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Breitband - Geschwindigkeit ist keine Hexerei
17.01.2002 | Artikel drucken | Artikel empfehlen

Für das virtuelle Vertriebs-Ass Robert T. Online gibt es auf die Frage nach dem besten Online-Zugang vermutlich nur eine mögliche Antwort. Tatsächlich gibt es aber auch hierzulande in Sachen Breitband-Zugang bereits ein erkennbares Leben neben DSL. Ein Überblick.

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Veränderungen auf dem Breitband-Sektor gehören laut Jupiter MMXI zu den Top 3 Schlüsselfaktoren 2001 im europäischen Internet. Die Analysten geht davon aus, dass sich in diesem Jahr die Anzahl der Haushalte mit Breitbandzugang in Europa verdoppeln wird. Dabei werden Belgien (12%) und Schweden (18%) mit den prozentual höchsten Anteilen an Breitbandverbindungen aufwarten können. Für Gesamteuropa gehen die Analysten von Jupiter jedoch davon aus, dass frühestens im Jahr 2006 die kritische Verbreitungsschwelle von 15 Prozent erreicht wird.

breitbandhaushalte

Derzeit sind 80 Prozent aller weltweiten Breitband-Anschlüsse auf nur 5 Staaten verteilt: USA, Südkorea, Kanada, Deutschland und Japan vereinigten laut eMarketer zum Jahreswechsel zusammen etwa 17,7 Millionen der weltweit 20,7 Millionen Breitband-Anschlüsse auf sich. Innerhalb Europas wird Deutschland laut Aussage der Analysten zumindest in naher Zukunft die Führungsrolle innehaben, auch wenn andere Länder einen höheren prozentualen Verbreitungsgrad werden aufweisen können.

Auch wenn es die regelrechte Flut der Werbeaktivitäten der Deutschen Telekom fast nicht mehr vermuten lässt, existieren neben DSL zahlreiche weitere Breitband-Alternativen, die jedoch in Deutschland einen denkbar schweren Stand haben. Nichtsdestotrotz sind allein durch geographische Gegebenheiten (ländliche Gebiete) der DSL-Verbreitung Grenzen gesetzt, weshalb alternativen Zugangstechniken durchaus Chancen eingeräumt werden.


DSL – Der Platzhirsch in Deutschland
Salonfähig wurde der breitbandige Netzzugang per DSL (Digital Subscriber Line) hier zu Lande dadurch, dass die Deutsche Telekom das größte DSL-Netzwerk Europas in den vergangenen zwei Jahren errichtet hat. Mittlerweile sind mehr als zwei Millionen Teilnehmer daran angeschlossen. Laut Unternehmen werden derzeit pro Woche rund 70.000 neue T-DSL-Anschlüsse installiert. Neben der Telekom versuchen auch noch andere Anbieter wie Arcor, QSC etc. Marktanteile im Zukunftsmarkt Breitband zu gewinnen.
Die DSL-Technik nutzt den Umstand, dass der herkömmliche analoge Telefonverkehr im Kupferkabel nicht alle Frequenzen belegt. Splittet man die Bandbreite in unterschiedliche Kanäle - z.B. für Sprach- und Dateninformationen – auf, können die bislang "toten" höheren Frequenzbereiche genutzt werden. Theoretisch sind so Übertragungsraten von mehr als 50 Mbits pro Sekunde möglich - abhängig von der eingesetzten DSL-Variante. Die wohl bekannteste Variante ist ASDL (Asymmetric DSL). Als Geschwindigkeitsstandard wird den Kunden momentan in der Regel 128 Kbits (upstream) bzw. 768 Kbits (downstream) angeboten. Höhere Geschwindigkeiten sind jedoch bei den meisten Anbietern in Planung bzw. bereits möglich.


Kabelmodem – In den USA hui, in Deutschland pfui
Der besonders in den USA beliebte Breitbandzugang via TV-Kabel steckt in Deutschland noch in den Startlöchern und steht erst in wenigen Ballungsgebieten zur Verfügung. Die Nutzung setzt ein Aufrüsten des bestehenden Netzes um einen Rückkanal voraus. Und diese Investitionen werden von den meisten Kabelbetreibern (vor allem der Deutschen Telekom) gescheut. Die angebotenen Geschwindigkeiten bewegen sich zwischen 128 Kbit/s und 2 Mbit/s. Als zusätzliche Hardware ist hier ein spezielles Kabelmodem notwendig, das die meisten Anbieter auf Mietbasis bereitstellen oder für rund 250 Euro zum Kauf anbieten.


Satellitenzugang – Highspeed für ländliche Gegenden
Während die Deutsche Telekom mit Stolz vermeldet, dass man bereits in 2001 die Schallmauer von 2 Millionen DSL-Anschlüssen überschritten hat, werden auch weiterhin ländliche Gegenden sowie der Osten der Republik - aufgrund der modernen Glasfaserleitungen, die nicht T-DSL-fähig sind - auf alternative Zugangsmöglichkeiten angewiesen sein. Eine Möglichkeit besteht in den Highspeed-Zugang via Satellit, der inzwischen von mehreren Anbietern zur Verfügung gestellt wird bzw. den mehrere Anbieter in Pilotprojekten testen. Zwar erlaubt diese Zugangsart sehr hohe Download-Geschwindigkeiten, doch können diese Vorteile nur in eine Richtung (Downstream) ausgespielt werden. Der direkte Rückkanal fehlt im Normalfall und wird durch eine herkömmliche Wählverbindung ersetzt, die meist zusätzliche Kosten verursacht. Zur Nutzung wird eine handelsübliche Satellitenschüssel mit einem digitalen LNB sowie eine Decoderkarte für den Rechner vorausgesetzt. Somit fallen derzeit für die technische Ausrüstung Kosten in Höhe von ca. 150 Euro an.


