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Spam: Darf es ein wenig mehr sein?
17.09.2003 | Artikel drucken | Artikel empfehlen

Die Flut unerwünschter und oft zwielichtiger eMails scheint unaufhaltbar. Sie erinnert an das sprichwörtliche Katz-und-Maus-Spiel: Sobald neue Filtermethoden greifen, fühlen sich die Versender nur umso mehr dazu animiert, andere Schlupflöcher ausfindig zu machen. In den USA will man nun sogar Spammer dafür bezahlen, dass sie ihre Botschaften nicht mehr verschicken ...

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Die Produktivitätsverluste durch Spam sind enorm: So geht eine aktuelle Untersuchung der Marktforscher von IDC davon aus, dass der durchschnittliche Zeitaufwand für Identifizierung und Löschung einer Spam-Mail sowie die Wiederaufnahme der Arbeit 10 Sekunden dauert. Dies erscheint zwar auf den ersten Blick als sehr wenig, doch auch hier macht es vor allem die Masse. Vor allem vor dem Hintergrund, dass das Volumen der verschickten Spam-Mails in nächster Zeit noch weiter ansteigen wird und die sekundären Kosten, wie z.B. zusätzlicher Speicherbedarf für nicht gelöschte Spam-Mails, von Unternehmen häufig nicht berücksichtigt werden. In Zahlen ausgedrückt, ergibt sich so schon ein unerfreuliches Bild: So wurden im Mai dieses Jahres erstmals mehr Spam-eMails als reguläre eMails registriert. 55.1% der von MessageLabs, einem Anbieter von eMail-Sicherheits-Lösungen, registrierten eMails waren Spam. Der Produktivitätsverlust durch Spam betrug laut EU-Kommission 2002 für EU-Unternehmen etwa 2,5 Milliarden Euro. Und ein Blick in das eigene Mail-Postfach dürfte ausreichen, um abschätzen zu können, dass es in diesem Jahr noch einige Euro mehr sein werden.

Vor allem die Versendung von Spam mit gefälschten Absenderadressen scheint in den letzten Wochen in Mode zu kommen. Dieses ist nicht nur für die Empfänger lästig, sondern auch für die vermeintlichen Absender, da diese oft den Unmut der verärgerten Empfänger direkt zu spüren bekommen. Dass sich zunehmend mehr Spam-Empfänger beim Provider über die ungewünschten Mails beklagen, verdeutlicht auch eine aktuelle Zahl von AOL: Demnach gehen beim Provider täglich vier Millionen Beschwerden über Spam-Mails ein.

Besonders ärgerlich kann dieses Vorgehen für Unternehmen werden, wenn sich massenhaft Verbraucher über Müll-Mails ärgern, die sie fälschlicherweise mit der Firma in Verbindung bringen. Dadurch drohen schwerwiegende Image-Verluste. So auch jüngst beim Paketdienst UPS. Im diesem Fall haben die Spam-Versender als Absender die allseits bekannte Adresse des Paketdienstes angegeben. Dadurch sollten einerseits Mail-Filter umgangen und andererseits die „Öffnungsquote“ erhöht werden. Wie nicht anders zu erwarten, hagelte es nur so an Beschwerdemails der verwunderten Empfänger in Richtung UPS. Zwar hat das Unternehmen gleich mehrere Klagen beim District Court in Atlanta eingereicht, doch die Erfolgsausichten scheinen zweifelhaft.

Die echten Absender der Spam-Mails sind nur schwer zu ermitteln und wenn man doch erfolgreich war, so führt die Spur des Absenders häufig in ein Land bzw. einen Inselstaat, indem man mit der eigenen Rechtsprechung nicht weiter kommt.

Eine schier unglaubliche Methode der Spam-Vermeidung kommt jetzt aus den USA. Dort verspricht Global Removal für 5 US$ pro eMail-Adresse die Entfernung aus den meisten Spam-Verteilern. Besonders kurios dabei: Nach dem Prinzip der aus amerikanischen Mafiafilmen bekannten Schutzgeldpraktiken werden die Spammer dafür bezahlt, die entsprechenden Adressen aus ihren Listen zu entfernen. Und als wäre dieses Vorgehen nicht schon dreist genug, wirbt das Unternehmen gleichzeitig auf der Website für das eigene Affiliate, das pro Neukunden - auch per Massen-Mail geködert - 1 US$ verspricht…

Autor: Matthias Robben

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