Was Sie bei Partnerprogrammen beachten sollten 15.08.1999 | Artikel drucken
Waren und Dienstleistungen im Internet verkaufen ohne eigenen Shop? Keine teure Software und kein langes Grübeln über Zahlungssysteme oder Logistik? Partnerprogramme machen es möglich.
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Rund 2000 Partnerprogramme gibt es derzeit, weltweit soll in den nächsten 12 Monaten die Zahl auf über 5000 steigen. Für wen eignen sie sich?
Im Vordergrund stehen hier häufig die kleinen privaten Websites, die liebevoll gepflegt werden und umfassende Informationen zu speziellen Themen, Hobbys oder anderen Leidenschaften geben. So werden z.B. Taucheruhren auf den Seiten eines begeisterten Scuba Diver mit Erfolg angeboten. Die wichtigsten Prinzipien für das erfolgreiche Geschäft im Internet kommen so besonders gut zur Geltung - die Verbindung des Produktangebotes mit passendem Content ebenso wie die Ausrichtung des Angebotes auf eine bestimmte Zielgruppe. Zielgruppen- und Nischenorientierung sind die entscheidenden Vorteile von Partnerprogrammen, denn "die Märkte im Internet sind nur zentimeterbreit, aber kilometertief", wie der Experte für Partnerprogramme Declan Dunn betont.
Bei allem Hype, der wie üblich mit neuen Ideen oder hier Geschäftskonzepten verbunden ist, bieten Partnerprogramme durchaus auch für Unternehmen interessante Möglichkeiten. Insbesondere für Informationsanbieter kann eine Kooperation mit Händlern vorteilhaft sein. Am Beispiel des Bücherbords bei ECIN selbst wird deutlich, wo der Gewinn liegt. Das Informationsangebot von ECIN wird von zahlreichen Besuchern rege und regelmäßig genutzt - und ist kostenlos und zuverlässig verfügbar. Aber natürlich gibt es noch viel mehr Informationen zum Thema Electronic Commerce in den zahlreichen Büchern, die zu diesem Thema bereits erschienen sind. Was liegt also näher, als den Besuchern von ECIN auch hinsichtlich der Bücher eine Orientierungshilfe zu geben? Dabei beherzigen wir selbst eine wesentliche Regel für Partner: Die Produkte müssen zum Content passen. Allerdings zeigt unsere Erfahrung auch, dass von "Geldverdienen" in diesem Zusammenhang kaum die Rede sein kann. Wichtiger ist der Service, den wir unseren Besuchern bieten.
Bestimmen Sie Ihren Markt Auch bei anderen Teilnehmern von Partnerprogrammen steht der Aspekt des finanziellen Gewinns nicht im Vordergrund: DM-Online z.B. bietet als Partner des Softwarehändlers Softline einen Shop mit Softwareprodukten an und ergänzt sinnvoll sein Informationsangebot. Leider halten sich die deutschen Anbieter, was Partnerprogramme angeht, noch bedeckt, so dass es gegenwärtig nicht immer leicht ist, einen passenden Händler zu finden. Dennoch sollte man hier die Augen offen halten und sich nicht scheuen, auf geeignete Anbieter zuzugehen - vielleicht lassen sie sich von den Vorteilen überzeugen.
Treffen Sie eine sinnvolle Auswahl Aus den Erfahrungen, die die privaten Partner und die Anbieter der Programme in den USA gemacht haben, können Sie lernen. Es lohnt sich nicht, einfach möglichst viele, unterschiedliche Produkte als Partner anzubieten. Vielversprechender ist vielmehr, nicht nur die Produkte der eigenen Site entsprechend auszuwählen, sondern auch die Anzahl zu beschränken. Nicht umsonst heißt ein Erfolgsgeheimnis des Online-Handels: Verkaufen Sie eine Sache - und machen Sie das so gut wie möglich.
