Das Funketikett (Radio Frequency Identification Transponder, RFID-Tag) tritt an, um Waren einen Datenschatten anzuheften und damit den Informationsfluss entlang der Wertschöpfungskette zu verbessern. In der Öffentlichkeit wird der RFID-Tag zumeist als Ersatz des Strichcodes auf Paletten und auf Einzelhandelswaren diskutiert. Doch die Anwendungsmöglichkeiten des RFID-Tags gehen weit darüber hinaus. Tatsächlich ist bereits heute die Spanne namhafter RFID-Anwender breit gefächert.
Verschiedene Groß- und Einzelhändler, die Konzernlogistik von Volkswagen aber auch die Wiener bzw. die vatikanische Bibliothek setzen auf RFID. Bis vor kurzem nähte die britische Handelskette Marks&Spencer RFID-Tags in ihre Kleidungsstücke ein. Ziel war es, innerhalb der Verkaufsräume die Lagerhaltung nach Konfektionsgröße und Farbe zu optimieren. Bis heute wacht im deutschen Metro Future Store Rheinberg RFID-Technologie über die Frische der angebotenen Lebensmittel und erhöht die Geschwindigkeit des Ausleseprozesses an der Kasse. Garantiert frische Ware und verkürzte Wartezeit steigern das Serviceniveau für den Kunden. Ein Pilotversuch der Konzernlogistik von VW fokussierte auf die Optimierung der Lagerhaltung. VW investierte EUR 550 Mio. und zeigte, dass RFID die Geschwindigkeit der Lagerabwicklung im Vergleich zum traditionellen Strichcode um das 20fache erhöht. RFID ermöglichte das Tracking von Lieferströmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Darüber hinaus reduzierten sich die Ersatzbeschaffung um zwei Fünftel und der Schwund um ein Drittel. Die Wiener Hauptbücherei investierte seit 2001 EUR 675.000 in RFID und versah 300.000 Medien mit Smart-Tags. Bislang nimmt die Hälfte aller Nutzer die Option wahr, beim Passieren einer Schleuse automatisch, schnell und bequem Bücher auszubuchen. Ähnlich wie die Wiener Hauptbücherei ging auch die vatikanische Bibliothek vor. Die katholische Kirche zeichnete 150.000 Bücher ihres öffentlichen Lesesaals in Rom mit RFID-Tags aus. Die auf dem Chip gespeicherten Daten zu Autor, Thema, Erscheinungsjahr sollen nun verhindern, dass Titel falsch eingestellt werden. Die Inventur der vatikanischen Bibliothek, die zuvor einen Monat beanspruchte, ist nun an einem halben Tag zu erledigen. Die Projekte im Handel, im Bibliothekswesen, der Logistik und der Event-Organisation offenbaren erhebliche Effizienzpotenziale. Gleichwohl weisen Praxistests darauf hin, dass die RFID-Technologie speziell auf den jeweiligen Prozess konfiguriert werden muss und nicht als preisgünstige Standardlösung zu haben ist.
Die durch RFID-Tags eröffnete Vision des Datenschattens stößt bei der Software zur Informationsverarbeitung an ihre Grenzen. Gefragt sind Softwarelösungen, die die riesigen Datenmassen, die die RFID-Tags sammeln, kanalisieren und der vorgesehenen Verwendung zuführen. Darüber hinaus verhindert besonders in Europa die beschränkte RFID-Sendeleistung die Verbreitung der Technologie. Erlauben die USA bei den RFID-Tags eine Sendeleistung von 2 Watt, gesteht die EU lediglich 0,5 Watt zu. Diese regulatorische Einschränkung fußt auf der abweichenden Einschätzung der Schädlichkeit elektromagnetischer Strahlung für den Menschen. Die Entscheidung Europas für eine eng beschränkte Sendeleistung geht auf die Ängste der Verbraucher ein, nimmt damit allerdings auch eine kürzere Funkreichweite und ein nachhaltig begrenztes Verbreitungspotenzial der RFID-Technologie in Kauf. Doch neben niedriger Sendeleistung, scharfen Elektrosmogrichtlinien und unzureichender Software stehen insbesondere in Deutschland auch die Datenschutzbestimmungen dem schnellen Erfolg der RFID-Chips noch im Weg. Verbraucherschutzverbände zeichnen das Schreckensbild des gläsernen Kunden und rufen teilweise dazu auf, durch handelsübliche Störsender die mögliche feingliedrige Datenerfassung zu verhindern. Wegen dieser schlechten Öffentlichkeit rückten bereits einige Unternehmen wieder von ihren Pilotversuchen mit RFID ab.
