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Internetnutzung in Europa
04.09.2003 | Artikel drucken | Artikel empfehlen

Lohnt es sich eigentlich seine Waren auch den spanischen Internet-Nutzern anzupreisen? Und was ist mit Griechenland und Kroatien? Welchen Status besitzt das Internet in den anderen europäischen Ländern? Wie viele Nutzer sind wo bereits online? ECIN liefert einen Marktüberblick.

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Jeder hat es, jeder nutzt es: Zwar stimmt diese Aussage noch nicht hundertprozentig, aber in Europa gehört insgesamt der Zugang zum Internet mittlerweile zu den Selbstverständlichkeiten. Allerdings gibt es nach wie vor große Unterschiede, sobald man einzelne Länder oder Regionen in den Blick nimmt. Vergleicht man zum Beispiel die Nutzerzahlen der Europäischen Union mit den durch die nicht-EU-Länder erreichten Werten, stößt man wenig verwunderlich auf eine große Diskrepanz. Bei einer für 2003 auf rund 378 Millionen geschätzten Einwohnerzahl sind in der EU 42,9 Prozent der Bevölkerung online, also mehr als 162 Millionen. Demgegenüber gibt es in der Gesamtheit der nicht-EU-Länder erwartungsgemäß weniger Internetnutzer, nämlich nur rund 28 Millionen - obwohl die Gesamtzahl der Einwohner mit gut 344 Millionen fast gleichauf mit den EU-Einwohnern liegt. Die Penetrationsrate erreicht dementsprechend lediglich 8,2 Prozent. Dass auf diesem niedrigen Niveau auch eine Wachstumsrate von 73,5 Prozent im Zeitraum von 2000 bis 2003 keine schnellen Entwicklungen verspricht, ist selbstverständlich.

Internetnutzer in Europa in Millionen klein
Internetnutzer in Millionen

In absoluten Zahlen wird der europäische Spitzenreiter hinsichtlich der Internetnutzung schnell identifiziert: Mit knapp 44 Mio. Nutzern liegt Deutschland vorn, bei nahezu 82 Mio. Einwohnern ist das zu erwarten. Auf den Plätzen zwei und drei folgen bei dieser Betrachtungsweise Großbritannien mit 30 Mio. und Frankreich mit 21 Mio. Nutzern. Für Online-Anbieter sind natürlich diese Zahlen besonders interessant, um die Zahl der theoretisch erreichbaren Kunden einschätzen zu können.

Internetnutzer in Europa in % klein
Internetnutzer in %

Aber natürlich sind auch Wachstumsraten in den meisten Fällen Indikatoren mit großer Aussagekraft. In der EU ergibt sich in dieser Hinsicht mittlerweile erwartungsgemäß ein anderes Bild. Nachdem die jahrelangen Favoriten aus Skandinavien nun angesichts bereits erreichter enormer Penetrationsraten von zum Beispiel in Schweden knapp 68 Prozent beim Wachstum auf 49 Prozent zurückstecken müssen, schlägt die Stunde des Mittelfelds - oder schon der Nachzügler? Allen voran - noch - die Niederländer: Immerhin konnten sie in den Jahren 2000 bis 2003 ein Wachstum von 165 Prozent verzeichnen, besonders beachtlich, wenn man bedenkt, dass die Penetrationsrate mittlerweile bei knapp 64 Prozent liegt.

Damit ist aber auch klar, dass der Spitzenplatz bei den Wachstumsraten schon bald von anderen übernommen werden wird. An aussichtsreichen Kandidaten mangelt es nicht. Bislang liefern sich Frankreich und Spanien nahezu ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit 146 und 143 Prozent. Bei Penetrationsraten von 35 bzw. 31 Prozent ist da in den nächsten Jahren ganz sicher noch einiges ‚drin’. Und nicht aus den Augen verlieren sollte man wohl auch Griechenland. Immerhin betrug die Wachstumsrate für den gleichen Zeitraum dort 100 Prozent, die Penetrationsrate ist dabei die niedrigste in der ganzen EU: Glatte 18 Prozent sind angesichts des EU-Durchschnitts von knapp 43 Prozent mit Abstand der letzte Platz.

