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RFID braucht Zeit
31.03.2004 | Artikel drucken | Artikel empfehlen

Auch bei Wal-Mart hakt es manchmal: Der Stichtag für die Einführung der neuen Technik wurde verschoben. In der Theorie liegen die Vorteile auf der Hand. In der Praxis steht die Umsetzung anspruchsvoller RFID-Konzepte immer wieder vor Schwierigkeiten.

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Vielleicht war das Datum schlecht gewählt: Am 1. April sollte es bei Wal-Mart soweit sein. Die ersten Pakete der Pharma-Zulieferer wären dann mit RFID-Chips ausgestattet im Distributionszentrum in Arkansas eingetroffen. Aber offensichtlich haben nicht alle beteiligten Unternehmen den ehrgeizigen Zeitplan einhalten können. Wer von den Verdächtigen nun tatsächlich zu den „Versagern“ gehört, wurde nicht bekannt gegeben. Schließlich will man nun bis zum 1. Juni - oder später - alle im Boot haben, so die offizielle Verlautbarung von Unternehmenssprecher Gus Whitcomb.

Ob diese Verschiebung ein Einzelfall bleibt oder den Beginn einer Serie von Pannen markiert, diskutieren die Experten jetzt natürlich gern. Mit einem Misserfolg sei zu rechnen gewesen, lauten viele Kommentare. Für Enrico Camerinelli von der Meta Group ist die Sache klar: Die Wal-Mart Anordnung hatte seiner Einschätzung nach nur wenig Aussicht auf Erfolg, weil die Unterstützung für die Zulieferer ausgeblieben sei. Dementsprechend ließen wohl einige Zulieferer es in diesem Fall auf einen Warnschuss ankommen, so Camerinelli, weil sie nicht als Versuchskaninchen missbraucht werden wollten. Auch Michael Liard von der Venture Development Corporation geht davon aus, dass in Zukunft noch einige Korrekturen notwendig sein werden. Weder die Technologie sei ausgereift, noch seien Wal-Mart und die anderen Beteiligten ausreichend vorbereitet.

Vor diesem Hintergrund wagen sich die Experten von Forrester mit Zahlen an die Öffentlichkeit. Wenn die Analystin Christine Spivey Overby Recht behält, dann werden zur nächsten wichtigen Deadline Anfang 2005 nur 25 Prozent der dann „fälligen“ Zulieferer das Ziel erreichen. Und das nicht ohne Grund, denn die Kosten sind enorm. Ein durchschnittlicher Geschäftspartner von Wal-Mart muss nach ihren Berechnungen rund neun Mio. US$ aufwenden, um eine RFID-Implementation auf die Beine zu stellen und ein Jahr zu unterhalten. In der Konsequenz ergäbe sich für die meisten Zulieferer kurzfristig kein tragbares Geschäftsmodell, betont Spivey Overby.

Auch eine erste Untersuchung zu RFID-Projekten in Deutschland resultierte kürzlich in einer gemischten Bilanz. Große Handelsketten und Logistiker seien im Vorteil, Herstellern und Lieferanten des Handels drohten hohe Kosten, so Steffen Binder von Soreon Research. Insbesondere die Einführung von RFID bei Produzenten sei kritisch zu sehen. Da die derzeit noch um die 50 Eurocent pro Stück teuren Transponder im Produktionsprozess angebracht werden müssten, würden die Hersteller die Kosten tragen, während der Handel die Vorteile durch RFID habe.

So wird sich man sich also für die nächsten Monate auf weitere mit Nachdruck geführte Diskussionen einstellen können. Schließlich geht es darum, eine akzeptable Balance aus Kosten und Nutzen zu finden. Forrester Analystin Spivey Overby empfiehlt Wal-Mart vor diesem Hintergrund zunächst kleinere Ziele anzusteuern und das Produktspektrum einzugrenzen. Eine Beschränkung auf hochpreisige Waren würde die Zahl der betroffenen Zulieferer verkleinern und einen zeitlichen Spielraum für die anderen Akteure eröffnen, um noch bestehende technische Schwierigkeiten auszuräumen. Auf der anderen Seite gibt es nach Einschätzung von Spivey Overby auch bei den Zulieferern dringenden Handlungsbedarf. Sie sollten die kleine Atempause nutzen, um schnellstmöglich das notwendige Know-how auf- und auszubauen, und entsprechende Verantwortlichkeiten in den Unternehmen festlegen.

Für die privaten Verbraucher bleibt ebenfalls mehr Zeit. Bis in den normalen Einzelhandelsgeschäften die einzelnen Produkte mit RFID-Tags ausgezeichnet sind, wird es dauern. In den nächsten zwölf Monaten testet wohl nur ausschließlich Gilette das so genannten „Item-Tagging“. Und vielleicht sind im nächsten Jahr schon spezielle Handys verfügbar, an denen zum Beispiel Siemens arbeitet. Mit Hilfe der versprochenen Kombination aus RFID (Radio Frequency Identification)- und NFC (Nearfield Communication)-Technologie können wir dann möglicherweise ganz unauffällig herausfinden, wie teuer der Anzug des Kollegen war und wo er ihn gekauft hat.

Über Anregungen und Kritik freut sich Monika Gatzke

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