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E-Business 2000: Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt?
03.01.2001 | Artikel drucken | Artikel empfehlen

Das Milleniumsjahr markierte das Ende der Schonzeit für die New Economy. Kinderkrankheiten werden nicht länger toleriert, der Markt fordert schlüssige Geschäftsmodelle, die Nutzer verlangen nach einwandfreien Angeboten. Worin unterscheiden sich Gewinner und Verlierer dieser neuen Entwicklung?

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England hat im Jahr 2000 den Internet Buhmann schlechthin hervorgebracht: das legendäre britisch-schwedische Startup Boo.com, das am 18. Mai 2000 Konkurs anmelden musste. Das Unternehmen „verbrannte“ innerhalb weniger Monate 160 Millionen US$ Venture Kapital und hinterließ zudem noch einen beträchtlichen Schuldenberg. Das ambitionierte Businessmodell entpuppte sich letztlich jedoch nur als ein Traumschloss der New Economy: Über eine technisch aufwendige (und überhaupt nicht performante) Website wollte Boo.com den nicht gerade einfachen Markt mit hochwertigen Markentextilien im Internet erobern. Um dies zu beschleunigen, startete das Unternehmen von Anfang an in nicht weniger als 18 Ländern. Dafür trommelten die Gründer ein Managementteam zusammen, das zwar einen Dichter und ein Fotomodell aber keinen Textilkaufmann in seinen Reihen aufzuweisen hatte. Boo.com, die laut GiGa Analystin Martha Bennett wahrscheinlich alles falsch gemacht haben, was falsch gemacht werden konnte, stellt als prominentestes Beispiel nur die Spitze des Eisbergs dar. Und so gelten spätestens seit dem Jahr 2000 auch im Web die Regeln der Ökonomie wie beispielsweise Gewinnmaximierung und nicht nur die bloße Ansammlung von Risikokapital.

In der Rückschau blicken wir auf ein Jahr mit Höhenflügen und Talfahrten zurück, in dem der Begriff „Konsolidierung“ zum gefürchteten Unwort geworden ist. Mit ganz unterschiedlichem Erfolg kristallisiert sich in den Unternehmen inzwischen eine neue Tendenz heraus: Gewinnmaximierung durch die Realisierung neuer Einsparungspotentiale. Die Schlagzeilen des Jahres lieferte daher der Bereich Business-to-Business mit vertikalen eMarketplaces zum Einkauf von Rohstoffen und Halbfertigprodukten für die Produktion oder Procurement-Portalen zur Beschaffung von indirekten Gütern, wie etwa dem Bürobedarf.

Auch für die Strategien der Web-Companies spielt der Faktor Kostenreduzierung inzwischen eine entscheidende Rolle: Die Tage, in denen teure Marketingkampagnen vermeintlich wichtiger als ein effektives Customer Relationship Management waren, scheinen nunmehr endgültig gezählt.

Nicht zuletzt aufgrund der spektakulären und milliardenschweren Versteigerung der UMTS-Lizenzen, hat im Jahr 2000 auch der Bereich mobiles Internet nachhaltig auf sich aufmerksam gemacht. Rund um die Begriffe „M-Commerce“ und „wireless applications“ entstehen gegenwärtig zahlreiche interessante neue Geschäftsmodelle und Ansätze für eine intensive Kundenbindung.

Zum Start in das neue Jahr sollte für all diejenigen, die zwischenzeitlich aus lauter Verzweiflung vielleicht schon die Branche wechseln wollten, auch eine Spur Optimismus nicht fehlen. Und so soll nicht unerwähnt bleiben, dass sich die nackten Zahlen des Jahres 2000 durchaus sehen lassen können: Sowohl bei den Nutzerzahlen als auch bei den erzielten E-Commerce-Umsätzen wurden die bestehenden Höchstmarken eindrucksvoll getoppt. Das gilt vor allem für den viel gescholtenen Einzelhandel im Web, der erst jüngst zur Festtagszeit wieder seine Wachstumsstärke unter Beweis stellen konnte.

Lesen Sie weiter in Teil 2

Über Anregungen und Kritik freut sich Tobias Arndt

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