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Spam: Kein Ende in Sicht
28.05.2003 | Artikel drucken | Artikel empfehlen

Jetzt muss Schluss sein mit dem Spam. Es reicht. Was zuviel ist, ist zuviel… So ist im Moment die Stimmung, wenn es um die unerwünschten Werbe-eMails geht. Dass also jedermann etwas gegen Spam tut oder tun will, gehört fast zum guten Ton. Aber kann man der Flut wirklich Einhalt gebieten?

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In Deutschland setzt man zunächst auf probate Mittel: An einem runden Tisch sollen Maßnahmen gegen die 500 Millionen Spam-Mails getroffen werden, die hier in jeder Woche durch das Netz fließen. Der eco-Verband will diesen Treffpunkt für eine Anti-Spam Task Force organisieren, damit die Internet Service Provider die Grundlage für ein gemeinsames weiteres Vorgehen festlegen können. Man geht davon aus, dass sich 90 Prozent der Werbemails allein durch technische Filter abblocken lassen. Schwarze Listen, inhaltsbasierte Filter und besserer Schutz der Mailserver gegen Missbrauch stehen auf der Tagesordnung des eco.

Dass damit nicht alle Probleme von heute auf morgen lösbar sind, weiß auch eco-Geschäftsführer Harald Summa und betont: “Das Ärgernis Spam wird sich leider nicht kurzfristig in Luft auflösen.“ Schließlich könnten diese Maßnahmen nur im deutschen Netz die Spamflut eindämmen, die Ursachenbekämpfung müsse vor allem in den USA erfolgen, denn von dort aus werde über die Hälfte der Mails versendet. Man hoffe darauf, dass auch die amerikanische Gesetzgebung bei der Spam-Abwehr wirksame Unterstützung leisten werde. Immerhin kommt die Federal Trade Kommission nach einer Analyse von elf Milliarden Spam-Mails zu dem Ergebnis, dass 90 Prozent fragwürdige Inhalte enthalten, etwa zwei Drittel dem Empfänger keine Möglichkeit einräumen, die unerwünschte Zustellung zu unterbinden und ein Drittel von gefälschten Absenderadressen stammt.

Was in Deutschland der runde Tisch ist in den USA das Hearing. Aktuell fand eine Anhörung zum Thema Spam in dieser Woche beim Senats-Komitee für Wirtschaft, Wissenschaft und Technologie statt. Eine ganze Reihe von Vorschlägen wurde diskutiert. Ein „Trusted Seal“ Programm könnte zum Beispiel nach Einschätzung von Bill Gates weiterhelfen. Im Kern geht es dabei darum, die Versender zu ihrer akkuraten Identifizierung und der Einhaltung von noch näher zu bestimmenden „Guidelines“ zu verpflichten. Der CEO von Symantec dagegen legt mehr Betonung auf Anti-Spam-Technologie und eine Verschärfung der bestehenden Gesetze. In den Augen des ebenfalls eingeladenen, weithin berühmt-berüchtigten Ronald Scelson sind das alles aber vergebliche Anstrengungen. Er versendet nach eigenen Angaben zwischen 120 und 180 Millionen Nachrichten täglich und lässt sich auch durch neuste Technologien nicht abschrecken: Nicht mehr als 24 Stunden werde es dauern, bis er einen Weg gefunden habe, die vorgestellten Filter zu umgehen, konterte er nach der Präsentation von Brightmail Chef Enrique Salem.

Wenn auch die meisten Kommissionen noch unterschiedliche Herangehensweisen diskutieren und um den richtigen Weg ringen müssen, gibt es doch eine Ausnahme. Derzeit werden große Hoffnungen auf die Arbeit der Anti-Spam Research Group (ASRG) gesetzt. Zwar sind auch hier die Stichworte auf den ersten Blick nicht neu, man setzt unter anderem auf die Entwicklung von „Trusted sender“- und „Authentication“-Technologien, die die Identifizierung der Absender erleichtern sollen. In einem Punkt allerdings unterscheidet sich der ASRG-Ansatz radikal von anderen Vorgehensweisen. Man versucht hier, von vorn herein dem größten Problem der Spam-Debatte aus dem Weg zu gehen: Die Frage danach, wer eigentlich festlegt, welche Nachricht Spam ist und welche nicht, wird ausgeklammert. Das erspart viele Kontroversen und ermöglicht die Konzentration auf das Problem. Denn eigentlich geht es doch darum, dass eMail-Administratoren und Endnutzer endlich selbst darüber bestimmen können, welche Nachrichten sie empfangen möchten und welche nicht. Auch für Unternehmen ist das häufig eine wesentliche Frage. Denn was dem einen wie Spam erscheint, ist für den anderen möglicherweise eine potentiell millionenschwere Kundenanfrage.

Nicht nur als Anekdote am Rande, sondern durchaus ernsthaft wird in den USA noch eine andere Möglichkeit diskutiert, wie sich die Menge von unerwünschter eMail sehr schnell reduzieren ließe. Man müsse doch lediglich eine kleine Gebühr pro versendeter eMail erheben, so Senator Mark Dayton. Gerade so hoch solle sie sein, dass sie für Unternehmen und private Nutzer beim Austausch von eMail tragbar sei, aber beim Massenversand kräftig zu Buche schlage. Diese Strategie kommt uns hier in Deutschland ziemlich bekannt vor: eine kleine eMail-Steuer könnte doch viele Probleme lösen …

Über Anregungen und Kritik freut sich Monika Gatzke

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