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From Free to Fee – ein neuer Online-Trend?
27.03.2002 | Artikel drucken | Artikel empfehlen

Einen Weg von den Herzen in die Taschen ihrer Nutzer zu finden, versprechen sich viele Webanbieter derzeit durch die forcierte Einführung von Bezahl-Services. Völlig unklar bleibt indes, inwieweit das Klientel mittelfristig überhaupt dazu bereit ist, sich auf derartige Experimente einzulassen.

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Denn insbesondere wenn es um die Bereiche „Content“ und „Service“ geht, hat sich das „Gratis-Prinzip“ nachhaltig in den Köpfen der Online-Nutzer eingenistet und signalisiert nur in Ausnahmefällen Bereitschaft zum Auszug. So mag die zunehmende Einführung von Bezahl-Angeboten innerhalb der Internet-Gemeinde inzwischen zwar kaum jemanden mehr wirklich überraschen, wie nicht zuletzt der Online-Monitor 2002 der Arbeitsgemeinschaft Internet Research (Agirev) erst kürzlich eindrucksvoll belegt hat. Doch zwischen der Erwartung einer Entwicklung und der Akzeptanz derselben, können mitunter ja bekanntlich Welten liegen.

Agirev hatte unter 13.000 Personen ermittelt, dass sich 89 Prozent der Befragten vorstellen können, Inhalte künftig nur noch gegen Bares erwerben zu können, während gerade einmal 11 Prozent die Etablierung von Paid-Content für gänzlich ausgeschlossen halten.

Demnach wäre ein Erfolg des Modells „Bezahl-Content“ also bloß an einen Wechsel der Gewohnheiten geknüpft und im Endeffekt damit lediglich eine Frage der Zeit und Beharrlichkeit? Mitnichten. Denn sowohl diesseits als auch jenseits des großen Teichs mehren sich die Stimmen von Analysten, die große Skepsis bezüglich der Zahlungsbereitschaft der Nutzer verbreiten. Fittkau und Maaß äußerten erst kürzlich im Rahmen der routinemäßig durchgeführten W3B-Studie, dass gerade einmal 20 Prozent der Befragten eine grundsätzliche Bereitschaft zum Bezahlen von Inhalten einräumten, während mehr als die Hälfte dieses kategorisch ablehnten. Prognos bricht unvermindert eine Lanze für die Online-Werbung und betont die feste Überzeugung, dass der Verkauf publizistischer Inhalte via Internet lediglich auf kleine Nischen beschränkt bleibt. Übereilte Umstiege auf Bezahl-Modelle würden dagegen eher viele User verärgern und im schlimmsten Falle zusätzlich das Image bestehender Offline-Marken beschädigen. Die jüngste Stimme deutscher Warner gehört den Marktforschern von Emnid: In ihrer eMind@emnid-Umfrage unterstrichen 67 Prozent der Teilnehmer, dass sie nicht bereit sind, für Inhalte zu bezahlen, während ganze 7 Prozent eine prinzipielle Zahlungsbereitschaft erklärten.

Und auch in den USA ergibt sich fast das gleiche Bild: Hier hat Jupiter Media Metrix bereits im März die Stimmen der Online-Gemeinde zum Thema „Bezahl-Inhalte“ eingeholt und dabei erfahren, dass immerhin 70 Prozent „überhaupt nicht begreifen können, warum irgendjemand dazu bereit ist, im Web für Inhalte zu bezahlen.“ Aktuell haben die Analysten jetzt zum bevorstehenden Jupiter Media Forum die Prognosen für die Entwicklung von „Paid-Content“ nachgeliefert. Das Ergebnis: Der Weg bleibt holprig und das Volumen wird von gegenwärtig 1,4 Milliarden US$ bis 2006 gerade einmal bis auf 5,8 Milliarden US$ klettern. Der Begriff Content beinhaltet dabei neben „klassischen Inhalten“ auch Bereiche wie Online-Spiele und digitale Musik. „Weil mit den Online-Inhalten nun vermehrt Geld gemacht werden soll, verschließt sich der Massenmarkt zunehmend gegen alles, was in irgendeiner Weise nach 'Subscription' aussieht“, sagt David Card, Senior-Analyst und Vizepräsident bei Jupiter.

Doch längst geht es nicht mehr um Inhalte allein, denn auch Leistungen, die in der Vergangenheit zumeist gratis erbracht wurden und eine gewisse Beliebtheit für sich in Anspruch nehmen durften, werden zunehmend zum Instrument neuer Refinanzierungs-Spiralen: So ist Yahoo’s eMail-Service via Pop3 künftig nur noch gegen Zahlung einer Jahresgebühr von 29,99 US$ zu nutzen und Web.de verlangt inzwischen von seinen Inserenten eine Grundgebühr von 24 Euro pro Jahr (für Erotik-Anbieter analog um den Faktor 10 erhöht!). Überzeugende Mehrwert-Versprechen sind mit der Einführung der neuen Gebührenmodelle in diesen Fällen indes nicht mehr zwingend verbunden.

Es ist verständlich, dass sich viele Webanbieter im Zusammenhang mit der großen Marktbereinigungsmisere der New Economy sowie dem Einbruch des Werbemarkts im vergangenen Jahr, inzwischen intensiver mit ihren Möglichkeiten ihrer Refinanzierung beschäftigen. Ob der Schritt, aus ehemals kostenlosen nun kurzerhand kostenpflichtige Angebote zu stricken, dabei in die richtige Richtung weist, bleibt indes fraglich. Denn schlechte Geschäftsmodelle lassen sich schließlich nicht allein dadurch erfolgreicher vermarkten, indem man sie lediglich teurer verkauft.

Autor: Ralf Koyro

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