DSL
Breitbandzugänge gehören laut Jupiter
MMXI zu den Top-Themen 2002 in Europa. Kein Wunder, soll sich
doch die Anzahl der Haushalte mit Breitbandzugang in Europa 2002
verdoppeln Dabei hat bei einer Betrachtung des gesamten europäischen
Breitband-Marktes DSL eindeutig die Nase vorn: Laut IDC entfielen
Ende 2001 68 Prozent auf DSL, 30 Prozent auf Kabelmodems und 2 Prozent
auf sonstige Technologien inkl. Satellitenübertragung und Powerline.
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Als die „Top-Technologie für 2002 in der Telekommunikation“ ist
der Highspeed Internetzugang DSL von den Mummert
+ Partner Marktforschern gekürt worden. Dabei nutzt die DSL-Technik
den Umstand, dass der herkömmliche analoge Telefonverkehr im Kupferkabel
nicht alle Frequenzen belegt. Splittet man die Bandbreite in unterschiedliche
Kanäle - z.B. für Sprach- und Dateninformationen - auf, können die
bislang "toten" höheren Frequenzbereiche genutzt werden.
Theoretisch sind so Übertragungsraten von mehr als 50 Mbits pro
Sekunde möglich - abhängig von der eingesetzten DSL-Variante. Die
wohl bekannteste Variante ist ASDL (Asymmetric DSL). Als Geschwindigkeitsstandard
wird den Kunden momentan in der Regel 128 Kbits (upstream) bzw.
768 Kbits (downstream) angeboten. Höhere Geschwindigkeiten sind
jedoch bei den meisten Anbietern in Planung bzw. bereits möglich.
Es führen nur wenige Wege in Deutschland an der Telekom vorbei,
will der Nutzer komfortable Download-Geschwindigkeiten nutzen. Die
dominierende Breitband-Technologie ist hierzulande ganz eindeutig
der DSL-Zugang (Digital Subscriber Line) der Deutschen
Telekom. Mit derzeit insgesamt 2,3 Millionen vermarkteten T-DSL-Verträgen
führt man das Feld unangefochten an. Und laut eigenen Angaben kann
der Riese in Magenta bis zu 90 Prozent der deutschen Haushalte mit
T-DSL versorgen. Dagegen kommt der Mitbewerber QSC
auf lediglich 20.000 angeschlossene Kunden, Arcor
gibt sich in Fragen DSL-Kundenzahlen gänzlich zugeknöpft. Etwas
Bewegung dürfte die RegTP
mit Ihrer Entscheidung zum Line-Sharing in den DSL-Markt gebracht
haben. Demnach muss die Telekom jetzt für 4,77 Euro pro Monat seinen
Mitbewerbern die DSL-Durchleitung via Telekom-Kabel zum Kunden ermöglichen.
Eine zweite Anschlussleitung ist nicht mehr zwingend notwendig.
Kabel
Als härtester Konkurrent zu DSL ist der Breitbandzugang via Kabelmodem
anzusehen. Während es jedoch in den USA wesentlich mehr Kabel- denn
DSL-Zugänge gibt, steckt der Breitbandzugang via TV-Kabel in Deutschland
noch in den Kinderschuhen. Erst in wenigen Ballungsräumen werden
meist nur Projekte mit Pilotcharakter angeboten. Dabei können sich
die zu erzielenden Übertragungsraten (ca. 2 Mbit) dann durchaus
sehen lassen. Und gegenüber dem herkömmlichen Telefonnetz hat das
TV-Kabel den Vorteil, dass der Zugang zeitlich unbegrenzt (always
online) ist, da das Kabelmodem den Computer in der Regel sofort
nach dem Einschalten mit dem Internet verbindet. Weil das deutsche
Kabelnetz jedoch bereits relativ alt ist (oft über 20 Jahre), setzt
die Internet-Nutzung ein kostspieliges Aufrüsten des bestehenden
Netzes um einen Rückkanal voraus. Investitionen, die die Deutsche
Telekom - als Haupteigner des Kabelnetzes - selbstverständlich scheut,
verfügt sie doch mit T-DSL über ein wesentlich kostengünstigeres
Alternativprodukt und ist verständlicherweise nicht allzu stark
an zusätzlicher Konkurrenz interessiert. Und so wirkt sich die Tatsache,
dass bis dato lediglich 3 der 9 Kabelnetzregionen
bereits verkauft wurden, als weiterer Ausbau-Hinderungsgrund aus.
