Obgleich mit dem UMTS-Start hierzulande vermutlich nicht vor dem Winter und dann auch nur in einem verschwindend geringen Umfang zu rechnen ist, dreht sich auf der CeBIT 2002 beinahe alles um das Thema der mobilen Kommunikation. Immer deutlicher wird dabei der Weg zum erklärten Ziel.
Anzeige
Über die Zeichen der Zeit herrscht unter den Ausstellern Einigkeit: So haben die Marktforscher von Mummert + Partner in einer Befragung von 50 bedeutenden Ausstellern herausgefunden, dass neben der Sicherheit vor allem die Themen UMTS (46%), Mobilität (40%) sowie drahtlose Netzwerke (22%) die diesjährige CeBIT beherrschen werden. Das klingt wenig überraschend, sind die großen Netzwerkbetreiber, diverse Serviceanbieter sowie Endgerätehersteller inzwischen aufgrund gewaltiger Investitionen doch auch auf einen erfolgreichen Marktdurchbruch neuer mobiler Technologien und Dienste dringend angewiesen.
Schenkt man den Prognosen des internationalen UMTS-Forums Glauben, so steht allen Beteiligten eine goldene Zukunft ins Haus: Demnach soll die Zahl der UMTS-Nutzer von weltweit 100 Millionen im Jahr 2005 in der Folge bis 2010 auf 630 Millionen klettern, während die Umsätze innerhalb dieser Zeitspanne von 70 Milliarden US$ bis auf 560 Milliarden US$ anwachsen. Diese Vorausschau unterstreicht jedoch gleichzeitig eindrucksvoll, welch langer Atem erforderlich ist, um in den Genuss des heiß ersehnten „Geldregens“ zu gelangen.
Immer stärker festigt sich demzufolge unter den potentiellen Anbietern die Einsicht, dass das Feld des mobilen Massenmarkts weitaus früher bestellt werden muss. Und das weniger über eine dahinter stehende Technologie, als vielmehr über nutzbringende und attraktive Inhalte. E-Plus versucht sich dabei als Pioneer und springt auf die in Japan unschlagbar erfolgreiche i-Mode-Schiene auf. Mit einem Paket von 60 Partnern und 500 Sites geht man ab 16. März an den Start und versucht einen Markt für den Vertrieb von Inhalten und Services aufzubauen und erfolgreich zu erschließen. Am Jahresende sollen sich dann zwischen 400.000 und 600.000 Kunden für ein Angebot entschieden haben, das auf der Nutzung eines Farbdisplays sowie der GPRS-Übertragungstechnik aufbaut und bei dem - neben einer geringen Grundgebühr - für die Bereitstellung von Inhalten Gebühren fällig werden. Verglichen mit Japan handelt es sich sowohl bei der Programmfülle als auch bei der avisierten Nutzerzahl noch eher um „Peanuts“: Im Lande der aufgehenden Sonne haben mehr als 30 Millionen Nutzer i-Mode zum riesigen Erfolg des dortigen Mobilfunkanbieters NTT DoCoMo gemacht. Ferner gibt es 1.800 offizielle i-Mode-Websites sowie 40.000 weitere Sites mit i-Mode Optionen, wobei der gesamte mCommerce-Umsatz laut Jupiter Research mit 400 Millionen US$ beinahe 30 Mal höher als in Europa ausfällt.
Aber auch die anderen Anbieter wollen die GPRS-Technik dazu nutzen, einen Markt für künftige Technologien und Dienste aufzubauen: Vodafone kann nach den Worten seines Deutschland-Chefs Jürgen von Kuczkowski langsam Bewegung im Markt erkennen und auch die Telekom dürfte mit dem neuen Portal T-Mobile Online vor allem die wachsenden Möglichkeiten der Kanalbündelung per GPRS im Blick haben. Gegenwärtig bilden jedoch die Endgerätehersteller noch das Nadelöhr in der Anbieterkette, weil die entsprechenden Geräte noch nicht in großer Stückzahl ausgeliefert werden können. Ein Problem, das sich allerdings lösen lassen sollte.
Auch hieran mag man ermessen, wie komplex sich die Markteinführung für UMTS letzten Endes gestalten könnte. Interessierte Nutzer werden sich wohl noch eine ganze Weile lang mit eindrucksvollen Leistungsschauen - wie sie etwa MobilCom für die CeBIT versprochen hat - begnügen müssen. Den angekündigten Starts von MobilCom und Vodafone für Ende diesen bzw. Anfang nächsten Jahres, dürfte allenfalls Symbol-Charakter zukommen, allein schon weil es noch keine zufrieden stellende Netzabdeckung geben wird. Und auch, wenn der Rest der Lizenzinhaber in der zweiten Jahreshälfte nächsten Jahres folgt, wird noch einiges an Aufbauarbeit zu leisten sein. Laut Financal Times Deutschland rechnet T-Mobile ohnedies erst zum Jahreswechsel 2003/2004 mit ersten erkennbaren UMTS-Umsätzen und auch Vodafone mag frühesten 2004 oder gar 2005 von einem Massenmarkt ausgehen. Ausreichend Zeit also, der erwarteten technischen Revolution zunächst einmal eine inhaltliche voranzustellen.
Autor: Ralf Koyro
Über Anregungen und Kritik freut sich die Redaktion