Tabelle
Grössere Ansicht

Aufschlussreich ist auch ein genauerer Blick auf die Verhältnisse in den Nicht-EU-Ländern. Wie sieht es zum Beispiel hinsichtlich der Internetnutzung bei den so genannten Beitritts-Kandidaten aus? Die zehn neuen Mitglieder, die voraussichtlich ab Mai 2004 die EU bereichern, werden auch das Bild der Nutzerzahlen, Wachstums- und Penetrationsraten verändern. So sind von den rund zehn Millionen Ungarn zwar erst 15,7 Prozent online, aber die Wachstumsrate beträgt immerhin 123,8 Prozent. Damit überrunden sie die Letten, die im Baltikum mit 13,5 Prozent Online-Nutzer-Anteil an der Bevölkerung und einer Wachstumsrate von 106,7 Prozent glänzen. Noch besser schneidet Malta ab, bei einer Wachstumsrate von 147,5 Prozent ist ein gutes Viertel der Bevölkerung des kleinen Inselstaats im Mittelmeer online. Unangefochten liegt allerdings Slowenien an der Spitze: Mit 166,7 Prozent Wachstumsrate und einer Bevölkerung, die zu 41 Prozent online ist, erreicht dieser Beitrittskandidat ausgezeichnete Werte. Was den Anteil der Internetnutzer an der Bevölkerung betrifft, stehen die Esten am besten dar: Mit 44,2 Prozent liegen sie über dem Durchschnitt der EU-Staaten. Im Mittelfeld erreicht die tschechische Republik mit nahezu identischer Einwohnerzahl wie Ungarn eine Penetrationsrate von 14,6 Prozent, allerdings hinkt hier das Wachstum hinterher: 50 Prozent. Die entsprechenden Zahlen für die Slowakische Republik sind ähnlich: 16 Prozent sind online, das Wachstum erreicht nur 32,7 Prozent. Schlechter noch schneidet Polen ab, denn hier sind lediglich knapp zehn Prozent der Bevölkerung online, die Wachstumsrate (35,7 Prozent) verheißt nicht viel Gutes. Nur in Litauen sind die Internetnutzer noch rarer. Sieben von Hundert gehen hier ins Netz, die Steigerung betrug 11 Prozent. Bislang noch nicht erwähnt: Zypern. Mit 22,5 Prozent für die Penetrationsrate und 75 Prozent Wachstum stehen diese Inselbewohner im Vergleich zu den anderen Beitrittskandidaten für das nächste Jahr nicht schlecht dar.

Rumänien und Bulgarien müssen sich als Kandidaten bekanntlich aller Voraussicht nach noch bis 2007 gedulden und bis dahin wird sich wohl noch einiges ändern. Gegenwärtig liegen die Penetrationsraten hier mit 8,3 und 7,6 Prozent sehr niedrig. Aber die Aussichten sind zumindest teilweise durchaus positiv: Das Wachstum betrug in den vergangenen Jahren immerhin in Rumänien 125, in Bulgarien allerdings lediglich gut 40 Prozent. Wann die Türkei den eingeschlagenen Weg in die Europäische Union abschließt, steht noch nicht fest. An mangelndem Internetinteresse jedenfalls wird es wohl kaum scheitern. Die Penetrationsrate von knapp 41 Prozent erreicht fast EU-Durchschnitt und die Wachstumsrate von 145 Prozent kann sich sehen lassen.

Und sonst? Eine vollständige Beschreibung ist an dieser Stelle sicher nicht nötig. So wird zum Beispiel die Tatsache, dass in Norwegen mit 50,5 Prozent und der Schweiz mit 57,8 Prozent jeweils mehr als die Hälfte der Bevölkerung online ist, niemanden wirklich überraschen. Vielleicht noch erwähnenswert: In Island scheint die Begeisterung für das Internet ausgesprochen groß. Die Penetrationsrate von 59,5 Prozent wird von nur wenigen Staaten übertroffen. Als Fazit dieser Zwischenbilanz steht fest: Europa und Internet, das ist eine Kombination, die für die Zukunft viel verspricht.

Über Anregungen und Kritik freut sich Monika Gatzke

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