Eine gewisse Abhängigkeit des eBusiness und mCommerce von bestehenden und bevorstehenden technischen Standards lässt sich schwerlich leugnen. Grund genug einmal näher zu schauen, was sich hinter Begriffen wie DSL, PLC, UMTS, Bluetooth, i-mode & Co. tatsächlich verbirgt. Ein Überblick.
GSM Das „Global System for Mobile Communication" - kurz GSM - ist das heute weltweit am meisten genutzte Mobiltelefonsystem. Die weit verbreiteten GSM-Handys sind mit einer Übertragungsrate von 9,6 KBit/s vor allem für das Telefonieren und den Versand von SMS geeignet. Für den Bandbreitenbedarf von Internet-Anwendungen reicht das aber nicht aus. Mit Hilfe des WAP-Standards wurden zwar bescheidene Internet-Recherchen und durch die Implementierung von HSCSD in die GSM-Netze ein schnellerer Datentransfer möglich. Trotzdem ist GSM für einen Online-Betrieb, wie bei PCs üblich, kaum geeignet. Dabei wird, wie bereits im Festnetz, auch im Mobilfunkbereich der Datenverkehr den Sprachverkehr in absehbarer Zeit übertreffen.
Der Weg zu den für die künftige mobile Nutzung des Internet und multimedialer Mehrwertdienste erforderlichen Bandbreiten und Übertragungsraten in Mobilfunknetzen führt von GSM zu UMTS, dies allerdings weder schlagartig noch geradlinig, sondern über GPRS und EDGE. Langfristig wird UMTS GSM zunehmend ablösen.
GPRS Der erste wichtige Schritt auf dem Weg zur Dritten Mobilfunkgeneration (3G) UMTS ist mit dem General Packet Radio Service - GPRS bereits erfolgt. GPRS ist ein erweiterter GSM-Standard und kann mit einer vergleichsweise unkomplizierten Umrüstung auf die GSM-Netze aufgesetzt werden. GPRS ist heute Realität. Mit dem GPRS-Verfahren sollen theoretisch Geschwindigkeiten von 115 kbit/s möglich sein, doch wird für die Mobilfunkpraxis realistischerweise mit einer Größenordnung von etwa 28 kbit/s gerechnet. Irrtümlicherweise wird GPRS oft als reiner Zwischenschritt hin zu UMTS verstanden. Richtig ist, dass die eigentliche Revolution auf dem Weg zu UMTS bereits mit dem Übergang von leitungs- zu paketvermittelter Datenübertragung (GPRS) erfolgt ist. Viele neue Applikationen und Services sind über den neuen, paketvermittelten Übertragungsstandard schon heute verfügbar. UMTS wird „lediglich“ eine noch höhere Datenübertragung und Netzwerkeffizienz ermöglichen.
Die UMTS-Lizenzbedingungen bestimmen, dass 50 Prozent der deutschen Bevölkerung bis Ende 2005 mit entsprechenden Netzen versorgt sein müssen. Hierzu werden die Netzbetreiber zunächst die Großstädte und Ballungsräume mit dem neuen Netzwerk ausrüsten. In kleinstädtisch und ländlich geprägten Regionen werden die GSM/GPRS-Netze daher noch längere Zeit parallel existieren und den Zugang zum mobilen Internet sicherstellen.
EDGE Im Jahr 2000 ist es bei den Versteigerungen der Funklizenzen für UMTS in einigen europäischen Ländern aufgrund der großen Nachfrage zu einer enormen Preisanhebung pro Frequenzpaket gekommen. Dabei stehen aber pro europäischen Land nur 12 gepaarte und 5 ungepaarte Frequenzpakete zur Verfügung, so dass in größeren Ländern einige Netzbetreiber leer ausgegangen sind. Das heißt jedoch nicht, dass diese Netzbetreiber in Zukunft keine modernen Mobilfunk-Dienstleistungen anbieten können. Denn mit Hilfe des EDGE-Standards („Enhanced Data Rates for GSM Evolution“) haben diese Mobilfunk-Netzbetreiber die Möglichkeit, bestehende GSM/GPRS-Netze auf den Standard der 3. Mobilfunkgeneration zu bringen.
EDGE erweitert die Übertragungsraten auf 384 bis 473 Kbit/s, zu Beginn werden es etwa 120 Kbit/s sein. EDGE wird auch als „2,5G“ bezeichnet - 3G bezieht sich gemeinhin auf UMTS.. Es nutzt die Übertragungstechnik von UMTS, soll aber im Frequenzbereich heutiger GSM-Netze arbeiten. Da UMTS aber bis zur Flächendeckung lange brauchen wird, bleiben GPRS und EDGE weiter im Rennen.
UMTS Doppelt so schnell wie T-DSL und dazu noch mobil – kein Wunder, dass die Verheißungen des Mobilfunkstandards der dritten Generation die Phantasien der Telcostrategen beflügelt haben. Von aus heutiger Sicht eher zweifelhaften Umsatzprognosen getrieben haben sich die europäischen Telcos mit dem Erwerb der geradezu absurd teuren UMTS-Lizenzen in die schlimmste finanzielle Schieflage der Branchengeschichte manövriert. Etwa 130 Milliarden EUR Lizenzgebühren wurden europaweit gezahlt - ungefähr das Doppelte des gesamten TK-Marktvolumens Deutschlands. Den nächsten Kraftakt fordert den Unternehmen der Netzausbau ab, der bei jedem Anbieter in Deutschland mit 2,5 bis 3 Mrd. EUR zu Buche schlagen wird.
Dieser gewaltige Aufwand wirkt sich zwar lähmend auf die Innovationstätigkeit der Lizenznehmer aus, erhöht aber gleichzeitig den Zeitdruck für die Entwicklung von neuen mobilen Mehrwertdiensten. Die für einen Massenmarkt interessanten, gewinnbringenden UMTS-Killerapplikationen sind bislang jedenfalls noch nicht ausgemacht. Einen Fehlstart bei UMTS kann und will sich keiner der Anbieter leisten. Der Reihe nach haben sie ihre ursprünglich ab Mitte 2002 geplanten Starttermine für UMTS vertagt. Vor Mitte 2003 werden außerdem keine UMTS-Handys in ausreichender Stückzahl verfügbar sein.
Zwischenzeitlich wächst jedoch auch der Wettbewerbsdruck durch alternative Technologien. Bis auf Videoapplikationen kann man heute mit GPRS schon genauso viel machen wie künftig mit UMTS, wenngleich nicht ganz so schnell und komfortabel. Wireless LANs in Umgebungen, die von zahlungskräftigen Anwendern stark frequentiert werden (Hot Spots), werden von zahlreichen Fachleuten ebenfalls bereits als Bedrohung für UMTS angesehen, zumal hierbei keine teuren Lizenzgebühren refinanziert werden müssen.
UMTS wird die Mobilfunkwelt jedenfalls nicht von heute auf morgen verändern. Mittel- bis langfristig wird sich ein Übergang von GSM auf GPRS und UMTS vollziehen. Die TK-Analysten gehen daher auch von einem langfristig realisierbaren Markterfolg von UMTS aus, den jedoch nicht mehr alle der heutigen Lizenzinhaber noch erleben werden.