Wie kann eine Stabilisierungsstrategie erfolgversprechend umgesetzt werden?
Lückenlose Steuerung des Wegs der Originalteile, ihrer Lagerhaltung und ihres Einbaus
Hersteller und Vertragswerkstätten verfolgen gleiche Interessen. Die Hersteller benötigen Konzepte und Technologien, mit denen sie OEM-Teile über den kompletten Life Cycle verfolgen können. Von der Auslieferung durch den Teilehersteller, über den Einbau beim Automobilhersteller bis hin zum Ausbau durch die Werkstätten und die Verschrottung der OEM-Teile müssen Abweichungen von der ursprünglichen Logistikroute festgestellt werden (Traceability).
Vertragswerkstätten brauchen technologische Lösungen, um Teile zu identifizieren und Daten fehlerhafter OEM-Teile an den Automobilhersteller zu übermitteln. Weiterhin sind bei Werkstätten und Händlern innovative, logistische Konzepte zur Reduzierung der Anlieferzeiten von OEM-Teilen und der Verringerung der Kapitalbindung notwendig. Sie stellen eine hohe just-in-time Verfügbarkeit der Teile bei den Werkstätten sicher. Diese können dann – on-demand – die Teile sofort einbauen.
Traceability-Konzepte und -Technologien ermöglichen darüber hinaus, einem Garantiemissbrauch bei Werkstätten vorzubeugen. Ausgetauschte OEM-Teile werden nachverfolgt bis zur nachgewiesenen Verschrottung. Dies verhindert eine unberechtigte Wiederverwendung bzw. einen illegalen Wiederverkauf.
Die Voraussetzungen für umfassende Lösungen bestehen bereits. Die Anforderungen an eine State-of-the-art Lösung sind vielfältig und umfassen beispielsweise die folgenden technischen Aspekte:
- die Technik der Kennzeichnung von Teilen
- die Wahl geeigneter Datenträger
- die Festlegung von Art und Ort der Anbringung an den Bauteilen
- die Fälschungssicherheit und Haltbarkeit der Kennzeichnung
- das kontaktlose Scannen und Lesen der Daten zur eindeutigen Identifikation der Teile
- eine automatische und präzise Zuordnung von Bauteilen zu Unternehmen bzw. Fahrzeugen (Hersteller, Versionsnummer etc.) zur Rückverfolgung
RFID-Identifikation von Teilen in Warenströmen ist anderen Lösungen langfristig überlegen
Derzeit ist der Barcode die meistverbreitete Lösung für die Teile-Identifikation. Er ist im Kostenvergleich derzeit noch günstiger und in den meisten Unternehmen besteht die notwendige Infrastruktur. Aber: Labels werden inzwischen perfekt gefälscht und die Zahl der Plagiate ist gestiegen. Radio Frequency Identification (RFID) ist sicherer und vielseitiger.
RFID ist eine kontaktlose Identifikationstechnik, deren Grundelemente, die Transponder, an den Teilen angebracht und mit Lesegeräten ausgelesen werden können. Wesentliche Vorteile dieser Kennzeichnungstechnik sind ihre Unempfindlichkeit gegenüber mechanischen, chemischen und thermischen Belastungen sowie die Möglichkeit der laufenden Datenaktualisierung auf den wieder beschreibbaren Transpondern.
Immer mehr Unternehmen erkennen den Mehrfachnutzen von RFID, wie z.B. Zeitersparnis oder die lückenlose Nachverfolgungsmöglichkeit von Logistikwegen. Aktuelle Marktanalysen rechnen bis zum Jahr 2010 mit einem Zuwachs von nahezu 60% p.a. für RFID-Transponder, die damit die Schwelle zum günstigen Massenprodukt überschritten haben werden. Das ‚Internet der Dinge’, in dem Information und physische Teile miteinander verknüpft sind, rückt näher.
