|
Innovative Produkte: Bücher!
20.10.1999 | Artikel drucken
115 Millionen Mark werden Online-Händler in Deutschland in diesem Jahr mit Büchern über das Internet umsetzen. Das macht knapp 0,6 Prozent am gesamten deutschen Buchmarkt aus, der 1998 immerhin für 17,8 Milliarden Mark verkaufte. Bis 2002 sagt Forrester einen Anstieg auf 1,2 Milliarden Mark und einen Anteil von knapp 6 Prozent voraus. Doch die Umsätze sind nur eine Seite der Medaille, auf der anderen Seite stehen bisher ungeahnte Chancen für kleine Verlage und Autoren. Um sie konkurrieren eine Reihe von Anbietern, die Veröffentlichungen in kleinen Auflagen ermöglichen.
Kein Wunder: Die Frankfurter Buchmesse widmete digitalen Medien und Electronic Commerce gleich eine ganze Halle. Denn im E-Business kommt dem volkswirtschaftlich verhältnismäßig kleinen Markt mit Büchern ganz besondere Aufmerksamkeit zu. Zum einen als Leitmarkt, den die Innovativen und Großen der Branche anführen. Zum anderen als Medium und Vertriebskanal, der auch den ganz Kleinen eine Nische einräumt. So zeigte etwa eine Handvoll Firmen ihre Lösungen für elektronische Bücher, die allesamt einen Vorteil bieten: Die Mindestauflage beträgt theoretisch ein Exemplar.
Da sind zum einen hardwarebasierte Systeme zu nennen wie Rocket eBook, Softbook oder das noch nicht marktreife EveryBook. Rocket eBook der Bertelsmann Tochter NuvoMedia richtet sich im Taschenbuchformat an den Konsumentenmarkt, während das DIN A4 Softbook sich schon eher für Sachtexte eignet. In der Gestalt eines schwergewichtigen Folianten wird EveryBook erscheinen, das aufgeschlagen gleich zwei 13-Zoll-LCD-Displays vorweisen kann. Kopierschutz, die größte Sorge von Autoren und Verlegern, stellen diese Systeme durch die jeweils eigenen Hardwaresysteme sicher. Nur das durch eine Seriennummer eindeutig identifizierbare Gerät kann eine Datei einlesen. So einfach geht das.
Bei den Software-Systemen ist der Kopierschutz schon eine schwierigere Aufgabe. Adobes eBook, ein auf PDF und Acrobat Reader basierendes System, identifiziert den Rechner, auf den das eBook heruntergeladen wurde. Soll die Datei auf einem anderen Rechner ausgelesen werden, funktioniert das nicht. Der deutsche Anbieter Digibuch ermöglicht auf Basis von PDF jedem Autor das Publizieren von Inhalten, ganz egal, ob es schon eine gedruckte Version gibt.
Bevor die Ägypter Bücher auf Papyrus brachten, wurden sie in Stein gemeißelt. Bevor Gutenberg den Druck mit beweglichen Lettern erfand, wurden sie von Hand abgeschrieben. Und bevor es elektronische Medien und das Internet gab, mussten sie "von Hand" verteilt werden. Heute werden sie elektronisch vertrieben und vervielfältigt. Eines scheint aber für Zukunft sicher: Aussterben werden sie nicht. Selbst die viel gescholtene jüngste Konsumentengeneration kauft im Internet nichts lieber als Bücher. Das ergab eine Studie des amerikanischen Marktforschungsunternehmens Intelliquest anhand der Zahlen des dritten Quartals 1999. Bücher rangieren bei den 18 bis 34jährigen noch vor Software und Musik.
Über Anregungen und Kritik freut sich Tobias Arndt
Artikel drucken
|