Zeit heilt auch die Börsenwunden 28.06.2000 | Artikel drucken
Allen Kursstürzen und Investmentflauten zum Trotz: Die New Economy zieht es auch weiterhin an die Börse. IDC.com rechnet vor, dass bis 2004 neue Werte im Gesamtvolumen von einer Billion US$ das Licht des Parkett- oder Computerhandels erblicken werden.
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Die gesamte Kapitalisierung von Online Aktien wird dann 2,6 Billionen US$ betragen. Besser noch: Auch Investoren wollen es offenbar nicht anders. So fand eine Umfrage von Scudder Kemper Investments heraus, dass die meisten Amerikaner Investitionen in Electronic Commerce nach wie vor mit Zuversicht bewerten.
Angesichts des vorhergesagten IPO-Booms wird der Kapitalmarkt heiß umkämpft. IDC vergleicht die zu erwartende Entwicklung mit dem Run auf Online-Accounts in den vergangenen Jahren. Nachfrager scheint es ebenfalls zu geben: Scudder Kemper Investments befragte 2.900 US-Amerikaner in einer telefonischen Schnellumfrage. Das erstaunliche Ergebnis: 62 Prozent glauben, dass Technologie Aktien immer noch am meisten Geld bringen und 70 Prozent sehen in Internet Werten eine langfristige Perspektive. Mehr als die Hälfte gar halten Investitionen in Firmen für sinnvoll, die noch rote Zahlen schreiben. Ebenso wenig teilen die Befragten die allgemeine Skepsis gegenüber Geschäftsführern von Online-Firmen: 80 Prozent halten Dot.com CEOs nicht für zu jung. Allerdings zeigten sich 65 Prozent den Dot.com-Einzelhändlern gegenüber skeptisch.
Dabei lassen sich tatsächliche Investoren bei ihren Entscheidungen in der Regel nicht von professioneller Hand leiten: immerhin 70 Prozent verzichten auf den Rat vom Fachmann. Entsprechend nimmt die Zahl von Investoren und Accounts bei Online-Brokern immer weiter zu. IDC geht für 2004 davon aus, dass die Hälfte aller gut verdienenden Haushalte (mit mehr als 100.20000 US$ Jahreseinkommen) Wertpapiere im Web handeln, und damit 40 Prozent aller Online Accounts stellen. Im Gegensatz dazu werden Haushalte mit mittleren oder niedrigen Einkommen nur auf 24 Prozent oder in absoluten Zahlen 5 Millionen Online-Accounts kommen.
Online Broker sind jetzt gefragt, mit differenzierten Angeboten die unterschiedlichen Marktsegmente gezielt anzusprechen. Dabei typisiert IDC die bestehenden Unternehmen in vier Gruppen: Supermärkte (Beispiel eTrade und TD Waterhouse), Hochqualitätsanbieter (Schwab und Ameritrade), traditionelle Broker mit Online-Filiale (MSDW, Merrill Lynch) sowie Nischenanbieter, wie JP Morgan. Für die Anleger dürfte dies nur von Vorteil sein: Sie werden künftig noch stärker umworben und können dementsprechend auf weitere Vorteile in puncto Gebühren sowie Produkt- und Beratungsqualität bauen.
Über Anregungen und Kritik freut sich Tobias Arndt