Während die Gesamtbranche anlässlich der Frankfurter Buchmesse über sinkende Umsätze klagt, strahlen die Gesichter der Online-Buchhändler. Profite sowie zweistellige Wachstumsraten prägen inzwischen den Markt und bescheren der Branche im harten Verteilungsstreit ein immer größeres Stück vom Kuchen.
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Der Buchmarkt schwächelt: Bis Ende August sind die Umsätze hierzulande um fast fünf Prozent (4,9%) im Vergleich zum Vorjahr eingebrochen. Nun setzt der Börsenverein des Deutschen Buchhandels für das Jahresendgeschäft nicht nur auf eine schnelle konjunkturelle Erholung, sondern vor allem auch auf drei ganz wichtige Zugpferde: nämlich auf Harry Potter, Dieter Bohlen und den Online-Handel.
Letzterer konnte im Vergleich zum Vorjahr um stolze 52 Prozent zulegen und einen Umsatz von 438 Millionen Euro erzielen. Dies entspricht dann einem Anteil von 4,5 Prozent am Gesamtgeschäft. Dabei scheinen die Aussichten zumindest für die kommenden Jahre noch viel versprechender zu sein: So prognostizieren - laut Untersuchung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels - 84 Prozent der Verlage heute eine zunehmende Bedeutung des Internet-Buchhandels und lediglich 11 Prozent zeigen sich mit der derzeitigen Online-Situation unzufrieden.
In barer Münze ausgedrückt, zahlt sich der Online-Optimismus vor allem für die wenigen Großen der Branche aus: Mit mehr als 60 Prozent Marktanteil ist Amazon.de wenig überraschend der unangefochtene Marktführer unter den Online-Buchhändlern. Aber auch Buch.de konnte durch die Übernahme von bol.de und seinen guten Kontakten zum stationären Handel beeindruckende Umsatzzuwächse verzeichnen. Darüber hinaus konnte auch der Weltbild Verlag mit seinen Beteiligungen an Booxtra und damit auch an der Marke Buecher.de starke Zuwächse verzeichnen. Das Heer der kleineren Online-Händler erzielt jedoch nur geringe Umsätze.
Seines größten Vorteils gegenüber dem Internet, scheint sich der stationäre Buchhandel indes gegenwärtig selbst zu berauben: Wie Klaus Driewer, Geschäftsführer des Weltbild-Verlages, gegenüber der FAZ zu bedenken gibt, profitiert das Internet-Geschäft momentan stark vom Zwang zur Kostensenkung im klassischen Handel. Personaleinsparungen führen hier schnell zu einer geringeren Beratungskompetenz und damit zum Verlust eines wichtigen Kaufarguments für die Kunden. Gleichzeitig steigt die Zahl der Internet-Nutzer insgesamt nach wie vor stark an.
Ebenfalls zurück in den Schlagzeilen ist die gute alte Buchpreisbindung. Im aktuellen Streitfall geht es um den Bertelsmann Buchclub, der den Buchhandel mit einer drei Euro günstigeren Ausgabe des Bohlen-Machwerks „Hinter den Kulissen“ auf die Barrikaden gebracht hat. Einen ganz anderen Weg zur ‚eleganten’ Umschiffung der nur bedingt geliebten Preisregulierung für den Buchhandel beschreiten eine Reihe kleinerer Händler: Sie verkaufen aktuelle Publikationen unter Ladenpreis als einwandfreie „Gebrauchtwaren“ über die Marktplatzangebote von Amazon und eBay und umgehen so die Buchpreisbindung. Und dass das Geschäft mit der Literatur auch über eBay mitunter offenbar glänzend floriert, belegt wiederum ein Blick auf das aktuelle ‚Dieter-Diary’: Rund 30.000 Bohlen-Exemplare warten beim Auktionshaus momentan auf neue Besitzer.
Aber auch für „echte Gebrauchte“ Bücher existiert im Netz ein Erfolgsbeispiel. Abebooks bietet mehr als 45 Millionen antiquarische, vergriffene und gebrauchte Bücher von rund 11.000 Buchanbietern aus 42 Ländern an. Und wie für die wirklich Großen der Branche beinahe selbstverständlich, arbeitet auch der weltweit größte Marktplatz für gebrauchte Bücher längst profitabel.
Autor: Matthias Robben
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