Powerline – Kurzschluss nicht ausgeschlossen
Powerline soll dafür sorgen, dass künftig neben Strom auch Daten aus der Steckdose kommen. Mittels Powerline sollen Geschwindigkeiten von 2 Mbit/s sowohl im Up- als auch Downstream möglich sein. Jedoch wurde der Powerline-Start immer wieder aufgrund von technischen und rechtlich-regulatorischen Schwierigkeiten nach hinten verlegt und kommerzielle Angebote stehen daher erst seit Mitte 2001 in einigen wenigen Regionen zur Verfügung. Für die Nutzung ist ein spezielles Modem notwendig, das einfach in eine Steckdose gesteckt wird. Für das Powerline-Modem werden etwa 150 Euro fällig. Die Verbreitung von Powerline lässt jedoch noch arg zu Wünschen übrig. Einerseits werden hierfür Frequenz- und Abschirmungsprobleme verantwortlich gemacht, andererseits stellt die punktgenaue Datenverteilung immer noch ein Problem dar. Diese nicht allzu positiven Voraussetzungen dürfen auch der Grund dafür gewesen sein, dass EON seine Powerline-Pläne erst einmal auf Eis gelegt hat. Einzig der Essener RWE-Konzern hat den Breitbandzugang bisher in größerem Stil eingeführt.


Richtfunk – Nicht nur für Unternehmen
Eine weitere Breitband-Alternative stellt der Richtfunk (WLL Wireless Local Loop) dar. Er bietet die volle Bandbreite im Gegensatz zu DSL bidirektional, sprich für Up- und auch Downloads. Mit angebotenen Übertragungsraten von bis zu 5 Mbit/s gehört der Richtfunk eher zur Highspeed-Oberklasse, was sich auch im Preis niederschlägt. So ist die Liste der Anbieter sehr kurz und bis dato ist der Empfang nur in wenigen lokalen Regionen möglich. Auch sind auf Hardwareseite recht hohe Investitionen von Nöten: Richtfunkantenne, Empfangskarte und Adapter werden benötigt und schlagen mit mehreren hundert Euro zu Buche.


Wireless LAN – Konkurrenz für UMTS?
Als große mobile Konkurrenz für die noch nicht vorhandenen UMTS-Dienste mausern sich in letzter Zeit verstärkt Wireless LANs. So hat Wien mit metronet das erste öffentlich nutzbare Wireless-Citynetwork Europas zum Datentransfer mit Breitbandgeschwindigkeit. Damit ist es erstmals möglich, von öffentlichen Plätzen – so genannten Hot Spots – wie Cafes, Restaurants, Hotels oder Bahnhöfen – mit Notebook oder PDA drahtlos ins Internet einzusteigen. Mit einer Übertragungsrate von bis zu 11 Mbits pro Sekunde, also bis zu 60 mal schneller als GPRS oder HSCSD. Dabei ist die mobile Bandbreite nicht ganz günstig. Wird doch für die 60minütige Nutzung im Prepaid-Tarif eine Gebühr von immerhin19,98 Euro fällig. Als zusätzliche Hardware ist jedoch lediglich eine Wireless LAN Karte fällig, die ab ca. 150 Euro zu haben ist.


Warum Breitband oder wo bleiben die Inhalte?
Die überwiegende Mehrzahl der Internet-User nutzt das Medium um eMails zu versenden und zu empfangen oder um nach Informationen zu suchen. Tätigkeiten, die nicht unbedingt einen Highspeed-Zugang notwendig erscheinen lassen. Eine herkömmliche Modem-Wählverbindung bzw. ISDN-Zugang sind hier in der Regel völlig ausreichend. Hinzu kommt, dass der „digitale Flaschenhals“ oftmals nicht beim User liegt und der Breitbandzugang so keinen Geschwindigkeitsvorteil liefert. Doch für Multimedia-Anwendungen, wie Video on Demand (VoD), Musikdownloads oder Internet Telefonie (VoIP) ist der Highspeed-Zugang schon fast eine zwingende Voraussetzung. Aber auch immer mehr Shopping-Sites scheinen davon auszugehen, das der Nutzer über genügend Bandbreite verfügt. Wie ist es sonst zu erklären, dass z.B. die Startseite des Online-Angebots von Tchibo in dieser KW die stolze Größe von 348 Kb besitzt.

Für die „richtigen“ breitbandigen Inhalte sorgen dabei nicht selten die Infrastrukturanbieter selbst, indem sie in den vergangenen Monaten entweder Kooperationen mit den entsprechenden Medienunternehmen eingegangen sind, oder ein eigenes Angebot entwickelt haben. So bietet die Mobilcom-Tochter freenet unter freespeed.de ein Breitband-Portal für ihre „easyDSL“ Kunden an. Arcor bietet einen Video on Demand Service an, der am besten „mit der Flatrate Arcor-DSL“ genutzt werden kann.

Doch sei an dieser Stelle auch gesagt, dass bis dato noch kein kommerzieller Anbieter von Musikdownloads bzw. VoD ein attraktives und gleichzeitig leicht zu bedienendes Breitband-Angebot auf den Markt gebracht hat. Die Zahlungsbereitschaft für Multimedia-Content ist durchaus vorhanden, doch muss für den Kunden auch ein Mehrwert zu erkennen sein. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass Paul Jackson, Analyst bei Forrester Research, die größte Herausforderung der Medienkonzerne darin sieht, leicht zu bedienende High-Performance-Angebote zu schaffen, die das Kaufen und Herunterladen von Multimedia-Inhalten einfacher als das Stehlen machen.



Autor: Matthias Robben

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