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eBay fährt auf Autos ab
26.11.2003 | Artikel drucken | Artikel empfehlen

Der Appetit kommt bekanntlich beim Essen. Und so verwundert es kaum, dass das Online-Auktionshaus die jährlich erzielten Rekordumsätze mit neuen Wachstumsprognosen quittiert. Vor allem vom Geschäft mit vier Rädern verspricht man sich hierbei wertvolle Impulse.

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Der Erfolg von eBay nimmt inzwischen schon beinahe gespenstische Züge an: So wurden die europäischen eBay-Sites allein im September 2003 von mehr als 22 Millionen Nutzern besucht, womit das Auktionshaus gleichzeitig das mit Abstand meistbesuchte eCommerce-Angebot des alten Kontinents ist. Für Deutschland verweist das Unternehmen heute auf 11,4 Millionen registrierte Nutzer, von denen wiederum drei Viertel in den vergangenen zwölf Monaten auch aktiv Handel betrieben haben. Beinahe im Jahresrhythmus knackt man neue Milliarden-US$ Schallmauern, so dass eBay heute berechtigte Hoffnungen äußern darf, im Jahre seines 10-jährigen Bestehens 2005 einen Umsatz von mehr als drei Milliarden US$ aufweisen zu können. Die Umsätze für das aktuellen Geschäftsjahr werden sich auf voraussichtlich 2,1 Milliarden US$ belaufen. Mögen diese Zahlen alleine bereits recht beeindruckend klingen, spiegeln sie doch nur zu einem verschwindend geringen Teil die Visionen wieder, die vor allem professionelle Investoren heute mit dem Namen eBay verbinden: So erreicht das Unternehmen gegenwärtig eine Marktkapitalisierung von gut 30 Milliarden Euro und ist damit im Vergleich genauso „schwer“ wie Volkwagen, ThyssenKrupp und die Deutsche Lufthansa zusammen.

Die Hoffnung schier grenzenlosen Wachstums rührt wohl vor allem daher, dass die lukrativen internationalen Märkte bis dato noch gar nicht ausgereizt sind. Allein eBay Europe hat nach Einschätzung von Präsident und CEO Meg Whitman durchaus das Potential, ein dem US-Markt vergleichbares Handelsvolumen zu erzielen. Maßgeblichen Anteil daran haben wiederum die beiden internationalen Top-Sites: eBay Deutschland und eBay UK. Eine wichtige Rolle für die weitere Geschäftsentwicklung soll der Automobilsparte zukommen, die in den USA allein für 4,2 Milliarden US$ Transaktionsvolumen gut ist. In Deutschland bilanziert eBay für das dritte Quartal dieses Jahres gerade einmal 276 Millionen US$. Aber auch damit habe man das vergleichbare Vorjahresergebnis bereits verdoppelt.

Und die Chancen für einen Aufschwung dieser Sparte scheinen tatsächlich gar nicht einmal so schlecht zu stehen. Denn, wie in vielen anderen Bereichen auch, kann sich eBay der Unterstützung ebenso renommierter wie potenter Partner sicher sein: So begann zunächst Audi vor geraumer Zeit damit, Fahrzeuge aus dem B2B-Segment sowie Sonderfahrzeuge über das Auktionsportal zu vertreiben und mit Quelle schickt sich nun das nächste große Unternehmen an, hier öffentlichkeitswirksam Fahrzeuge zu vertreiben. So kündigt das Unternehmen für heute (18.00 Uhr) die Einstellung mehrerer Fahrzeugauktionen auf eBay zum Startpreis von jeweils einem Euro an. Nicht minder publicityträchtig verlief eine Auktion in den USA, bei der Verkäufer John Reznikoff ein - für nach eigenen Angaben mit 100.000 US$ - restaurierten Oldtimer zu einem Startpreis von einer Million US$ einstellte. Das Besondere: Bei dem weißen Lincoln Continental Convertible (Baujahr 1963) handelte es sich um das Fahrzeug, aus dem der ehemalige US-Präsident John F. Kennedy am Tage seiner Ermordung letztmalig lebend aussteigen konnte. Für die erst kürzlich zu Ende gegangene Auktion, die weltweit mediales Interesse erntete, ging tatsächlich ein Gebot ein.

Wie gelassen der Wettbewerb hierzulande den Aktivitäten eBays entgegen blicken kann, bleibt offen. Der Marktbeobachter und Fachhochschulprofessor Ferdinand Dudenhöffer hegt laut einem Beitrag der FAZ.net Zweifel an den Erfolgsaussichten des Auktionsportals in diesem Bereich. Für ihn gehört die vorherige Inaugenscheinnahme eines Fahrzeugs zu den Kernelementen eines erfolgreichen Handels und das könne bei einem Online-Kauf so eben nicht geboten werden. Gerade dadurch, dass sich Anbieter wie mobile.de oder autoscout24.de auf die reine Geschäftsanbahnung zurückzögen, wären sie an dieser Stelle im Vorteil. Die Zahlen von eBayMotors aus den USA indes scheinen zumindest auch eine andere Schlussfolgerung zuzulassen.

Autor: Ralf Koyro

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