Lebenszyklusumfassende Identifizierung von Kraftfahrzeug-Bauteilen mit Hilfe von RFID
RFID-Technologie ermittelt die Originalität des ganzen Fahrzeugs. An den einzelnen Stationen des Logistikweges von Ersatzteilen und Fahrzeugen werden die RFID-Etiketten ausgelesen und die Angaben überprüft. Jede Überprüfung wird mit Datum und Uhrzeit auf dem Transponder vermerkt. Unregelmäßigkeiten können auf diese Weise leicht nachvollzogen werden.
Werkstätten wären mit einem RFID-Portalleser in der Lage, ganze Kraftfahrzeuge schnell und zuverlässig auf OEM-Teile zu überprüfen. Beim Einbau in der (Vertrags-)Werkstatt wird die Authentizität der Teile bestätigt und eine erweiterte Mobilitätsgarantie gewährt. Die zugehörigen Daten und Informationen sind an den Automobilhersteller zu übermitteln, der sie speichert und weiterverwendet.
Zu jeder Zeit an jedem Ort sichere Identifizierung von Originalteilen. RFID-Technologie kann nicht nur zur Verifikation von OEM-Ersatzteilen eingesetzt werden. Durch weitere Anwendungsgebiete, schon allein im After-Sales-Bereich, steigt der Nutzen, den RFID stiften kann. Erweiterte Einsatzgebiete sind unter anderem:
- eine effiziente Logistiksteuerung der Einzelteile in den Werkstätten
- der Einsatz als Generaltransponder zur Komplettspeicherung aller Fahrzeugdaten als „Gesundheitskarte für das Auto“
Darüber hinaus bestehen weitere Potenziale der RFID-Technologie im Bereich der Zulieferer, der Produktionsteuerung, in der Distribution und schließlich auch im Recycling- Bereich. In der Summe und verbunden mit einem weit blickenden Konzept werden alle diese Anwendungsgebiete RFID in absehbarer Zeit für den flächendeckenden Einsatz qualifizieren.
Trends treiben RFID-Lösungen auf breiter Front voran. Die rasche Verbreitung von RFID-Anwendungen wird durch eine Reihe von Trends unterstützt:
1. Kostengünstige Massenproduktion wird der Automobilindustrie bald ermöglichen, in großem Ausmaß Transponder einzusetzen.
2. Viele Komponenten im Fahrzeug werden in Zukunft Transponder tragen, die nach dem Einbau im Fahrzeug verbleiben, auch wenn sie zunächst vorrangig in der Produktion zum Einsatz kamen.
3. RFID ist nicht bloßer Ersatz für den Barcode, sondern bietet eine Fülle an Mehrwert (z.B. Haltbarkeit, Fälschungssicherheit, Lesefreundlichkeit, Wiederbeschreibbarkeit). Logistik-Ketten werden dadurch wirtschaftlicher.
Entscheidend ist die Entwicklung eines umfassenden Konzeptes
Hersteller, die RFID-Technologie einsetzen wollen, müssen ein organisatorisches, prozessuales und datentechnisches Konzept für die RFID-basierte Kennzeichnung von Fahrzeugteilen erarbeiten. Die logistischen Prozesse des Ersatzteilmanagements sind zu analysieren und unter Beachtung vorhandener Lösungen zu modellieren, um das System des Datenaustausches zwischen den zu vernetzenden Prozessbeteiligten abzubilden.
Dazu gehören auch:
• die Übernahme der (in der Konsumgüterwirtschaft) entwickelten Kennzeichnungs-Standards (EPCglobal) oder die Neuentwicklung eines eigenen Standards in der Automobilindustrie
• eine Festlegung der zu kennzeichnenden Ersatz- bzw. Bauteile
• die Definition der Angaben zu Produktdetails auf den Transpondern
• die Steuerung und Kontrolle der Verwendung/des Einbaus der Teile und der logistischen Wege
Voraussetzung für die Lösung ist die Entwicklung von Technik- und Datenstandards sowie die Realisierung von Strukturen, die einen verteilten Zugriff auf eine zentrale Datenbasis ermöglichen. Bereits vorhandene Systeme der Hersteller, des Handels und der Werkstätten müssen im Konzept berücksichtigt werden. Im Idealfall wird der gesamte Lebenszyklus einzelner Komponenten betrachtet.
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