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Konvergenz: Chance für die einen, Bedrohung für die anderen

Messaging, Triple-Play und Fazit

20.04.2006 | Artikel drucken | Artikel empfehlen

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1 Konvergenz: Chance für die einen, Bedrohung für die anderen
2 Messaging, Triple-Play und Fazit

SMS, MMS oder IM - wie entwickelt sich das Messaging?

Heute stellt der SMS-Dienst (Short Message Service) für die Mobilfunkanbieter ein hoch attraktives Geschäft mit hohen Ergebnisbeträgen dar. Dabei hat bei der Einführung vor über zehn Jahren eigentlich nur das Unternehmen Materna an den Erfolg geglaubt. Die in den letzten Jahren mit der Öffnung der UMTS-Netze eingeführten MMS-Dienste (Multimedia Messaging Services), die eine multimediale Erweiterung der verschickten Nachrichten ermöglicht, also z.B. das Mitschicken von Photos, hat dagegen keine besondere Akzeptanz gefunden. Der Kernzielgruppe der SMS-Nutzer (Jugendliche bis 25 Jahre) hat offensichtlich insbesondere Bedarf an kurzen Textnachrichten.

Im Festnetzbereich ist das Pendant zu SMS schon heute der IM-Dienst (Instant Messaging), der von verschiedenen Portalbetreibern angeboten wird und sich einer steigenden Beliebtheit erfreut. Neben der Internet-Connectivity z.B. mit einer Flate-Rate fallen bei der Nutzung von IM keine weiteren Kosten an, insbesondere keine auf die Einzelnutzung bezogene Berechnung, wie dies bei SMS heute der Fall ist. Allerdings handelt es sich bei Instant Messaging in der Regel um eine synchrone Kommunikation.

Mit der Einführung einer Flate-Rate für UMTS-Datendienste scheint es offensichtlich, dass IM über Browser-basierte Clients auch im Mobilfunk Einzug hält. Für den Nutzer ist eine ähnlich spontane Kommunikation mit Kurznachrichten möglich, wie mit SMS und dies ohne zusätzliche Kosten. Zudem trägt diese Entwicklung zur Dienstekonvergenz bei, da der gleiche Nutzername für Instant Messaging in Festnetz und Mobilfunk verwendet werden kann. Die wirtschaftliche Entlastung der Nutzer geht dabei einseitig zu Lasten der Mobilfunknetzbetreiber. Als "Gegenposition" ist der vermutlich steigende UMTS-Datenverkehr zu rechnen. Je mehr Dienste über den Datenkanal abgewickelt werden können, umso attraktiver wird der Umstieg von GSM auf UMTS!

IMS - Konvergenztechnologie für IP-basierte Dienste

Insbesondere im Bereich Messaging besteht ein sehr großer Bedarf für die transparente Konvergenz von Diensten. Die unterschiedlichen Protokoll-Welten für IP (z.B. SIP) und "traditionelle" Telekommunikation (z.B. SS7) haben bisher das Zusammenwachsen der Kommunikationskanäle verhindert. Seit einigen Jahren liegt die Spezifikation des "IP Multimedia Sub-Systems" (IMS) von der 3GPP vor. Inzwischen gibt es auch bereits erste Implementierungen dieses Standards, der eine transparente SIP-basierte Entwicklung von Diensten ermöglicht, die von Festnetz- und Mobilfunkteilnehmen gleichermaßen genutzt werden kann. Anwendungsbeispiele sind neben Messaging-Diensten (die Einbindung von SMS-Nutzer in einen Internet-Chat) z.B. Multi-Party-Gaming-Dienste.

UMS ermöglicht Konvergenz der individuellen Nachrichten

Der Nutzer von Sprach-Konvergenzdiensten ist leichter erreichbar, ohne dass der Anrufer wissen muss, in welchem Netz der Angerufene gerade eingebucht ist. Die verschiedenen heute eingesetzten Voicemail-Boxen und Online-Kalender lassen sich zusammenfassen in ein einheitliches System. Ein solcher - zunächst sicher eher für den Geschäftskunden ausgelegter Dienst - kann neben der Verwaltung von Nachrichten, Notizen und Kalenderdaten die Online-Verwaltung aller Kontaktdaten übernehmen - unabhängig vom individuellen Endgerät und zugreifbar aus allen Netzen.

