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Content for free: Märchen aus vergangenen Tagen?
19.12.2001 | Artikel drucken | Artikel empfehlen

Auf der Suche nach neuen Einnahmequellen ist man in der Internetbranche zunehmend auf alternative Refinanzierungsmodelle angewiesen. Werden Internet-Nutzer künftig für so genannten Value Content regelmäßig in die Tasche greifen müssen oder bleibt dieses eine Ausnahmeerscheinung?

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Wer derzeit mit Paid-Content "gutes Geld" verdient, hat entweder aktuelle Finanz- und Börseninformationen im Angebot oder ist in der Erotikbranche angesiedelt. So lautet jedenfalls die Faustregel für das Gros aller Angebote, die „Inhalte gegen Cash" offerieren. Eine Ausnahme bilden ohne Zweifel Special Interest Angebote, wie z.B. das Online-Magazin für Life Sciences und Biotechnologie Lifegen.de, das Fachinfos gegen Gebühren verkauft.

Demgegenüber stehen verschiedene vergebliche Versuche namhafter Verlage einst kostenfreie Angebote nunmehr mit Gebühren zu belegen. So scheiterten sowohl die Washington Post als auch die legendäre New York Times mit ihren Vorhaben für vermeintlich attraktive Onlineangebote Geld zu verlangen.

Konnte man in der Vergangenheit das Scheitern eines solchen Vorstoßes zumindest noch mit nicht vorhandenen effizienten Abrechnungsmöglichkeiten begründen, reichen solche Argumente heute nicht mehr aus, denn Micropayment-Verfahren zur Abrechung von Kleinstbeträgen stehen inzwischen in ausreichender Anzahl zur Verfügung.

Und tatsächlich gehen seit einigen Monaten denn auch immer mehr Content-Anbieter dazu über, ihre Inhalte Stück für Stück zu "versilbern". So bietet die Stiftung Warentest etwa detaillierte Testergebnisse im Internet nur noch gegen Bezahlung an. Und auch der Nachrichtensender n-tv kassiert für „Premium-Content“ eine Gebühr vom Kunden. Dabei zeichnen sich diese Inhalte durch eine gewisse Substitutionsresistenz gegenüber Gratis-Content aus. Da es einfacher ist, ein neues Angebot zu bepreisen, als für eine bislang kostenlose Leistung plötzlich Gebühren zu verlangen, wird neuen Breitband-Angeboten vor diesem Hintergrund eine erfolgsversprechendere Zukunft prognostiziert. Hierauf hofft man auch bei der Telekom-Tochter T-Online. Im ersten Quartal des kommenden Jahres sollen neue Bezahldienste aus den Bereichen Film, Musik, Spiele, Sport und Information in dem Breitband-Portal "T-Vision" zusammengefasst werden. Bezahlen soll der Kunde dann über seine Telefonrechung.

Auch Bild.de (Kooperationspartner von T-Online) möchte den Kunden zukünftig zur Kasse bitten. Mit „exklusiven“ Nachrichten, Promi-Chats sowie Online-Games, soll zumindest ein Teil der rund 14 Millionen Besucher (IVW November 2001) davon überzeugt werden, den ein oder anderen Euro in die ganz spezielle Art der "Meinungsbildung" zu investieren. Gelockt werden soll laut Peter Würtenberger, Geschäftsführer bei Bild.de, natürlich auch mit Erotik-Angeboten. Denn hier werden - unabhängig aller anderen Bemühungen - nach wie vor die größten Gewinne erzielt, wie auch die jüngste Erfolgsmeldung der Tomorrow Focus AG belegt: Für ihr Bezahlangebot auf Playboy.de konnten bereits im ersten Quartal 5000 Nutzer gewonnen werden. Kalkuliert hatte man ursprünglich eher vorsichtig mit einem Fünftel dieser Zahl.

Auch wenn sich gegenwärtig offenbar nur mit "Hochglanz-Erotik" und "exklusivem Mehrwert" tatsächlich Erlöse in Sachen Web-Content erzielen lassen, machen sich immer häufiger große und bekannte Anbieter auf, um mit ihren eigenen Modellen an diesen Regeln zu rütteln. So scheint es mittlerweile nicht mehr undenkbar, dass solche Versuche über kurz oder lang eine Kettenreaktion hervorrufen, der sich nur noch Wenige werden widersetzen können.

Autor: Matthias Robben

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