Bringt der Euro Ihre Supply-Chain ins Straucheln? 29.08.2001 | Artikel drucken
Zugegeben: Die Jahr-2000-Problematik hat kaum ein Unternehmen in ernsthafte Schwierigkeiten gestürzt. Doch schon naht die nächste Deadline. Wie gut ist Euroland eigentlich auf die Währungsumstellung vorbereitet?
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Ganz allgemein lässt sich die Antwort einfach auf den Punkt bringen: Während viele der großen Konzerne bereits heute mit dem Euro als Standardwährung agieren, üben sich weite Teile der klein- und mittelständischen Unternehmen noch vornehm in Zurückhaltung. Laut einer Untersuchung von AMR Research haben 40% der europäischen Unternehmen - und hierbei eben vor allem die KMU - erst jetzt damit begonnen, sich an die Umsetzung ihrer Euro-Projekte zu begeben. Dieses wiederum führt dazu, dass diejenigen Unternehmen, die bereits startklar für die neue Währung sind, ihre Lieferanten und sonstigen Geschäftspartner mit Hochdruck bei der unvermeidlichen Umstellung unterstützen. Dies ergab eine Umfrage der Association for the Monetary Union of Europe unter 400 europäischen Geschäftsführern.
Der Grund für ein solches Engagement ist naheliegend: Denn insbesondere im Bereich vielschichtiger Liefer- und Handelsketten können Schwachstellen im Zuge der Währungskonversion zu beträchtlichen Schwierigkeiten und damit auch Kosten führen. So mündet die mangelhafte Vorbereitung eines einzelnen Händlers oder Lieferanten innerhalb einer Supply-Chain laut AMR Analyst Simon Pollard zwar nicht unbedingt gleich in einer Katastrophe, aber mit einer allgemeinen Verlangsamung der Reaktionszeiten sowie einer zeitweiligen Rückkehr zur manuellen Rechnungsstellung, zu gebundenen Rechnungsbüchern sowie konventionellen Registern muss dennoch gerechnet werden.
Hilfe von öffentlicher Seite verspricht die European Federation of Accountants (FEE), die gegenwärtig Hunderte von so genannten "euro survival kits" an Unternehmen in der Absicht sendet, diese mögen selbige an die Mitglieder ihrer Supply-Chain weiterreichen. Für den Preis von 55 US$ pro Copy enthält ein Kit grundsätzliche Informationen zu den Konversionstechniken, zu möglichen Risiken bei Umstellungsfehlern sowie den notwendigen Umstellungen der IT-Systeme. "Wenn ein Unternehmen 500 Lizenzen erwirbt, zahlt es dafür 25.000 Euro. Das ist ein vergleichsweise geringer Preis, wenn man hierfür seine Supply-Chain schützen kann", urteilt Noel Hepworth vom FEE.
Langfristig vorbereitet auf die Konversion wurden die Kunden von SAP und Oracle, deren Software-Lösungen auch entsprechende Applikationen zur Umstellung der jeweiligen nationalen Währungen auf Euro beinhalten. Diese haben allerdings ebenso ihren Preis: So berechnet SAP nach eigenen Aussagen etwa 1% des Jahresumsatzes des jeweiligen Unternehmens für die Konversion. Drei Viertel der 6.700 Installationen in Euroland sind auf dieser Basis bis heute entsprechend angeglichen worden. Oracle wiederum bietet seinen Kunden laut Marketing-Director Brain Gregory eine "indische Variante" an: "Wir unterhalten ein Fernberatungs-Angebot in Indien. Wir übernehmen physikalisch Ihre Daten, führen die Konversion aus, testen und kontrollieren die Ergebnisse und bringen dann die Daten zu Ihnen zurück. Alternativ können wir die indischen Consultants auch einfliegen lassen. Und das alles für weniger als 30.000 US$ pro Upgrade." Wer jedoch glaubt, mit seinem "Hilferuf" bis spät in den Dezember warten zu können, wird aufgrund begrenzter Ressourcen vermutlich ein Problem bekommen.
Doch auch jene Unternehmen, die den Prozess der Euro-Umstellung bereits abgeschlossen haben, sollten sich nicht in grenzenloser Sicherheit wiegen: "Es ist nicht so einfach wie ein Knopfdruck am 1. Januar", sagt Patrick O'Beirne, Direktor der irischen Systems Modelling Ltd., in Anspielung auf die Y2K-Problematik. Nach Software-Tests im Auftrag der Business Application Software Developers' Association (BASDA) fällt das Urteil eher ernüchternd aus: "Zwei Drittel der Companies fielen bereits in der ersten Runde durch. Sie konnten einfach die Zahlen nicht akkurat konvertieren. Sie neigten dazu, falsch auf- oder abzurunden und gaben keinen Aufschluss über den Verbleib der Differenz. Ein Wirtschaftsprüfer registriert dieses sehr wohl." Doch auch sonst lauern allerlei Fußangeln: Beispielsweise wenn man von der Korrektheit der eigenen Zahlen überzeugt ist, gleichzeitig aber mit den fehlerhaften Ziffern der Geschäftpartner operiert oder auch wenn zwar die Buchhaltung und Rechnungsstelle auf den Euro umgestellt sind, nicht aber das gesamte Angebot: "Man hat immer diese Probleme mit Drittanbietern. Sie haben ein eCommerce-Angebot auf ihrer Website, das von dieser seinerzeit erfolgreichen Designagentur realisiert wurde, die es inzwischen jedoch gar nicht mehr gibt", nennt O'Beirne ein Beispiel: "Haben sie gut gearbeitet, so genügt ein Abgleich der Database, aber irgendjemand muss die Verantwortung übernehmen und es auch tun. Ich erwarte im Januar eine ganze Reihe von Unternehmen zu sehen, die perfekt in der Lage sind, ihre Rechnungen in Euro zu erstellen, deren Websites aber nach wie vor Deutsche Mark, Irische Pfund oder was auch immer ausweisen."
Autor: Ralf Koyro
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