Heute hat der durchschnittliche Telekommunikations-Nutzer für seine verschiedenen Telefongeräte 3-4 verschiedene und voneinander unabhängige Mailboxsysteme für Fest- und Mobilfunk. Für den Anrufer ist nicht ersichtlich, wann der Nutzer die für ihn bestimmte Nachricht erhält und er verschickt seine Nachricht daher oft über verschiedene Kanäle. Der Angerufene hat dann das "Vergnügen", die gleiche Nachricht zeitversetzt in mehreren Systemen zu empfangen. Email und Fax kommen zusätzlich über andere Wege zum Empfänger. UMS (Unified Messaging System) könnte als Konvergenzdienst die Lösung sein. Allerdings erschweren die Anbindung und Weiterleitung über Netzgrenzen hinweg heute die Nutzung für solche Lösungen, die nicht im Netz selber angesiedelt sind.

Dies könnte ein Geschäftsmodell für einen Mehrwertdienste-MVNO sein, sofern nicht die Netzbetreiber selber entsprechende Lösungen entwickeln und in ihr Angebot integrieren. Der im Konvergenz-Markt tätige MNO / MVNO betreibt ein eigenes Kernnetz sowie eigene HLR (Home Location Register) und kauft die Übertragungsleistung von anderen Access-Netzbetreibern ein. Er kann auch IP-Netze anbinden, so dass er ebenso Email-Nachrichten in seinen UMS-Dienst aufnehmen kann. Für den Nutzer wäre die Umsetzung solcher konvergenter Dienste eine Innovation mit einem signifikanten Nutzen. Natürlich steht dieser Weg allen Netzbetreibern offen, die sich hiermit ein breiteres Dienstespektrum schaffen und auf diesem Wege die Kundenbindung steigern.

Triple-play - Konvergenz erleichtert den Zugang zu Content-Angeboten!

Triple-Play stellt begrifflich die Verbindung von Sprachkommunikation, Internetzugang und Mediennutzung dar. In diesem Sinne wird Triple-Play heute bereits von den meisten Kabelnetz-Betreibern angeboten. Die Konvergenz bleibt hierbei zunächst auf die Tatsache begrenzt, dass die Dienste alle auf dem Wege über das Breitbandkabel in den Haushalt kommen. Weitergehende Lösungen können in Verbindung mit Video-on-Demand, individualisierten, ortsbezogenen oder auf anderem Wege aufbereiteten multimedialen Inhalten realisiert werden.

Der Konvergenz-Anbieter leistet die Entwicklung, Vermarktung und das Inkasso für eigene Dienste und kann grundsätzlich auch Transaktionsdienste realisieren, die für die Abrechnung der Inhalte-Nutzung (Videofilme, interaktives TV, Gaming, ... ) eingesetzt werden können. Das Mobilfunkgerät übernimmt dabei die Rolle eines Auswahl- und Steuerungsinstruments - quasi die Fernbedienung für Triple-Play Dienste. Die Abrufe der Inhalte-Angebote können mithilfe des HLR erfasst werden und über die bestehende Vertragsbeziehung zusammen mit anderen Kommunikations-Dienstleistungen in Rechnung gestellt werden. Die Abrechnung der eigentlichen Inhalte-Nutzung erfolgt somit unabhängig von dem Wiedergabe-Gerät und dem Ort der Nutzung.

Neben dieser Form des Triple-Play wird es auch die mobile Version mit der Wiedergabe der multimedialen Inhalte auf tragbaren Geräten, wie z.B. einem Smartphone, geben. Der Geschäftsprozess an sich ist hierbei analog, die Inhalte und ihre Aufbereitung werden sich aber von derjenigen für die Festnetz-Nutzung unterscheiden. Zu erwarten ist, dass hier individualisierte Nachrichten, Informationen mit Bezug zum Standort, Auskunfts- und Buchungsdienste sowie interaktive Spiele im Vordergrund stehen.

