Die jüngsten Quartalsergebnisse von eBay bzw. Amazon klangen bereits verheißungsvoll. Und tatsächlich: Pünktlich zum Fest der Liebe soll es rund um den Globus in den Kassen der eTailer wieder kräftig klingeln. Besonderen Grund zur Freude haben dabei die Händler diesseits des Atlantiks, denn erstmals in der Geschichte des eCommerce werden sie ihre Kollegen aus Nordamerika beim zu erwartenden Umsatz hinter sich lassen.
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In den letzten Tagen haben gleich mehrere große Analystenhäuser ihre Prognosen für das diesjährige Weihnachtsgeschäft, die so genannte Holiday Season, abgegeben. Dabei fallen die Ergebnisse mit Blick auf die USA eher verhalten aus: So sind laut Forrester Research die Online-Umsätze im 3.Quartal mit nunmehr 17 Milliarden US$ erstmals wieder gesunken. Zwar gehen die Forrester-Analysten davon aus, dass im 4. Quartal immerhin 20 Milliarden US$ erreicht werden, doch die Zeiten eines hohen zweistelligen Umsatzwachstums scheinen zumindest in den USA endgültig der Vergangenheit anzugehören. Für die eigentliche Holiday Season rechnet man mit Umsätzen in Höhe von 9,5 Milliarden US$, was im Vergleich zum Vorjahr (8,3 MilliardenUS$) zwar immer noch eine Steigerung bedeutet, diese damit jedoch weitaus geringer ausfällt als noch vor einigen Monaten prognostiziert. Als Hauptgrund für die Kaufzurückhaltung in den USA wird die derzeit schwierige wirtschaftliche Lage angeführt: Kriegsängste, sinkendes Konsumentenvertrauen und der Hafenarbeiterstreik an der Westküste, haben auch auf die Online-Shopper abgefärbt. Dadurch fällt auch der durchschnittliche Quartals-Bon des US-amerikanischen eShopper von 463 US$ (2001) auf 433 US$ (2002) leicht ab. Besonders stark dürfte die Kaufzurückhaltung in eher hochpreisigen Branchen wie z.B. Schmuck und anderen Luxusgütern zu spüren sein, während bei Gebrauchsgütern oder Spielzeug sogar mit weiteren Zuwächsen zu rechnen ist.
Aus europäischer Perspektive scheinen da die von GartnerG2 vermeldeten Zahlen weitaus positiver: Erstmal werden sich Online-Händler in Europa über höhere Umsätze als ihre Kollegen in Nordamerika freuen dürfen. Zwar ist der Unterschied mit 15,77 Milliarden US$ zu 15,66 Milliarden US$ nur äußerst minimal, doch besitzt Europa ein wesentlich größeres Wachstumspotential, da die USA mit inzwischen 108 Millionen Online-Usern bereits ein sehr hohes Niveau erreicht haben und von dieser Seite kein zusätzlicher Wachstumsschub mehr zu erwarten ist. Demgegenüber sind die Umsatzzahlen im Rest der Welt – vor allem gemessen an den hohen Nutzerzahlen im asiatisch-pazifischen Raum – als eher marginal zu bezeichnen. Nicht einmal 20 Prozent der erwarteten 38,2 Milliarden US$ entfallen auf Online-Händler außerhalb Europas bzw. Nordamerikas. Hier fehlt es den Internet-Nutzern häufig schlicht und einfach noch an Online-Shopping Erfahrung. Ferner ist das zur Verfügung stehende Pro-Kopf-Einkommen im Durchschnitt wesentlich niedriger.
Laut Gill Mander, Business Analyst bei GartnerG2 werden die Umsatzzahlen in Europa vor allem dadurch angekurbelt, dass immer mehr Kunden zu Multichannel-Shoppern werden und sich ihre Waren im gedruckten Katalog aussuchen und anschließend via Internet bestellen – Otto, Quelle und Neckermann wird’s freuen. Für die US-amerikanischen Online-Händler hält GartnerG2 derweil nur die Empfehlung parat, sich dort zu engagieren, wo die Online-Kassen süßer klingeln: Auf dem alten Kontinent.
Autor: Matthias Robben
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