Insgesamt hängt der Erfolg von RFID im Massenmarkt zentral von der Entwicklung der Chip-Preise ab. Wenn der technische Fortschritt auch weiterhin im immensen Preisverfall der IT-Hardware mündet, hat die RFID-Technologie im Markt große Aussichten auf Erfolg, vorausgesetzt die Herausforderungen bei der Technologie sowie bei den rechtlichen Grundlagen sind lösbar und das Marketing kann den Privatkunden die Vorteile näher bringen. Allein im US-amerikanischen Einzelhandel dürfte der RFID-Markt mit der Umstellung auf die innovative Warenkennzeichnung von heute an bis 2010 um das 15fache auf EUR 2 Mrd. anwachsen. Im gleichen Zeitraum wird der Gesamtmarkt für RFID-Produkte in der EU-15 um etwa das 10fache auf EUR 4 Mrd. wachsen.
Die Entwicklung des Funketiketts profitiert von den erweiterten Einsatzmöglichkeiten der Elektrotechnik, die sich aus den immer kleineren Strukturen der elektronischen Bauelemente ergeben. Das Funketikett ist Ausdruck des Trends Effizienz. Dagegen hängt die Bewertung des Zusammenhangs zwischen der Einführung von RFID-Tags und dem erreichten Sicherheitsniveau in besonderem Maße vom Standpunkt des Betrachters ab. Verkäufer sehen im Funketikett die Chance für mehr Sicherheit, insbesondere beim Schutz ihrer Waren vor Diebstahl und vor Verlust. Dagegen verbinden einige Konsumenten mit der Vision des Datenschattens das Bild vom gläsernen Kunden und das Ende der Vertraulichkeit beim Einkauf.
Meist Gold, was glänzt
Die vielfältigen Produkt- und Prozessinnovationen der Informations- und Kommunikationstechnologie spiegeln die beiden bedeutenden Trends Effizienz und Sicherheit. Auch wenn bislang nicht alle technischen, ökonomischen und regulatorischen Hindernisse beseitigt sind, verfügen fast alle heute in der Öffentlichkeit hoch gehandelten IuK-Konzepte in diesem Jahrzehnt auch tatsächlich über erhebliches Verbreitungspotenzial. Die drei besonders aussichtsreichen IuK-Konzepte sind die Biometrie, die Open Source Software und das Funketikett. So verändert der Open Source Ansatz den Markt für kommerzielle Softwarelösungen grundsätzlich. Der Weltmarkt für biometrische Produkte wird zwischen 2002 und 2010 um das 40fache ansteigen. Der Gesamtmarkt für Funketikette wächst in Europa zwischen 2004 und 2010 um das 10fache. Gegenüber diesen extrem Erfolg versprechenden drei Outperformern werden die Chancen der immer wieder hoch gehandelten beiden IuK-Konzepte Internet-Telefonie und Grid Computing in der Öffentlichkeit überschätzt. So spricht insbesondere die Entgeltstrategie der traditionellen TK-Unternehmen gegen einen schnell durchschlagenden Erfolg der Internet-Telefonie im Massenmarkt. Beim Grid Computing sind es die engen Grenzen der Anwendungsgebiete, die den großen kommerziellen Erfolg unwahrscheinlich machen.
Die Durchdringung mit Informations- und Kommunikationstechnologien schreitet in allen Geschäftsbereichen ungehindert voran wenn auch seltener durch spektakuläre Schlagzeilen begleitet als noch vor wenigen Jahren. Die in der gesamten Ökonomie existierenden Bestrebungen nach mehr Sicherheit und verbesserter Effizienz bauen zwangsläufig auf neue Informations- und Kommunikationstechnologien. Folglich können Anbieter von Produkt- und Prozessinnovationen deutlich überdurchschnittliche Wachstumsraten erwarten.
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