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Wer braucht schon innovative Logistik-Lösungen?
03.09.2003 | Artikel drucken | Artikel empfehlen

Als das Internet noch brummte, wollte sie jeder. Heute gibt es sie, aber niemand scheint sie mehr zu brauchen. Die Rede ist von dezentralen, automatisierten Pick-Up-Stationen, die ein bequemes Abholen zuvor bestellter Waren außerhalb von festgelegten Geschäftszeiten ermöglichen. Revolution oder Rohrkrepierer? Ein Statusbericht.

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Vor etwa zwei Jahren standen innovative Logistik-Lösungen für die so genannte „Letzte Meile“ ganz weit oben auf der eBusiness-Agenda. Inzwischen ist es um diese Lösungen, die sich anschickten, den Paket-Boten perspektivisch überflüssig zu machen, wieder deutlich ruhiger geworden. Dabei ist die dahinter stehende Geschäftsidee durchaus einleuchtend: Pakete werden in der Regel zu normalen Arbeitszeiten zugestellt. Doch verständlicherweise trifft der Zusteller dann häufig den zumeist berufstätigen Empfänger gar nicht an und hinterlässt – wie im Falle der Deutschen Post – die klassische (orange) Mitteilungskarte. Diese ermöglicht dann die Abholung der Sendung an den darauf folgenden Werktagen zu den bekannten – wenig arbeitnehmerfreundlichen – Öffnungszeiten. Was liegt also näher, als die Pakete gleich an eine 24h geöffnete zentrale Sammelstelle zu hinterlegen, wo diese vom Empfänger direkt abgeholt werden können?

Viele Online-Shopper kennen die oben beschriebene Problematik und äußern bereitwillig ihren Unmut über diese wenig kundenorientierte Liefersituation. Doch davon, dass den mittlerweile vorhandenen Lieferalternativen daraufhin Tür und Tor eingerannt werde, kann beileibe keine Rede sein. Ganz im Gegenteil: Die meisten dezentralen Pick-Up-Stationen scheinen dermaßen dezentral zu sein, dass kaum ein Kunde tatsächlich den Weg zu ihnen findet. So ist es zumindest um Lösungen wie ShoppingBox oder DropBox24, die beide nun von der NewLogix AG übernommen bzw. vermarktet werden, inzwischen verdächtig ruhig geworden. Allzu viele Standorte weist die Website der ShoppingBox jedenfalls nicht auf. Vielleicht liegt es ja auch daran, dass vom Kunden eine monatliche Benutzungsgebühr von 2,50 Euro verlangt wird und dieser bei der momentanen „Standortauswahl“ der Lösungen noch gut auf eine solche Investition verzichten kann.

Seit dem 13. März 2003 steht im Dortmunder Technologiepark der erste Tower24 als automatische Abholstelle für Pakete den Kunden zur Verfügung. Tower24 ist ein geschlossenes Hochregallager, in dem Transportdienstleister die Ware deponieren und die Adressaten ihre Artikel abholen können. Der Kunde muss sich für die Nutzung des Tower24 einmalig kostenlos registrieren und erhält dann eine individuelle Kundennummer und ein Passwort, mit dessen Hilfe er die bestellten Waren wieder auslösen kann. Derzeit mangelt es jedoch hier vor allem noch an Kooperationspartnern. Bis dato haben sich lediglich der Dortmunder Lebensmittelhändler „Konze Home Service, sowie der Logistiker Hermes und der Otto-Konzern als Partner gefunden. Offenbar zu wenig für die meisten potentiellen Interessenten, denn der Tower scheint gegenwärtig kaum von allzu großem Ansturm bedroht.

Möglicherweise liegt dieses ja auch daran, dass in nur einigen hundert Metern Entfernung eine PackStation der Deutschen Post platziert ist. Auch hier ist die Nutzung für die Abholer momentan kostenlos und der Kunde bekommt nach der Registrierung eine Magnetkarte und Geheimzahl geliefert. Hiermit lässt sich dann die – egal wo – bestellte und von der Deutschen Post manuell eingelagerte Ware wieder auslösen. Inzwischen hat man den Pilotbetrieb in Dortmund, Mainz, Frankfurt, Offenbach und Bad Vilbel nach eigenen Angaben erfolgreich abgeschlossen und beabsichtigt ab Frühjahr 2004 den Service auch in Ballungszentren wie München, Köln, Berlin und Hamburg anzubieten. Immerhin kann man für die ersten 15 Monate auf mehr als 55.000 Kunden verweisen, die zur Abholung oder Abgabe von Paketen den Weg zu einem der 90 aufgestellten Automaten gefunden haben.

Eine der neuesten Logistik-Lösungen auf dem Markt stellt Mobile Markets dar. Wiederum unter Beteiligung des Fraunhofer Instituts für Infrastruktursysteme handelt es sich hierbei um ein Joint Venture mit dem Dresdner Online-Lebensmittelmarkt doit24. Die in einem PKW-Anhänger untergebrachte Pick-Up-Lösung ist flexibel und autark einsetzbar: weder ein Internet- noch ein Stromanschluss werden benötigt. Vor allem in ländlichen und strukturschwachen Gebieten - aber auch in der Nähe von Großunternehmen - soll der vollautomatische Mobile Market als Supermarktersatz zum Einsatz kommen. Der Terminal selbst wird interessierten Gemeinden, Einrichtungen und Unternehmen kostenlos zur Verfügung gestellt, sofern sie im Gegensatz dazu eine ausreichende Auslastung gewährleisten. Aber genau an diesem Punkt – nämlich der mangelhaften Auslastung - sind bis dato die meisten Pick-Up-Lösungen mehr oder minder schnell gescheitet. So darf man gespannt sein, wie die weitere Entwicklung in Sachen ‚letzter Meile’ vonstatten geht.

Allen, die vor der Vision des Anbieters NewLogix, wonach unser Stadt- und Straßenbild künftig von zahllosen Pick-up Points dominiert werden wird, eher verängstigt zurückschrecken, sei versichert: Es ist noch nicht an der Zeit, sich ernsthaft Sorgen machen zu müssen.

Autor: Matthias Robben

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