Im B2C verhelfen schwarze Zahlen den Internet-Geschäften bereits wieder zu einem Hauch von Leichtigkeit und Glanz. Im B2B ist dagegen noch einiges zu tun, ehe man über das traditionelle EDI hinaus wirklich handfeste Erfolge verzeichnen kann. Insbesondere die bislang isolierten Anwendungen möglichst kostenneutral zu integrieren, wird in den nächsten Jahren eine andauernd große Herausforderung darstellen.
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Die Ausgangsbasis ist dabei solide, denn EDI (Electronic Data Interchange), der Großvater des B2B, zeigt sich durchaus lebendig und überraschend ‚rüstig’. Seit über 20 Jahren werden mit Hilfe dieser technologischen Standards Daten zwischen Unternehmen ausgetauscht und es ist noch kein Ende abzusehen. In den nächsten fünf Jahren erwarten die Marktforscher von IDC ein Wachstum von über 15 Prozent. Allein in Europa soll im Jahr 2006 ein Umsatz von 809,9 Mrd. Euro erzielt werden, im vergangenen Jahr waren es noch 599,9 Mrd. Euro. EDI sei weit davon entfernt den langsamen Tod zu sterben, der schon häufig vorhergesagt wurde, kommentiert Rogier Mol von IDC. Vielmehr komme EDI in Verbindung mit eBusiness und entstehenden Technologien nach wie vor eine zentrale Rolle in dem Prozess zu, der die Geschwindigkeit und die Kosten des wirtschaftlichen Handelns verändere. Die Notwendigkeit bestehende Investments bis an ihre Grenzen zu nutzen, werde dazu führen, dass auch in den nächsten fünf Jahren kleine und mittelständische Unternehmen bevorzugt per EDI interagieren.
Das scheint allerdings nur eine Seite der Medaille zu sein, denn die Ziele lassen sich auch höher stecken. Zwar kann kein Zweifel daran bestehen, dass die Budgets vor allem im IT-Bereich bestenfalls stagnieren, wenn sie nicht sogar zurückgefahren werden. Dennoch wachsen die Erwartungen weiterhin: Die Unternehmen stehen unter Druck, aus weniger mehr zu machen. Vor diesem Hintergrund gilt es über die kurzfristige Kostenkontrolle hinaus zu planen und an die Realisierung von Wettbewerbsvorteile in der und für die Zukunft zu denken. Die besten Chancen werden dabei so genannte „Real Time Enterprises“ haben. So sehen es zumindest die Experten von der Gartner Group. Sie bezeichnen mit dem neuen Schlagwort all jene Unternehmen, die im Management und in der Ausführung ihrer Geschäftsprozesse auf aktuellste Informationen setzen und damit kostspielige Verzögerungen ausmerzen. Dass dabei der Fokus auf Geschwindigkeit gelegt wird, ist entscheidend dafür, in der „Post-E-Ära“ nicht nur zu überleben, sondern zu florieren. „Now Economy“ heißt dementsprechend diese service-orientierte Art des Wirtschaftens.
Wenn die Prognosen der Gartner Group zutreffen, werden im nächsten Jahrzehnt Data Warehouses in großem Umfang Informationen sammeln und per Business Activity Monitoring (BAM) dringende und wichtige Ereignisse ausfiltern. Instant Messaging und WiFi unterstützen dann zunehmend spontane Teambildung und schnelle Rückmeldung. Darüber hinaus stellen Web Services und ERP II-Anwendungen die nötigen Informationen zur Verfügung, um Prozesse im Wertschöpfungsnetzwerk zu beschleunigen, während Portale und Content Management Systeme den Entscheidungsträgern Zugang zu den relevanten Daten ermöglichen. Gleichzeitig werden immer mehr Mitarbeiter über die angemessenen Aktionen und Konsequenzen informiert.
Soweit die Visionen. Wenn es an die Umsetzung geht, kommt allerdings Disziplin ins Spiel. Denn auch Real-Time-Enterprises können nur das realisieren, was im Rahmen des vorgegebenen Ausgabenlimits möglich ist. „Disziplin muss der Schlüsselfaktor sein, wenn Unternehmen und IT-Manager das Potential der bestehenden IT-Infrastruktur im Rahmen ihrer Zukunftsvisionen maximieren wollen“, betont auch Gartner Research Director Mark Raskino.
Wenn also zahlreiche kleine und mittelständische Unternehmen zunächst und weiterhin auf das gute alte EDI setzen, dann ist das nicht nur kostengünstig, sondern auch visionär. Das verdanken sie einer preußischen Tugend: Disziplin kommt wieder in Mode.