Kalkulieren Sie Ihren Aufwand Wenn Sie als Partner Ihre Website sinnvoll erweitern möchten, dann müssen Sie nicht nur einmalig die Produkte integrieren oder einen Link auf einen Händler setzen. Um wirklich Nägel mit Köpfen zu machen, ist vielmehr eine kontinuierliche Pflege auch dieses Teils Ihres Webangebotes nötig. Selbst wenn Sie keinen Shop im eigentlichen Sinne betreiben, müssen Sie Ihr "Sortiment" regelmäßig überprüfen. Ist es noch aktuell oder gibt es neue Entwicklungen?Bedenken Sie die RisikenFür den Bereich der Printmedien gelten klare Regeln: Redaktionelle Inhalte und Werbung müssen für die Leser unterscheidbar sein. Anzeigen sind als solche zu kennzeichnen. Selbst wenn z.B. im Fernsehen diese Regeln durch das oft gerügte "Product Placement" verschwimmen, haben Sie als Partner nicht nur etwas zu gewinnen, sondern auch zu verlieren: Ihren guten Ruf. Aufdringliche und unglaubwürdige Werbung verfehlt ihr Ziel und Ihre Besucher werden mit ziemlicher Sicherheit Ihr Webangebot in schlechter Erinnerung behalten. Denken Sie auch darüber nach, ob Sie nicht Gefahr laufen, Ihre Besucher an den Anbieter des Partnerprogrammes zu verlieren. Gibt es einen einfachen Weg zurück zu Ihrer Website?
Und nicht zuletzt: das Kleingedruckte Vor dubiosen Schneeballpraktiken muss hier nicht eindringlich gewarnt werden - seriöse Geschäftsleute kennen die Gefahren. Vollmundige Versprechungen, die für jeden weiteren gewonnenen Partner Umsatzbeteiligungen versprechen, bringen nur wenigen Gewinn. Skepsis ist auch angebracht, wenn die Aufnahme in Partnerprogramme an Käufe oder Gebühren geknüpft ist. Mittlerweile warnen Experten vor solchen Programmen. Aber auch andere Details verdienen Ihre Aufmerksamkeit: Wie hoch ist die Vergütung? Wie und wann wird bezahlt? Ausschließlich für direkt erzielte Verkäufe oder auch für nachfolgende? muss eine bestimmte Umsatzsumme erreicht werden, ehe die Auszahlung erfolgt? Ist eine Kontrolle hinsichtlich der erzielten Verkäufe möglich? Gibt es Einschränkungen hinsichtlich anderer Anbieter? Welche Unterstützung wird geboten?Was bleibt? Partnerprogramme gehören sicherlich zu den interessantesten Geschäftsideen im Internet. Ohne Vorbehalte lässt sich allerdings für Unternehmen die Teilnahme als Partner bislang nicht empfehlen. Dennoch: die Trends in den USA zeigen, dass das Potential noch nicht ausgereizt ist. Beobachten Sie Services wie www.affinia.com, die versprechen, den Matching-Prozeß zwischen Anbietern und möglichen Partnern und die Abwicklung der Transaktionen zu vereinfachen. Der Industry Standard (www.thestandard.com), das bekannte Nachrichtenmagazin zum Thema Internet Economy, urteilt: "Partnerprogramme sind E-Commerce für den Rest des Webs - Angebote für Kunden, die abseits der großen Portale in weniger spektakulären Bereichen des Internet ihre Zeit verbringen." Das klingt zunächst abwertend, aber neben den Portalen ist noch eine Menge Platz. Dementsprechend gehören "Affiliate Partnerships" zu den sieben Erfolgsrezepten, die Evan Schwartz in seinem aktuellen Buch (erschienen im Juli 1999) beschreibt, "Digital Darwinism: 7 Breakthrough Business Strategies for Surviving in the Cutthroat Web Economy". Partnerprogramme sind also durchaus eine Option, die es im Wettbewerb der fitten Unternehmen zu prüfen gilt.