Auf UMTS will anscheinend kaum noch jemand warten. Gegenwärtig steht der drahtlose und schnelle Internetzugang per Hotspot im Mittelpunkt der Diskussion. Und die Erwartungen sind enorm: Im Jahr 2004 soll Deutschland der größte wLAN-Markt in Europa sein.
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In diesem Sinne werden zumindest die vorliegenden Marktprognosen, unter anderem von Analysys und Frost&Sullivan, durch die Cisco Systems GmbH interpretiert. Der Technologie-Anbieter wittert hier offensichtlich ein enormes Potential. Immerhin hat man schon einige Hotels, Flughäfen und Universitäten entsprechend ausgestattet. Als eins der Paradebeispiele gilt das Berliner Hotel Estrel, das mit dem Slogan „Internet à la carte“ den Besuchern möglichst guten Service bieten will. Über die hoteleigenen Hotspots ist die Verbindung schnurlos per Wireless LAN möglich. Und bezahlt wird auch: Zum Beispiel kostet eine Stunde Surfen in der Atrium-Bar mit einem Web-Pad und eine Tasse Kaffee 7,50 Euro. Die Investitionen, die die Betreiber Cisco und DeTeLine mit etwa 60.000 Euro beziffern, soll das wLAN des Hotel Estrel bereits wieder eingespielt haben.
So problemlos geht die ganze Sache aber nicht in jedem Fall über die Bühne. Die Teilnehmer der aktuell stattfindenden Wireless Internet Service Provider Conference (WISPCON) sehen jedenfalls noch einige Probleme, die wirklich Erfolg versprechenden Geschäftsmodellen rund um Hotspots im Wege stehen. Und dabei geht es vor allen Dingen um die Preisstrategie. Denn wenn auch Hotelgäste anscheinend für vorhersagbar gute Umsätze sorgen, wollen sich die Nutzer von Hotspots in der Regel nicht auf ein sehr kleines Gebiet beschränken. Die Wünsche richten sich vielmehr auf weitergehende Mobilität: In unterschiedlichen Stadtteilen ebenso wie in unterschiedlichen Städten soll das Internet möglichst draht- und problemlos zugänglich sein. Roaming, wie man es vom Mobiltelefon her kennt, heißt hier das Zauberwort. In den USA gibt es mit Boingo bereits ein Unternehmen, das hunderte von WiFi-Netzwerken mit Hilfe einer einheitlichen Software bündelt. Drei Preisstufen sollen dabei sowohl den unterschiedlichen Bedürfnissen der Nutzer entgegen kommen als auch für Einnahmen auf Seiten der Hotspot-Betreiber sorgen. In Deutschland ist ein ähnlicher Service derzeit nicht in Sicht. Die etwa 70 öffentlichen Hotspots, die Harald Lux unter www.highspeed-hotspots.de listet, rechnen individuell ab.
Darüber hinaus taucht laut den Erfahrungen der US-amerikanischen Pioniere im Anschluss an die Hotspot-Euphorie des vergangenen Jahres ein weiteres Problem auf: Wo können die Zugangspunkte im öffentlichen Raum platziert werden? Flughäfen, Hotels und Universitäten sind bekannte Beispiele. Aber nicht alle Geschäftsinhaber oder Cafebesitzer sind glücklich mit der Aussicht, dass zahllose Menschen mit ihren Laptops oder PDAs im Gebäude sitzen – ohne etwas zu kaufen. Und das Projekt E-Garten ist mit dem Motto „Mein Anschluss im Grünen“ im Englischen Garten auch eher für Tage mit schönem Wetter geeignet.
Vor diesem Hintergrund werden wohl Hotspots doch eher eine Kompromisslösung bleiben. Zwar ist damit zu rechnen, dass sich wLAN-Netze weiter ausbreiten, solange der 3G-Mobilfunk noch auf sich warten lässt. Aber nicht nur Thomas Arnold von Cisco, sondern sicherlich auch viele andere potentielle mobile Internetsurfer träumen schon jetzt von dem idealen Endgerät der Zukunft, das automatisch die jeweils zur Verfügung stehenden Netze erkennt und - entsprechend der Prioritäten des Nutzers - das passende auswählt. Dass sich hier Geld verdienen ließe, ist nicht nur Cisco klar.