Die Zukunft des heimischen Puschenkinos liegt im Internet. So jedenfalls erhoffen es sich die ersten deutschen Anbieter von „Pay-per-view“ Online-Diensten, die mit ihren Lösungen jetzt den Markteintritt wagen und dabei die erste echte Breitband-Anwendung propagieren.
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Den „First-Mover“-Status proklamiert die Media Netcom AG für sich, die bereits seit mehr als einem Jahr an einem marktfähigen Angebot für ihre Cinema-On-Demand Technologie schrauben und nach erfolgter Pilotphase jetzt auch unter den Domains Cinedrome.tv und Erodrome.tv ans Licht der Öffentlichkeit treten. Für den Start haben die Betreiber ein Paket von mehr als 470 Filmen geschnürt, die zu einem Preis von durchschnittlich 5 Euro bestellt werden können. Nicht minder ambitioniert und mit einem stärkeren Markennamen ausgestattet, gibt sich das „Video-auf-Abruf“-Angebot von Arcor. Hier stehen zu Beginn kapp 60 Filme zur Verfügung, wobei das Angebot bis Weihnachten noch auf rund 400 Titel ausgebaut werden soll. Neben konventionellen Spielfilmen und Zeichentrickfilmen setzt Arcor - ebenso wie die Media Netcom AG - zu einem nicht unerheblichen Teil auf die Sparte Erotik. Das Preisgefüge bewegt sich von 2,50 EUR (für Trickfilme) bis zu 4 EUR (für Erotik-Streifen).
Mit dem Angebot angesprochen werden soll vor allem die in diesem Jahr beträchtlich gewachsene Gruppe der Breitband-Nutzer, nicht zuletzt auch die zum Jahresende prognostizierten mehr als 2 Millionen T-DSL Kunden der Deutschen Telekom. Das technische Verfahren ist dabei relativ einfach und nahezu identisch: Durch die schnellen Internetanbindungen werden die Filme als Download heruntergeladen und können – sofern Bandbreiten von 500 KBits. gewährleistet sind – bereits parallel dazu in annähernder VHS Qualität angeschaut werden. Die genannten Mietpreise beziehen sich jeweils auf eine Nutzungsdauer von 24 Stunden, innerhalb derer man die georderten Streifen beliebig oft betrachten, vor- oder zurückspulen bzw. den Download sogar fest auf den Rechner speichern kann. Zum Betrachten ist dabei wiederum Microsofts Mediaplayer vonnöten, da die Nutzungsrechte bei beiden Anbietern über das dem Player angeschlossene „Digital Rights Management“ geprüft werden. Will man einen heruntergeladenen Film nach Ablauf der Leihfrist abermals betrachten, so muss hierzu dann ein neuer digitaler Schlüssel geordert und bezahlt werden.
Unterschiedlich handhaben die beiden Anbieter die Frage der Bezahlung. Während Arcor auf eine hausgemachte Micropayment-Lösung setzt, bei der Nutzer vorab per Überweisung auf ein virtuelles Konto ihren Obolus entrichten, bietet die Media Netcom AG klassische Bezahlverfahren wie Bankeinzug, Kreditkarte oder Anruf über eine 0190-Nummer an. Die Problematik der Alterskontrolle bei Filmangeboten ab 18 Jahre (FSK) löst Arcor nach dem Prinzip der Online-Broker, mit der Identifikation durch die Deutsche Post (PostIdent-Verfahren).
Mit dem jetzt erfolgten Start verschaffen sich die beiden Anbieter ein solides Zeitpolster gegenüber anderen Wettbewerbern wie T-Visions und QSC, die frühestens innerhalb des nächsten Jahres mit eigenen Video on demand (VOD)-Angeboten aufwarten können. In wie weit ihnen dieses dann ein größeres Stück des europäischen VOD-Kuchens garantiert, den die Analysten von Frost & Sullivan im Jahre 2006 bei rund 2,5 Milliarden US$ und 8,5 Millionen Abonnenten erwarten, bleibt indes fraglich. Denn weder das Angebot von Arcor noch der Media Netcom AG wirkt zum Start sonderlich attraktiv und bietet mitnichten eine echte Alternative zu Bezahlfernsehen und Videothek. Im Angebot befinden sich beinahe ausschließlich B-Movies, also entweder völlig veralterte oder im Kino hoffnungslos gefloppte Streifen. Das Rennen um die VOD-Krone wird aber künftig mit allergrößter Wahrscheinlichkeit nur derjenige Anbieter machen, dem es gelingt, ein wirklich attraktives und aktuelles Filmangebot ins Netz zu bringen. Und hier scheinen die Amerikaner bereits deutlich weiter, bei denen sich unter dem Schlagwort „Movie-on-demand“ bereits eine Kooperative renommierter Filmstudios wie Metro-Goldwyn-Mayer, Paramount Pictures, Sony Pictures Entertainment, Warner Bros etc. um die Etablierung eines entsprechenden Angebots bemüht. Aber auch AOL sowie das Microsoft-Portal MSN planen eigene VOD-Initiativen. Nicht zuletzt im Vergleich hierzu, wirken die Bemühungen der deutschen Anbieter bislang noch ein wenig blass.
Autor: Ralf Koyro
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