Internet am Arbeitsplatz: privat und produktiv? 06.09.2000 | Artikel drucken
Dass neue Technologien wie das Internet auch am Arbeitsplatz privat genutzt werden, ist unbestritten. Dagegen wird jedoch oft übersehen, dass Unternehmen auch umfangreich von der privaten Nutzung profitieren.
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Die Informationstechnologie und hierbei insbesondere das Internet als Verführung zu arbeitsfremdem Zeitvertreib, liefert mit schöner Regelmäßigkeit medienträchtige Schlagzeilen. Das beste Beispiel dafür sind die potentiellen Milliardenverluste durch privates Surfen am Arbeitsplatz. Doch das Thema ist wie so oft wesentlich komplexer. So fand jetzt eine Studie von Andersen Consulting heraus, dass Arbeitnehmer auch während ihrer freien Zeit sowie längerer Ferienaufenthalte durch die neuen Medien für ihr Team und ihren Arbeitgeber verfügbar bleiben. So bearbeiteten 83 Prozent der Befragten ihre Business-E-Mails schon im Urlaub. 16 Prozent nehmen ihren Laptop gleich mit und 56 Prozent bleiben über Handy verfügbar.
Mitarbeiter in Unternehmen müssen und sollen Informationstechnologien nutzen. In der modernen IT-Arbeitswelt verschwimmen die Grenzen zwischen privaten und beruflichen Bedürfnissen. Sie bilden quasi ein Netzwerk. Akzeptanz neuer Techniken und der innovative und konstruktive Umgang damit bieten für Unternehmen einen großen Vorteil. Denn Technologieentscheidungen, die auf den Arbeitsplatz jedes einzelnen Einfluss nehmen, können in modernen Unternehmen nicht einfach top-down durchgedrückt werden.
So empfiehlt eine Studie von RewardsPlus die gezielte Integration von Applikationen für Arbeitnehmer in Intranetportalen. Privates Shopping, Reisebuchungen, Börsenkurse, Nachrichten bis hin zur Vorbestellung in der Kantine sollen Mitarbeiter für Internet und Intranet begeistern. "Firmen-Portale brauchen Features vergleichbar mit kommerziellen Portalen", so erläutert Ken Berksdale, CEO von RewardsPlus die Ergebnisse. Demnach soll ein Portal nicht nur arbeitsrelevante Funktionen beinhalten, sondern vielmehr die gesamte Welt des Mitarbeiters aus Beruf und Privatleben abbilden.
104 Milliarden DM Arbeitsausfall für deutsche Unternehmen, rechnete kürzlich eine Studie im Auftrag des Consulting- und Solutionsunternehmen Sterling Commerce vor. Wie kam diese Zahl zustande? Da wurde bei befragten Unternehmen ein durchschnittlicher wöchentlicher Arbeitsausfall ermittelt, der dann mit der Anzahl aller über Internetzugang verfügenden Mitarbeiter in Unternehmen und deren durchschnittliche Lohn- und Lohnnebenkosten pro Stunde multipliziert wurde. Aber wer misst die Produktivität pro Zeiteinheit? Wer misst die Auswirkungen der Verschmelzung von Berufs- und Privatleben? Wie viel haben die US-Unternehmen eingespart, deren Mitarbeiter aus dem Urlaub heraus ihre Business-E-Mails beantworten? Erst wenn all diese Fragen beantwortet sind, sollten Öffentlichkeit und Fiskus aufgeschreckt werden. Allerdings wird dann hinter dem "aufgeschreckt" ein großes Fragezeichen stehen.
Über Anregungen und Kritik freut sich Tobias Arndt