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Wird Instant Messaging auch im Business salonfähig?
19.02.2003 | Artikel drucken | Artikel empfehlen

Vor allem unter den erfahrenen Internet-Nutzern hat sich die schnelle Kommunikationsform mit ausgewählten Gesprächspartnern längst etabliert. Jetzt soll Instant Messaging verstärkt im Business-Sektor Einzug halten.

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Wie populär Instant Messaging (IM) als Breitenanwendung bereits ist, verdeutlichen die Zahlen von Nielsen NetRatings vom Dezember vergangenen Jahres: Demnach greifen inzwischen 72% aller amerikanischen Online-Nutzer auf Internet-Applikationen zurück, zu denen - neben einschlägigen P2P-Filesharing Anwendungen – vor allem auch IM-Lösungen zählen. Dominiert wird dieser Markt von AOL (einschließlich des übernommenen ICQ-Dienstes), auf den Plätzen folgen MSN und Yahoo. So verzeichnete AOL allein im November 2002 mehr als 27,8 Millionen IM-Nutzer, bei Microsoft waren es 22,7 Millionen Zugriffe und beim Portalbetreiber Yahoo immerhin noch 15,6 Millionen ‚unique visitors’.

Während es sich bislang in überwiegendem Maße jedoch um Privatnutzung handelte, rüsten sich die Wettbewerber nunmehr zunehmend in Richtung Business-Anwendung. AOL hatte sich bereits im September 2002 das Patent auf die Methoden von Instant Messaging Systemen gesichert und ist damit der alleinige Rechteinhaber für ein Verfahren, mit dem sich feststellen lässt, welche Anwender gerade online sind. Möglich wurde die Patentierung durch die 1998 erfolgte Übernahme der israelischen Internetfirma Mirabilis (ICQ). Die Wettbewerber werden sich dadurch über kurz oder lang auf die Entrichtung von Lizenzgebühren einstellen müssen.

Doch AOL will mehr: So hat man sich im Januar mit Hewlett Packard darüber verständigt, die Enterprise AIM Services in die Produktpalette für das Global Messaging zu integrieren. HP wiederum will IM-Anwendungen für Business Kunden entwickeln und Unternehmen dabei unterstützen, diese Dienste an den eigenen Bedarf anzupassen. Hier soll dann das AIM Enterprise Gateway für die Datenübermittlung zum Einsatz kommen.

Ganz allein steht AOL mit diesem Ansatz freilich nicht dar: So hat Microsoft mit dem MSN Messenger Connect bereits seit November den Kampf um die begehrten Business-Kunden aufgenommen und auch Yahoo hat eine entsprechende eigene Lösung in Aussicht gestellt.

Die Bedeutung von Instant Messaging wird - wie ja auch das Beispiel HP belegt - inzwischen längst nicht nur von den Lösungsanbietern proklamiert. So hat jetzt auch IBM im Rahmen seiner Partner World Conference in New Orleans eine IM-Applikation für iSeries-Kunden und Business-Partner präsentiert. Nutzer werden hierbei an ein Knowledge-Netzwerk angebunden und haben die Möglichkeit sich mit ihren speziellen Fragen an unterschiedliche Communities und Kanäle zu wenden. Qualifizierte Antworten wiederum werden seitens IBMs in eine Datenbank aufgenommen und in den FAQ publiziert. Antwortwillige werden dabei über ein Scoring-System zusätzlich motiviert und erhalten ihre Punkte zum einen vom Fragesteller, zum anderen für Publikationen in den FAQs. Laut Judy Warren, Senior Software Engineer bei IBM, wird dies dazu führen, dass sich die Nutzer extrem anstrengen werden, um in die Top 10 der Liste zu kommen. Auch wenn als Belohnung lediglich ein T-Shirt winkt, so dürften die meisten Nutzer auf ihr eigenes Wissen stolz sein und dieses dann auch publizieren. Auch Polls, Instant Web-Präsentationen und Knowledge Base Search lassen sich über die Lösung realisieren. Für Unternehmen könnte sich dieses Projekt als ‚lebendes Wissensdepot’ erweisen, wobei es auch auf eher diskrete oder doppeldeutige Fragen Antworten liefert, wie Michael Osterman, Präsident von Osterman Research annimmt. Die Überführung der Lösung aus einer 18 Monate dauernden Testphase in den Alltagsbetrieb stellt für IBM möglicherweise aber noch eine gewisse Herausforderung dar.

Zusammenfassend lässt sich festhalten: IM wird auch im Business-Betrieb zunächst einmal in erster Linie ein Instrument zum schnellen Austausch zweier Partner bleiben, wobei die Zielrichtung inzwischen stärker in Richtung Wissensaustausch und -management tendiert. Der Erfolg wird jedoch in starkem Maße davon abhängen, in welchem Umfang das Internet künftig tatsächlich vollständigen Einzug in den Arbeitsalltag der Unternehmen findet.

Autor: Ralf Koyro

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