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eCommerce: Die neue Lust am Online-Einkauf
28.08.2002 | Artikel drucken | Artikel empfehlen

Diesseits und jenseits des Atlantiks übertreffen sich Marktforscher und Unternehmen gegenwärtig förmlich mit der Verkündung neuer Rekordzahlen. Dabei hatten wir uns alle doch erst unlängst mühsam die Einsicht abgerungen, dass mit dem Endverbraucher im Web wohl (noch) kein allzu großer Staat zu machen sei. Was stimmt denn nun?

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Vor allem für die Bricks-and-Clicks, die ob ihrer alternativen Vertriebswege auch gerne als „Multichannel-Retailer“ bezeichnet werden, ebnet das Web offenbar den Weg zu spürbaren Umsatzsteigerungen: Sowohl der Versandhandelsriese Otto als auch jüngst die Versandsparte des Karstadt-Konzerns vermelden inzwischen einen eCommerce-Erlös am Gesamtvolumen in einer Größenordnung von mehr als 10%. Vor allem für Letztgenannte ein deutliches Signal einer Trendwende, nachdem der „First-Mover“ und „MyWorld“-Geschädigte in der Vergangenheit mit seinen Online-Aktivitäten relativ wenig Fortune entwickelt hatte. Für das Geschäftsjahr 2002 geht Karstadt indes von einem Umsatzwachstum innerhalb der eCommerce-Sparte um 50% auf 1,2 Milliarden Euro aus. Damit liegt man dann noch knapp 500 Millionen hinter dem Hamburger Otto-Versand, der nach Amazon weltweiten Nr. 2.

Zu diesen imponierenden Zahlen gesellen sich ferner noch die Umsätze, die durch den indirekten Einfluss des Internet auf einen anschließenden stationären Einkauf ausgelöst werden. Eine aktuelle Untersuchung von Forrester für den europäischen Markt geht davon aus, dass inzwischen 22% der Internet-Nutzer zu den so genannten „Cross-Channel-Shoppern“ zu rechnen sind, die sich beispielsweise zunächst via Web über Produkte informieren, bevor sie diese anschließend im stationären Handel erwerben. Der Nachteil an dieser Klientel: Treue gegenüber dem Händler ist für sie eher ein Fremdwort und rund die Hälfte (48%) wechselt auf dem Weg vom Web in die Fußgänger den Anbieter.

Doch zurück zum direkten eCommerce: Der Online Reichweiten Monitor 2002 von Agirev weist von den aktuellen deutschen Internet-Nutzern inzwischen 58% gleichzeitig auch als Online-Shopper aus, die mindestens einmal etwas via Internet eingekauft haben. In der Summe entspricht dies knapp 14 Millionen Bundesbürgern, wobei von diesen wiederum die Hälfte sogar zu den regelmäßigen Web-Kunden gezählt werden müssen. Die Analysten weisen einen eindeutigen Zusammenhang zwischen der Web-Erfahrung und dem Kaufverhalten aus: Je routinierter der Umgang mit dem Internet, desto größer auch die individuelle Kaufbereitschaft.

Hier liegt dann wohl auch der wesentliche Zusammenhang zu den wachsenden eCommerce-Umsätzen. Der Anteil an „Newbies“ im Netz nimmt kontinuierlich ab und damit verbunden schwindet die Scheu vor Web-Transaktionen und steigt die Bereitschaft zur Internet-Order. Forrester geht für Europa inzwischen von einer annähernden Versechsfachung der Umsätze bis zum Jahre 2007 aus. D.h., aus gegenwärtig angenommenen 30 Milliarden Euro werden nach Einschätzung der Analysten innerhalb der nächsten fünf Jahre beeindruckende 171 Milliarden Euro.

In den USA soll der Anteil des eCommerce am Gesamthandel bereits in diesem Jahr die 3%-Marke erreichen, wobei die amerikanische Handelsorganisation Shop.org erst kürzlich ein Wachstum des Online-Handels um 21% auf insgesamt 51,3 Milliarden US$ errechnet hat. Und auch in dieser Statistik zählen die Multichannel-Retailer zu den größten Gewinnern, denn sie zeichnen sich für immerhin 67% dieser Summe verantwortlich.

Zusammengefasst lässt sich festhalten: Die Bereitschaft zum Online-Einkauf wächst unter den Nutzern stetig und spürbar und spült neues Geld in die virtuellen Kassen gepeinigter Internet-Händler. Und auch wenn Skeptiker gern das Gegenteil behaupten, ist der eCommerce alles andere als eine vorübergehende Zeiterscheinung. Wer in Anbetracht der schwierigen wirtschaftlichen Lage sowie der folgenreichen Konsolidierung des Neuen Marktes eigene strategische Ansätze in diesem Segment zunächst beiseite geschoben hat, sollte die Pläne allmählich wieder aus der Schublade kramen und sich beizeiten eine vernünftige Ausgangsposition im Markt sichern. Und das auch gegen mögliche und anfängliche Widerstände.


P.S. Wie die wirklich erfolgreichen eTailer im Markt agieren und was Experten als Erfolgsrezepte ausgeben, können Sie im aktuellen ECIN Online-Workshop erfahren. Mehr dazu finden Sie hier.

Autor: Ralf Koyro

Über Anregungen und Kritik freut sich die Redaktion

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