Konzepte, Lösungen und Entwicklungen - Wird das Internet EDI verdrängen? 22.07.1999 | Artikel drucken
Das Internet wächst kontinuierlich. Mit diesem rasanten Wachstum steigt auch die Bedeutung des Internets als Wirtschaftsfaktor. Dabei wird von den Unternehmen in der allgemeinen Euphorie oft übersehen, dass das Internet lediglich eine Plattform für den elektronischen Geschäftsverkehr darstellt.
Das Internet wächst kontinuierlich. Die Zuwachsraten der Internetgemeinde sind gigantisch, da sich die Zahl der Internetnutzer derzeit jährlich verdoppelt. Mit diesem rasanten Wachstum steigt auch die Bedeutung des Internets als Wirtschaftsfaktor. Dabei wird von den Unternehmen in der allgemeinen Euphorie oft übersehen, dass das Internet lediglich eine Plattform für den elektronischen Geschäftsverkehr darstellt, somit aber den Nährboden für eine Vielzahl von neuen Geschäftsaktivitäten bietet. Diese reichen von der reinen Unternehmensdarstellung bis hin zu Online-Shopping-Systemen und stellen Ausprägungen des in aller Munde befindlichen Oberbegriffs Electronic Commerce dar. Hierzu zählt ebenso der klassische, elektronische Datenaustausch über Electronic Data Interchange (EDI). Vor diesem Hintergrund werden immer öfter Fragen nach der Beziehung von EDI und Internet gestellt. Die wohl am häufigsten gestellten Fragen in diesem Zusammenhang sind: Wird das Internet EDI verdrängen? Warum tauscht man bislang nur sehr selten EDI-Nachrichten über das Internet aus? Kann man das Internet und EDI nicht sinnvoll verbinden? Auf diese Fragestellungen soll daher im folgenden näher eingegangen werden.
EDI und Internet: Substitution oder Synergieeffekte? Sieht man einerseits das Internet als infrastrukturelle Basis für vielfältige Informations- und Kommunikationsbeziehungen und EDI andererseits als Möglichkeit des direkten Datenaustausches, stellt sich zwangsläufig die Frage, inwieweit sich beide Datenaustausch-Konzepte gegenseitig ergänzen, ausschließen oder kannibalisieren. Das Internet könnte gegebene oder potentielle EDI-Anwendungen ersetzen, wenn eher globale Kommunikationsbeziehungen im Vordergrund stehen. Konkret heißt dies, dass Art und Anzahl der Kommunikationspartner nicht von vornherein feststehen, die Kommunikationspartner außer einem Browser keine spezifische Software benötigen, und die auszutauschenden Daten unterschiedlich - mehr oder weniger multimedial - aufbereitet werden können. Dies bedeutet unter dem Strich, dass keine standardisierten Formate ausgetauscht werden, die eine automatische Verarbeitung ermöglichen. EDI dagegen ist die geeignete Form des Datenaustausches, wenn regelmäßige Geschäftsbeziehungen zugrunde liegen und ein häufiger Austausch von Daten und Informationen erfolgt. Dabei handelt es sich immer um eine kommerzielle Geschäftsabwicklung zwischen zwei Unternehmen. Unabhängig von der Art des zugrundeliegenden Geschäftsvorfalles stehen standardisierte Daten im Vordergrund, die direkt in den internen Anwendungssystemen weiterverarbeitet werden können und dabei standardisierte Abläufe ohne Medienbruch (menschliche Eingriffe) in Bewegung setzen (vgl. Kapitel über EDI-Technologie). Konkrete Beispiele hierfür sind:
• Geschäftsabwicklung (Bestellungen, Rechnungen und Lieferscheine) zwischen Kunden und Lieferanten • Einbeziehung der automatisierten Zahlungsabwicklung mit Banken • JIT-Beziehungen zw. Hersteller und Lieferanten unter Einbeziehung der Logistikdienstleister
Es lässt sich daher festhalten, dass das Internet den standardisierten elektronischen Datenaustausch nicht ersetzen können wird. Trotzdem ist deutlich absehbar, dass die Bedeutung des Internets für EDI enorm zunehmen wird. Dies allein aus dem Grund, da das Internet die Menschen und Unternehmen für elektronische Geschäftsvorgänge öffnet und Technologieängste abbaut. So nimmt das Internet generell eine Funktion als EC-Beschleuniger wahr, welche sich entsprechend im Bereich EDI niederschlägt. Bildlich gesprochen kann man sagen, dass der "Charme" bzw. die Ausstrahlungskraft des Internet dem Electronic Commerce und somit auch EDI Türen öffnet, die z.T. bislang verschlossen schienen.
WEB-EDI: EDI über das Internet Durch die technische Globalität des Internets ist eine unmittelbare, direkte Kommunikation einer Vielzahl von Computern möglich. Mit ständig steigender Teilnehmerzahl (für das Jahr 2001 schätzt man etwa 300 Mio.) stellt das Internet damit eine offene Kommunikationsstruktur zur Verfügung, die langfristig möglicherweise sogar mit der "Gelben Post" vergleichbar ist. Vor dem Hintergrund der auch mit EDI verbundenen Zielsetzung einer möglichst offenen Kommunikationsstruktur kann das Internet damit, zumindest was die technische Übertragungsebene betrifft, eine wichtige ergänzende Unterstützung zum heute üblichen X.400- Standard darstellen, vielleicht auf lange Sicht den X.400-Standard sogar verdrängen. Die Entwicklung des Internets zum Transportmedium für EDI-Daten ist mittlerweile nicht mehr aufzuhalten. Fast alle EDI-Dienstleister und -Systemhersteller bieten mittlerweile sogenannte Web-EDI-Lösungen an, die sich des Internets als Kommunikationsinfrastruktur bedienen. In diesem Bereich lassen sich grundsätzlich drei verschiedene Ansätze unterscheiden, die an dieser Stelle näher erläutert werden sollen.