonders spannend ankündigen. Diesmal allerdings wollte mir zunächst gar nichts einfallen. Schließlich hatte es doch 2006 schon große Aufregungen und heiße Diskussionen gegeben: Web 2.0, Internet der Dinge, neue drahtlose Breitband-Infrastrukturen - kennen wir doch jetzt. In diesen Bereichen sind keine grundsätzlich ganz neuen Abenteuer zu erwarten.

Stichwort Web 2.0: Immer mehr Menschen produzieren immer mehr Content und Informationshierarchien, wenn es sie noch gibt, werden immer flacher. Stichwort Internet der Dinge: Den sprechenden Kühlschrank kann Samsung liefern, sobald die RFID-Tags auf den Yoghurtbechern kleben. Und intelligenter Zement wurde auch schon erfunden. Stichwort neue drahtlose Breitband-Infrastrukturen: Die WiMAX-Lizenzen sind versteigert. Und dass das iPhone kein UMTS kann, gehört zwar in die „Noch-nicht“, aber sicher auch in die „Nicht-mehr-lange“-Kategorie. Natürlich würde ich mich freuen, wenn ich eins bekäme ;-) - aber als Trend für die kommenden zwölf Monate taugt das nicht.

Ganz orientierungslos wollte ich allerdings dennoch nicht ins neue Jahr starten. Es gibt ja auch noch andere Möglichkeiten, wenn eigenes nachdenken nicht weiterführt. Diesmal hat mich Frank Gens von IDC mit der richtigen Idee versorgt. Seine Vorhersage für das Jahr 2007: „Prospering in an Era of Hyperdisruption“. Gut gebrüllt, finde ich. Nach all den Revolutionen, die wir im vergangenen Jahrzehnt durchgemacht haben, den Megatrends, die beschworen wurden und in Evolutionen mündeten, ist Gens mit „Hyperdisruption“ eine Begriffsschöpfung gelungen, die das Brodelnde der gegenwärtigen Situation sehr gut auf einen Höhepunkt hinführt.

Was meint Gens mit Hyperdisruption? Zum Beispiel, dass die IT-Ausgaben weiterhin durchschnittlich wachsen? Fast schon langweilige 6.6 Prozent sind prognostiziert. Allerdings: Gerade diese moderaten Aussichten sollen die Anbieter dazu verleiten, auf der Suche nach „tieferen Taschen“ auch die disruptiven Geschäftsmodelle schneller zu adaptieren. Im Jahr 2007 wird demnach manch ein kleines Unternehmen groß herauskommen, mehr Software wird zum Service - und Service zur Software. Anbieter von Business IT sollen „consumer-ish“ werden, ebenso wie die Applikationen für den Endverbrauchermarkt immer häufiger auch die Unternehmen erobern. Insbesondere der Telekommunikationsmarkt wird geprägt durch Konvergenz, Wettbewerb und Kreativität: Kabelunternehmen werden „telco-ish“, Telcos werden „IT-ish“ und Internet Video wird „TV-ish“.

Für mich ist die Schlussfolgerung klar: Das Abenteuer liegt 2007 direkt um die Ecke. Ich glaube Frank Gens hat Recht: Es wird eine noch nicht gesehee Zahl von Disruptionen geben, und zwar gleichzeitig in den unterschiedlichsten Bereichen. Das Spannende daran, das zum „Hyper“-Charakter führt, entsteht durch die Interaktion der verschiedenen Störungen/Unterbrechungen (oder wie auch immer man „Disruption“ übersetzen möchte). Und was noch wichtiger ist: Die einzelnen Entwicklungen werden sich gegenseitig antreiben und ernorm beschleunigen. Winterschlaf/Frühjahrsmüdigkeit ist also kein Thema mehr - ich sehe zu, dass ich schleunigst in Fahrt komme.

 

 

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