Ein Erfolgsfaktor der Triple-Play Dienste wird neben der Attraktivität und Aktualität der verfügbaren Inhalte die Preisgestaltung sein - wie bei den meisten anderen Telekommunikationsdiensten auch. Ob hierbei eine Abrechnung "per use" oder über definierte Pakete bis hin zu einer echten Flate-Rate erfolgt, wird von den mit den Inhalte-Besitzer vereinbarten Einkaufskonditionen abhängen, von der Akzeptanz durch die Zielgruppe und nicht zuletzt von der Risikobereitschaft des MVNO. Die allgemeine Tendenz im Markt spricht für das Angebot von Paketen mit festen monatlichen Preisen, da diese für den Verbraucher am ehesten kalkulierbar sind und eine höhere Akzeptanz versprechen.

Gewinner und Verlierer, Veränderungen in der Wertschöpfungskette?

Die größten Veränderungen kommen aufgrund von Konvergenzdiensten auf die Netzbetreiber zu. Im Festnetz sind die Preise aufgrund des Wettbewerbs schon heute so niedrig, dass kaum weitere relevante Preissenkungen zu erwarten sind. Allerdings wird für Festnetzanbieter die Migration auf IP-basierte Übertragung notwendig, um durch eine bebesserte Kostensituation wieder relevante Margen zu erwirtschaften. Einige Anbieter von ISDN-Flat-Rate-Tarifen behalten sich den Wechsel auf VoIP schon heute vertraglich vor.

Anders sieht dies für den heutigen Mobilfunkbetreiber aus. Durch eine Verlagerung des Gesprächsvolumens hin zur IP-Telephonie wird der Umsatz zurück gehen bzw. es wird eine Verlagerung von der heute üblichen CDR-Abrechnung (Call Data Record) zu Flat-Rates für die Datenkommunikation erfolgen. Die Terminierung von VoIP-Calls könnte als zusätzliche Umsatzquelle bestehen bleiben, allerdings ist die Frage offen, wie lange die Terminierungskosten auf dem heutigen Niveau bleiben. Verschiebt sich gleichzeitig der SMS-Verkehr in Richtung auf Instant Messaging (IM), so steht dem kein - oder zumindest kein vergleichbarer Umsatz - gegenüber. Die Mobilfunkbetreiber könnten also die größten Änderungen in Ihrem Geschäftsmodell erfahren.

Eine weitere Veränderung resultiert aus der für Konvergenzdienste weiter steigenden Bedeutung der Kundenbeziehung. Wie oben beschrieben, hat der durchschnittliche Nutzer heute eine Reihe von Verträgen mit unterschiedlichen Anbietern. In Zukunft könnte sich dies reduzieren auf wenige - im Extremfall vielleicht nur noch einen Vertrag mit einem Anbieter! Dieser Anbieter stellt die "individuelle" Rufnummer für die IP-Telephonie zur Verfügung, sorgt für die Anbindung an die unterschiedlichen Access-Netze und bietet Lösungen für das Management von Nachrichten (UMS) an. Der zukünftige Kunde hätte somit einen Vertragspartner, der ihm eine Lösung aus einer Hand liefert. Triple-Play wird allerdings vermutlich auch in Zukunft eine Sonderrolle spielen, könnte aber theoretisch ebenfalls vom gleichen Anbieter realisiert und angeboten werden.

Da der Kundenbeziehung eine so hohe Bedeutung zu kommt, kommen möglicherweise neue Spieler als Anbieter hinzu, die bereits über eine enge Kundenbeziehung verfügen (Banken, Versicherungen, Automobilvereine etc.). Heutige Reseller oder Service Provider mit großem Kundenstamm können sich zum Universalanbieter entwickeln, Citycarrier Mobilfunkdienste mit vermarkten und Unternehmen mit gutem Zugang zu bestimmten Zielgruppen neu in das Geschäft einsteigen. Die konsequente Umsetzung der Konvergenzdienste bietet somit sowohl Chancen als auch Risiken - auf jeden Fall wird sich der Telekommunikations-Markt dynamisch weiter entwickeln und verändern!

