WAP
Beim Wireless Application Protocol (WAP) handelt es sich im Gegensatz
zu UMTS, GPRS & Co. nicht um einen Übertragungsstandard, sondern
um eine Beschreibungssprache. WAP ist am ehesten mit HTML vergleichbar
und stellt eine offene, globale Spezifikation dar, die es Nutzern
mit entsprechenden mobilen Endgeräten (Handy, Handhelds, Autoradios
etc.) ermöglicht, unabhängig vom jeweiligen Ort auf Informationen
und Dienstleistungen zuzugreifen. So ist WAP auch an keinen bestimmten
Mobilfunk-Standard gebunden, sondern setzt zur Nutzung lediglich
einen kompatiblen Microbrowser voraus, der die in WML (Wireless
Markup Language) geschriebenen Seiten darstellen kann.
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stehen hinter dem heute „quasi-Standard“ alle wichtigen Telekommunikationsunternehmen
und decken dabei mehr als 90% des bestehenden Mobilfunkmarktes ab.
Eher schleppend verlief bis heute jedoch die Verbreitung und Nutzung
von WAP. Auf die möglichen Ursachen hierfür hat Forrester Research
bereits im Sommer 2000 aufmerksam gemacht: Unbefriedigende Übertragungsgeschwindigkeiten,
zu kleine Displays sowie eine umständliche Navigation tragen - neben
einer eher zögerlichen Verbreitung von wapfähigen Handys - zu einer
bislang eher mäßigen Penetrationsrate bei. Und selbst wer über ein
entsprechendes Endgerät verfügt, wird damit noch nicht automatisch
zum WAP-Nutzer. So ermittelte Speedfacts
in einer nicht repräsentativen Studie unter 2.000 Personen, dass
sich 51% der deutschen Internetnutzer, die ein WAP-Handy besitzen,
nicht für Angebote auf WAP-Portalen interessieren und diese auch
so gut wie überhaupt nicht nutzen würden. Frost
& Sullivan prognostizierte Ende letzten Jahres, dass die Zahl
der „WAP-Subscriber“ auch in den kommenden 12-18 Monaten nur langsam
zunehmen wird und Ende 2002 gerade einmal 10% der Handy-Nutzer auch
für WAP-Services bezahlen werden. Bis 2006 soll sich diese Zahl
dann auf 65% der Nutzer erhöhen.
WAP steht und fällt mit der Attraktivität des Gesamtpaktes. Angefangen
bei akzeptablen Übertragungsgeschwindigkeiten, über die ansprechende
Darstellung sowie eine intuitive Nutzerführung bis hin zu attraktiven
Contents. Gelingt UMTS der erhoffte Siegeszug, dürfte sich damit
automatisch auch die Nachfrage nach guten WAP-Sites erhöhen.
i-mode
Seinen Ursprung hat i-mode in Japan. Und im Land der aufgehenden
Sonne hat sich dieser mobile Service inzwischen zu einem ebenso
viel wie gern zitieren Paradebeispiel für erfolgreichen mCommerce
entwickelt. Im Februar 1999 als exklusives Angebot der NTT
DoCoMo gestartet, verfügt i-mode in Japan heute über 32,8 Millionen
Nutzer, 2.004 lizenzierte Content Anbieter mit 3.005 offiziellen
Sites sowie weiteren 53.725 so genannten „voluntary“ i-mode-Sites,
die von unabhängigen Betreibern zumeist kostenlos angeboten werden.
Laut Forrester
bewegt sich mCommerce in Japan inzwischen in einer Größenordnung
von 400 Millionen US$ und übersteigt die aktuellen europäischen
Umsätze damit um mehr als das 30fache.
In gewisser Weise lässt sich i-mode vielleicht am ehesten mit WAP
vergleichen. Rein technisch handelt es sich auch hier vordergründig
um eine Beschreibungssprache auf der Grundlage von iHTML (i-mode
compatible Hypertext Markup Language). Bereits in dem Namen deutet
sich dabei die enge Verwandtschaft mit dem bekannten Internet-Standard
an. Die Beschreibungssprache verfügt im Vergleich zu WML über bessere
grafische Möglichkeiten und ist schneller und einfacher zu programmieren.
Zudem garantiert GPRS als aktueller Übertragungsstandard für i-mode
(später kann alternativ auch eine Umstellung auf UMTS erfolgen)
eine „always on“-Funktionalität, die lästige und zeitraubende Einwahlvorgänge
hinfällig macht.
Das eigentlich Besondere an i-mode liegt jedoch im Gesamtpaket begründet:
Denn es handelt sich weitaus weniger um eine bloße technische Lösung
als vielmehr um ein komplettes Geschäftsmodell. Bei i-mode stand
und steht vor allem die Bereitstellung eines breit gefächerten Content-Angebots
im Vordergrund. Lizenzierte Anbieter stellen die Inhalte (Nachrichten
& Infodienste, eMail, Ticketservices und Shopangebote, Spiele…)
bereit, die nach Volumen abgerechnet werden und an denen der Serviceanbieter
(also etwa NTT DoCoMo) wiederum mit einer Provision beteiligt ist.
Für den Nutzer wird darüber hinaus zudem eine monatliche Grundgebühr
fällig. Da sich Kosten und angebotene Leistungen in Japan in einem
offenbar sehr günstigen Preis-Leistungsverhältnis bewegen, hat sich
i-mode dort zu einem echten „Renner“ gemausert.
Ein wenig von diesem Erfolg partizipieren möchten in Europa die
niederländische KPN
sowie deren deutsche Mobilfunktochter ePlus.
Gemeinsam bieten sie seit dem 16. März 2002 i-mode exklusiv in den
Niederlanden und Deutschland an. Die Bilanz nach zwei Monaten: Bislang
konnten 34.000 Kunden für den neuen Service gewonnen werden und
die Zahl der Content-Anbieter hat sich von 60 Partnern beim Start
auf inzwischen 90 erhöht. Daneben bestehen bis dato rund 700 private
i-mode-Homepages, die mit den japanischen „voluntary“-Sites vergleichbar
sind.
Von einem i-mode-Erfolg wie in Japan geht in Europa derzeit niemand
aus. Neben dem Markt- und Entwicklungsvorsprung dürften vor allem
auch das hiesige Kostenmodell sowie ein differierendes Verbraucherverhalten
eher bremsend wirken. Hinzu kommen mögliche Versorgungsengpässe
mit i-mode-fähigen Handys. Nachdem sich Nokia bislang beharrlich
weigert, i-mode-Handys herzustellen, kann ePlus hierzulande nur
mit Geräten von Nischenanbietern wie Nec oder Toshiba aufwarten.
Positiv zu werten ist allerdings der mögliche „Lerngewinn“ beim
Aufbau und der Vermarktung mobilen Contents. Denn wie bereits Yusuke
Kanda von NTT DoCoMo im Rahmen der Euroform Conference in Düsseldorf
feststellte: „Europäische Mobilfunk Anbieter sollten sich weniger
Gedanken über die Technologie als vielmehr über die anzubietenden
Services machen, wenn sie beabsichtigen mit neuen breitbandigen
Internet-Services Geld zu verdienen.“