Wie geht man mit den unliebsamen Massenmails am besten um? Verbote haben bis dato wenig Wirkung gezeigt und scheinen nur noch mehr zwielichtige Akteure anzulocken. Frei nach dem Ganoven-Motto: Was verboten ist, muss sich lohnen.
Anzeige
So warnt der bekannte russische Sicherheitsexperte Eugene Kaspersky in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin Focus davor, dass das organisierte Verbrechen verstärkt im Internet tätig werden könnte. Vor allem das gestiegene Medieninteresse am Thema und die in vielen Staaten verabschiedeten Anti-Spam-Gesetze würden viele Trickbetrüger auf den Plan locken. Die ebenso simple wie überzeugende Schlussfolgerung dieser Klientel: Selbst wenn die Öffnungsquoten von Spam-Mails inzwischen gegen Null tendieren, ist die Aussendungsflut bis dato kaum abgeebbt. Ergo muss sich das Versenden also rentieren!
Und dass es hier nicht mehr nur um Peanuts geht, zeigen auch die aktuellen Ergebnisse des Online-Dienstes AOL. Dieser hat im vergangenen Jahr die stolze Summe von 500 Milliarden Spam-Mails blockiert und aus dem Verkehr gezogen. Auf die Kundenzahlen von AOL umgerechnet bedeutet dies, dass die Filtersoftware – die sicher nicht alle Werbemails erkennt – jedes Postfach um ca. 15.000 Botschaften erleichterte. Damit werden vom Online-Dienst 75-80 Prozent aller eingehenden eMails inzwischen als Spam gekennzeichnet.
Wenig Überraschendes erbrachte die Auswertung der Betreff-Zeilen: Demnach dominieren Potenzmittel bzw. Medikamente wie Viagra, Xanax, Valium und Co. die Top 10 Hitliste unerwünschter eMails. Auf den weiteren Plätzen folgen „Online pharmacy“, „Get out of debt“ und „Get bigger“ in den unterschiedlichsten Schreibweisen. Dabei wird es – nicht zuletzt aufgrund dieser unterschiedlichen „Darstellungsweisen“ sowie „gekidnappter“ Absenderadressen – nicht gerade einfacher Spam bereits im Vorfeld zu identifizieren. AOL lobt in diesem Zusammenhang die eigenen Kunden, die mittels „Report Spam“ Button (in Deutschland „AOL benachrichtigen“) helfen, das System weiter zu verbessern. Dies führt dann dazu, dass an einem einzigen Tag schon mal mehr als 20 Millionen Spam-Mails dem „AOL Postmaster Team“ gemeldet werden. Als größte Herausforderung bezeichnet Charles Stiles, Chef des AOL Postmaster-Teams, den Kampf gegen die skrupellosen Spammer, die mit Hilfe von Trojaner-Mails fremde Rechner übernehmen und von dort aus ihren Spam verbreiten. Eine besonders hinterhältige Methode, die zudem den ahnungslosen Besitzern viel Ärger einbringen kann. Auch Sicherheitsexperte Kaspersky sieht in dieser Methode eine große Gefahr, denn Trojaner könnten auch zum Ausspähen von sensiblen persönlichen Daten wie z.B. Kreditkartennummern genutzt werden.
Die inzwischen vielfach verabschiedeten Anti-Spam-Gesetzte gehen vielen Aktivisten nicht weit genug. So wird z.B. der in den USA geltende „Controlling the Assault of Non-Solicited Pornography and Marketing Act of 2003“ dahingehend kritisiert, dass das Versenden von Spam erlaubt bleibt, wenn sich die Werber an einige Spielregeln halten und ihre eMails eindeutig kennzeichnen. Wer jedoch in der Absenderzeile falsche Angaben macht, muss mit einer Haftstrafe von fünf Jahren und Geldstrafen von bis zu sechs Millionen US-Dollar rechnen. Das größte Problem in diesem Zusammenhang bleibt jedoch, dass die tatsächlichen Absender in der Regel nur schwer zu ermitteln sind und oft aus Ländern heraus agieren, in denen sie strafrechtlich nicht verfolgt werden können. Einzig die Einreise in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten sollten sich diese Personen genau überlegen, schließlich bezieht sich das oben genannte US-Gesetz auch auf eMails, die aus dem Ausland in die USA geschickt werden.
Autor: Matthias Robben
Über Anregungen und Kritik freut sich die Redaktion