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Gesünder leben dank Mobilfunk und Internet
08.01.2003 | Artikel drucken | Artikel empfehlen

Wer bei einem Notfall schon einmal auf das Eintreffen des Rettungswagens warten musste, hat ein Gefühl dafür, was ‚schnelle Hilfe’ im Ernstfall wert sein kann. Dass die neuen Kommunikationskanäle dabei sogar lebensrettend sein können, unterstreichen jüngste Entwicklungen und Projekte.

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So wurde auf der Medica in Düsseldorf Ende letzten Jahres das Projekt „MobiHealth“ erstmalig einer größeren Öffentlichkeit vorgestellt. Hierbei handelt es sich um die Entwicklung einer neuen - EU-geförderten - Technologie, mit deren Hilfe Hochrisiko-Patienten mit Bluthochdruck, Herzproblemen, Asthma oder Diabetes ein neues Gefühl von Sicherheit gegeben werden soll. Über spezielle Sensoren sowie das Mobilfunknetz werden lebenswichtige Körperfunktionen überwacht und die Daten kontinuierlich an ein Krankenhaus oder medizinisches Call Center übermittelt. Treten bedrohliche Veränderungen auf, können von dort aus entsprechende medizinische Maßnahmen bzw. ein Notruf eingeleitet werden. Auf diese Weise ist es ebenso möglich, entsprechende Patienten früher als bisher aus der stationären Behandlung in die häusliche Umgebung zu entlassen und ihren Genesungsprozess einfach im gewohnten Umfeld zu überwachen. Um eine schnelle und sichere Datenübertragung zu gewährleisten, werden neue breitbandige Mobilfunknetze wie GPRS und zukünftig UMTS eingesetzt. Innerhalb von 18 Monaten werden jetzt im Rahmen von Studien und Modellversuchen konkrete Erfahrungen mit der neuen Technologie gesammelt. Koordiniert wird das Projekt MobiHealth von Ericsson, es sind allerdings noch zahlreiche weitere Partner beteiligt.

Einer dieser Partner ist Gesundheitsscout24, ein Portal, das sich bereits seit Jahren via Internet dem Thema Gesundheit angenommen hat. Kern des Angebots ist, neben den redaktionellen Angeboten auf der Website, ein großes Call Center (Medical Service Center), in dem laut eigener Aussage insgesamt rund 130 Fachärzte aller Richtungen, Apotheker sowie Zahnärzte und Mitarbeiter aus den medizinischen Assistenzberufen zur Verfügung stehen. Dieses Dienstleistungsangebot stellt man den Krankenversicherten unterschiedlicher Krankenkassen zur Verfügung und erreicht damit gegenwärtig rund 30 Millionen potentieller Nutzer. Und da das Interesse an Informationen zum Thema Gesundheit vor allem im Internet kontinuierlich wächst, steht Gesundheitsscout24 mit seinem Portal hierzulande natürlich längst nicht mehr allein da, sondern es buhlen eine Vielzahl unterschiedlichster Anbieter um die Aufmerksamkeit der Online-User. Zu den bekanntesten dürften dabei Netdoktor sowie Lifeline zählen.

Doch nicht allein in Deutschland, sondern rund um den Globus interessiert man sich in hohem Maße für Gesundheitsthemen. Einer Untersuchung von Datamonitor zufolge, greifen in den westlichen Industrienationen inzwischen 57 Prozent der erwachsenen Internetnutzer auf das Internet zurück, wenn es um Fragen zur Gesundheit geht. Ganz oben in der Gunst der Nutzer stehen allgemeine Gesundheits-Websites und öffentliche Informationsangebote. Weniger Vertrauen wird dagegen den Angeboten der Pharma-Branche entgegengebracht. Dies scheint auch nicht weiter verwunderlich, wenn man der Branchenstudie „Pharma 2002“ des ProfNet Instituts Glauben schenken darf. Demnach mangelt es vor allem bei den pharmazeutischen und medizintechnischen Unternehmen in Deutschland an kundenorientierten Online-Services.

Im Land der „unbegrenzten Möglichkeiten" ist man allerdings bereits wieder einen Schritt voraus und so boomt nicht erst seit Gestern das Geschäft mit den praktischen Gesundheitsratschlägen via Internet. Gleich mehrere Portale wie z.B. Askadoctor.com, Netlivemd.com oder Medhelp.org kämpfen um die „kränkelnde Kundschaft“. Geworben wird in der Regel mit dem Fachwissen der „besten Ärzte des Landes“ Dabei werden für die individuelle Beantwortung einer medizinischen Frage - je nach Anbieter - zwischen 15 und 25 US$ fällig.

In den virtuellen Sprechstunden geht es laut Wall Street Journal in erster Linie dann um ergänzende Informationen, die während der stationären Sprechstunde beim Arzt – aus welchen Gründen auch immer - nicht zur Sprache gekommen sind. So berichtet Dr. Tinkelman von Medhelp.org, dass Nutzer häufig nur nach verständlichen Zusatzinformationen zu bereits existierenden Diagnosen fragen. Demgegenüber wirbt Askadoctor.com damit, dass der Nutzer für 16,95 US$ drei Antworten von drei verschiedenen Ärzten bekommt und diese Gebühren sogar geringer als die üblichen Zuzahlungen für den Besuch eines stationären Arztes sind. Hier wird die Webdiagnose direkt als Alternative zum Arztbesuch angepriesen.

Aber auch hierzulande wird professionelles Fachwissen bereits gegen Bezahlung im Web angeboten. Zuvor kostenlos, verlangt Netdoktor.de inzwischen für die Beantwortung einer Experten-Anfrage die stolze Summe von 33 Euro. Es wird jedoch klar gestellt, dass keine Diagnosen gestellt werden können bzw. dürfen und der Arztbesuch nicht ersetzt werden kann. Die Expertenantworten bezeichnet man dann auch als „individuelle Gesundheitsinformationen“.

Ob sich solch kostspielige Angebote jedoch auf Dauer am Markt werden durchsetzten können, gilt es erst noch abzuwarten.

Autoren: Ralf Koyro und Matthias Robben

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