Wenn der Kunde König sein soll, dann müssen die Geschäftsprozesse zwischen Handel und Hersteller wie geschmiert laufen. B2B-Marktplätze setzen daher zunehmend auf Unterstützung für effektive Zusammenarbeit.
Anzeige
Collaborative Planning, Forecasting and Replenishment (CPFR) heißt das neue alte Zauberwort, mit dem die eMarketplaces um ihre Kunden buhlen, nachdem Basisfunktionen wie Procurement und Auktionen etabliert sind. Per CPFR soll es möglich sein, Angebot und Nachfrage präzise zu prognostizieren und auf dieser Grundlage die Strategien von Händlern, Zuliefern und Herstellern abzustimmen. Nicht weniger als die "end-to-end visibility across the supply chain" wird so laut Joe Laughlin, CEO von Global NetXchange (GNX), realisiert. Mit den technologischen Möglichkeiten des Internet und der B2B-Marktplätze lasse sich der gesamte Wertschöpfungsprozess besser steuern und optimieren, betont auch Zygmunt Mierdorf, Vorstandsmitglied der Metro AG. Dementsprechend will der Konzern noch in diesem Jahr zehn Hersteller von Wasch-, Putz- und Reinigungsmitteln über GNX an eigene Systeme anbinden, unter anderem Henkel, SCA und Kimberly Clark. Ziel ist dabei neben der Verbesserung der Transparenz entlang der Wertschöpfungskette vor allen Dingen auch die Effizienzsteigerung im Bestands- und Promotionsmanagement. "Gemeinsame Prognosen und eine permanente Anpassung an die neusten Daten steuern den Planungsprozess", so Mierdorf. "Das befähigt den Hersteller, seine Lagerhaltung und seine Produktion zu optimieren. Und ermöglicht in der ganzen Prozesskette Bestände und Kapitalbindung deutlich zu senken."
Auch andere Marktplätze sehen in CPFR-Applikationen ihre Zukunft: Transora setzt auf Syncra Systems als Technologieanbieter und WorldWide Retail Exchange (WWRE) vertraut i2. In den nächsten Monaten ist also mit einem sprunghaften Ansteigen von Pilotprogrammen zu rechnen. Dabei wird es wohl nicht mehr darum gehen, lediglich eine "Nice-to-have"-Anwendung zu bieten. Einige Experten gehen vielmehr davon aus, dass damit der Startschuss für Collaborative Commerce auf breiter Front gegeben wird. "Unternehmen und Mega-Marktplätze haben keine andere Chance, als CPFR zu begrüßen", kommentiert Analyst Rich Williams von Jefferies & Co. "Die Auftragsbestätigungen sind lediglich die Eingangstür. Wenn man einmal diese Schwelle überschritten hat, gibt es nichts Wichtigeres mehr als die Zusammenarbeit innerhalb der Wertschöpfungskette."
Obwohl bereits seit 1997 als Konzept bekannt, gilt Collaborative Planning, Forecasting and Replenishment noch als relativ neues Geschäftsmodell. Bislang lässt sich die Akzeptanz der CPFR-Software bestenfalls als zurückhaltend charakterisieren. Trotz des unbestritten enormen Potentials sehen Anwender und Analysten die Verbreitung der Technologie als langsamen Prozess. Janet Suleski von AMR Research geht davon aus, dass gegenwärtig etwa 500 Unternehmen in irgendeiner Weise an CPFR-Implementationen beteiligt sind. 65 Händler befinden sich in der Testphase. Das langsame Wachstum wird dabei auf eine Tatsache zurückgeführt, die schon in anderen B2B-Bereichen für Ernüchterung nach einer Phase der Euphorie geführt hat. Auch CPFR setzt voraus, dass Unternehmen ihre Geschäftsprozesse entsprechend der neuen Erfordernisse anpassen. Und solche Anpassungen werden laut Suleski insbesondere in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten ungern in Angriff genommen. Darüber hinaus ist auch die Vertrauensfrage für viele Unternehmen nach wie vor ungeklärt. Schließlich geht es darum, wertvolle Informationen mit anderen Akteuren zu teilen. Ob vor diesem Hintergrund ein Startschuss ausreichend ist, bleibt abzuwarten. Schließlich hat das Jahr gerade erst angefangen.