Fazit

Konvergenzdienste werden keine Revolution in der Telekommunikation auslösen, aber mit der Umsetzung der netzinternen Übertragung auf Basis des IP-Protokolls können Konvergenzdienste einfacher eingeführt werden. Aus Nutzersicht können sie die Komplexität im Angebot der Telekommunikationsdiensten reduzieren und sowohl dem Nutzer als auch dem Anrufer helfen. Zentrale Bedeutung hat dabei die Reduktion der Rufnummernvielfalt auf wenige Rufnummern. Konvergenzdienste können den Umgang mit Sprach- und Datennachrichten erleichtern, indem alle Nachrichten in einem System zusammen gefasst werden, das mit einer einfachen Benutzeroberfläche (z.B. mittels Sprachsteuerung) bedient werden kann.

Triple-Play Dienste bringen Sprache, Daten und Medieninhalte zusammen und bieten eine Zweitverwertung von vorhandenen Inhalten. Dabei werden individualisierte und ortsbezogene Informationen ein neues Mehrwertdienste-Segment öffnen.

Eine entscheidende Rolle bei der erfolgreichen Umsetzung von Konvergenzdiensten wird die IP-Übertragung zur Integration der unterschiedlichen Netze und Protokolle spielen. IP-Telephonie schafft die Voraussetzung für die Konvergenz zwischen Fest- und Mobilfunknetzen, da durch Kosteneinsparungen in der Netzinfrastruktur und einfachere Netzübergänge niedrige Nutzungspreise möglich werden. Die Sprachtelephonie wird zunehmend auf der Basis von Flate-Rates angeboten werden und die Carrier vor der Aufgabe stehen, zusätzliche Wertschöpfung und Erlöse aus Mehrwertdiensten und der Vermarktung von Inhalten zu erzielen. Die von Vodafone jetzt für den Sommer angekündigte Unterdrückung von VoIP-Gesprächen in Verbindung mit Daten Flate-Rates ist zwar auch eine Reaktion auf die neuen Möglichkeiten. Sie zeigt, wie ernst die Mobilfunkbetreiber diese Entwicklung offensichtlich nehmen. Es ist aber zu bezweifeln, dass dieser Schritt auf Dauer Erfolg haben wird. Sicherlich brauchen die Carrier andere Lösungen, um mit der Herausforderung der IP-Telephonie um zu gehen!

Der entscheidende Erfolgsfaktor für die Wirtschaftlichkeit von Konvergenzdiensten liegt im Zugang zum Kunden! Möglicherweise kommen neue TK-Anbieter auf den Markt und der Konvergenzanbieter kann eine Reihe derzeit bestehender Vertragsverhältnisse ersetzen. Dies wird den Druck auf heutige Anbieter verstärken, schafft aber gleichzeitig hohe Barrieren für solche Neueinsteiger in den Markt, die nicht über einen hochwertigen Kundenzugang verfügen und daher auf die Rolle eines Zulieferers für andere Anbieter reduziert werden. In dieser Hinsicht kann die bestehende Marktstruktur durch das Aufkommen von konvergenten Diensten verändert werden, heute sichere Marktanteile könnten gefährdet sein und Wertschöpfungsanteile werden sich verschieben.

Der Gesamtmarkt für Telekommunikationsdienste aber wird von neuen Diensten profitieren. Durch neue Lösungen wird die Nutzung steigen und die zusätzlichen Erlöse aus den Mehrwertdiensten werden die gerade im Mobilfunk zu erwartenden Margenverluste vermutlich mehr als kompensieren. Der TK-Markt wird auf diese Entwicklung mit einem weiteren Wachstum reagieren, wie schon bei den bisherigen Dienste-Innovationen. Die entscheidende Frage für das einzelne Unternehmen wird sein, wie gut es sich für diese Entwicklung aufstellt und in welchem Maße es gelingt, den heutigen Kundenstamm hierfür zu gewinnen oder sogar neue Zielgruppen zu erschließen. Time-to-market wird auch bei der Umsetzung von Konvergenzdiensten ein wichtiger Erfolgsfaktor sein!

Bei Fragen zu diesem Thema wenden Sie sich bitte an:
Dr. rer. nat. Jürgen Kaack, STZ-Consulting Group

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Inhalt:
Konvergenz: Chance für die einen, Bedrohung für die anderen Teil 1 Konvergenz: Chance für die einen, Bedrohung für die anderen
Wachstum aus dem Wohnzimmer  Teil 2 Messaging, Triple-Play und Fazit

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