Potential ist beim Internetzugang via TV-Kabel durchaus vorhanden,
zumal auch Telefondienste sowie iDTV (interaktive Informations-
und Unterhaltungsangebote via TV) als Anwendungsmöglichkeiten in
Frage kommen. Nichtsdestotrotz sind die notwendigen Investitionen
in die Aufrüstung des Kabennetztes enorm und mit jedem neuen DSL-Kunden
werden diese Investionen uninteressanter.
Powerline
Powerline (PLC -Powerline Communication) soll eigentlich dafür sorgen,
dass künftig neben Strom auch Daten in High-Speed-Geschwindigkeit
aus der Steckdose kommen. Datenmengen von bis zu zwei Megabit pro
Sekunde versprechen die Anbieter. Da der User über jede Steckdose
auf das Internet zugreifen kann, ist eine zusätzliche Verkabelung
von Gebäuden mit Kommunikationsleitungen nicht notwendig. Doch in
letzter Zeit ist es von Seiten der Anbieter verdächtig ruhig geworden.
Markteinführungen wurden immer wieder (meist aufgrund technischer
Probleme: einerseits werden hierfür Frequenz- und Abschirmungsprobleme
verantwortlich gemacht, andererseits stellt die punktgenaue Datenverteilung
immer noch ein Problem dar) verschoben und die Anzahl der angeschlossenen
Haushalte ist immer noch verschwindend gering. So investierte z.B.
RWE Powerline
im vergangenen Jahr noch kräftig in die Vermarktung seiner PLC-Technik
und gab nun dann doch den "Teilausstieg" bekannt. Jetzt
sucht der Konzern nach einem Partner für die Datenvernetzung
im Haus. Bereits seit der CeBIT, wo das Unternehmen keine Präsenz
mehr gezeigt hatte, kursierten im Markt erste Gerüchte über den
Rückzug von RWE aus dieser Technologie. Und die rund 500 Haushalte
und kleineren Betriebe, die den EnPowerline-Zugang
der EnBW Baden-Württemberg nutzen bzw. ca. 2.000 Kunden des Mannheimer
Powerline-Dienstes Vype
können auch nicht unbedingt als bahnbrechender Erfolg bezeichnet
werden. Fast scheint es, als würde sich die Powerline-Technik hierzulande
nicht rechnen. Zu hoch sind die notwendigen Investitionen, zu unausgereift
scheint noch immer die Technik zu sein und zu übermächtig präsentiert
sich die DSL-Konkurrenz der Telekom.
Diese Einschätzung vertritt auch Jörg Nußbaumer, Analyst bei Forrester
Research: "Gerade technische und preisliche Unzulänglichkeiten
verhindern den schnellen Erfolg", so Nußbaumer. "Powerline
tritt in den nächsten Monaten in direkte Konkurrenz zur DSL-Technologie.
Mit dieser wird sie sich messen müssen und dabei unterliegen",
ist Nußbaumer überzeugt. Diese nicht allzu positiven Voraussetzungen
dürften auch der Grund dafür gewesen sein, dass E-ON seine Powerline-Pläne
erst einmal auf Eis gelegt hat. Bessere Chancen werden der Powerline-Technik
dagegen in einigen Staaten Osteuropas, Asiens und Südamerika eingeräumt,
wo das Telefonnetz nicht flächendeckend zur Verfügung steht und
keine DSL-Konkurrenz den Markt beherrscht.