Dass sich die beste aller Welten im Internet befindet, ist für viele Nutzer vermutlich ohnehin unstrittig. Einige, wenige Mausklicks genügen, um dem tristen Alltag zu entfliehen und sich als erfolgreicher Fußball-Manager, Heeresführer etc. feiern zu lassen. Und dafür bezahlt man dann doch auch gerne einige Euro - oder?
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Irgendwie scheint es ja grundsätzlich nicht zusammen zu passen: Während die meisten kostenpflichtigen Content-Anbieter immer noch schwer damit zu tun haben, ihre potentiellen Kunden vom geldwerten Nutzen ihrer Services zu überzeugen, rennt man einer einzelnen Gattung dieser Spezies sprichwörtlich „die Bude“ ein. Die Rede ist von den so genannten virtuellen Rollenspielen, in denen Nutzer ganz nach Belieben in die Welt des Sports, des Altertums, der Musik oder auch gänzlich neuer Galaxien eintauchen können. Und für diese Fluchten aus der Alltagswelt sind die Nutzer offenbar auch durchaus bereit, angemessen zu bezahlen: So sollen auf diese Weise allein in diesem Jahr mehr als eine Milliarde US$ „verzockt“ werden.
Von wenigen Cent bis zu einigen Euro pro Monat reichen die immer öfter bereitwillig bezahlten Nutzungsgebühren für Online-Spiele. So verkündete das Sportinformationsportal Sport1 rechtzeitig zum Beginn der Bundesliga-Rückrunde den Start eines neuen Fußballmanager-Spiels namens „Fussball Boss“. Fünf Euro pro Monat verlangt Sport1 für die Nutzung des Spiels und liegt mit dieser Preisgestaltung durchaus im Rahmen. Dies verdeutlicht auch der bisherige Erfolg der kostenpflichtigen Angebote von Sport1. Immerhin konnte man in vergleichsweise kurzer Zeit bereits über 25.000 Mitspieler für seine diversen kostenpflichtigen Online-Spiele gewinnen.
Bereits etwas länger am Markt ist das schwedische Fußball-Managerspiel Hattrick. Im Basic-Modus wird dieses Spiel sogar kostenlos angeboten. Für etwas mehr Bedienkomfort werden dann etwa 20 Euro pro Jahr an „Supporter-Gebühren“ fällig. Ein Konzept, dass aufzugehen scheint, wenn man berücksichtigt, dass sich rund um den Globus inzwischen etwa 200.000 mehr oder minder ambitionierte „Hobby-Calmunds“ tummeln, um ihre virtuellen Mannschaften zu Aufstiegen, Meisterschaften und Pokalsiegen zu führen. Einem nicht unbeträchtlichen Teil der Spieler ist dieser Spaß inzwischen sogar so viel wert, dass er auch bereitwillig für die etwas komfortablere Spielvariante in die Tasche greift.
Über diese Spielerzahlen wird man bei Sony Online Entertainment jedoch nur müde lächeln können. Immerhin bringt es der Unterhaltungs-Konzern in dieser Sparte selbst weltweit auf mehr als 750.000 eingetragene Nutzer, von denen alleine mehr als 430.000 das Internet-Rollenspiel „Everquest“ spielen und beim Konzern für monatliche Nutzergebühren von rund 5 Millionen Euro sorgen.
Und so beeindruckend diese Wachstumsraten auch bereits sein mögen: das tatsächliche Potential ist wohl noch lange nicht ausgereizt. Einer Untersuchung der Marktforscher von Nielsen//Netratings aus dem vergangenen Jahr zufolge, ist Deutschland hierbei innerhalb Europas der größte Markt, gefolgt von Frankreich und den Niederlanden. Den Erfolg des Online-Gaming erklärt Tom Ewing, Internet Analyst bei Nielsen//Netratings zum einen mit einer Verbesserung der Spieltechnologie, was zum Großteil auch auf die Konsolenhersteller zurückzuführen sei. Darüber hinaus spiele der Breitband-Boom eine wichtige Rolle: „Es ist bemerkenswert, dass Frankreich und die Niederlande - zwei der Top-3-Länder gemessen an der Verbreitung von Breitbandzugängen - ebenfalls im Sektor Online-Gaming eine herausragende Bedeutung haben. Das Wachstum des Online-Gaming-Sektors ist das erste Anzeichen dafür, dass der lang erwartete Breitband-Boom in Europa bereits begonnen hat."
Geradezu explodieren dürfte in den kommenden Jahren wohl auch der Markt für Mobile Gaming. So gehen die Marktforscher von Frost & Sullivan davon aus, dass sich die Umsätze auf dem Europamarkt von 720 Millionen Euro im vergangenen Jahr auf knapp 6,3 Milliarden Euro im Jahre 2006 fast verzehnfachen. Möglich wird dies durch die Erweiterung der Absatzkanäle, die zunehmende Bekanntheit mobiler Spiele sowie die fortschreitende Vereinfachung des Herunterladens und Bezahlens mit dem Handy.
In Anlehnung an den olympischen Kodex bleibt da abschließend wohl nur noch festzuhalten: Mögen die Spiel beginnen… ;-)
Autor: Matthias Robben
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